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Adrien Brody ist "Der Pianist"

Der Pianist

Er wollte nie seine eigene Geschichte verfilmen. Dennoch glich für Roman Polanski die Beschäftigung mit der Überlebensgeschichte des jüdischen Konzertpianisten Wladyslaw Szpilman für den Film "Der Pianist" (2002) einer Rückkehr in die eigene, vom Grauen geprägte Kindheit. Der Regisseur kam 1933 in Paris zur Welt und zog drei Jahre später mit seiner Familie nach Krakau. 1939 wurde sie ins Getto eingewiesen. Als neunjähriger Junge blieb Polanski allein dort zurück. Seine Mutter ermordeten die Nazis in Auschwitz, sein Vater überlebte den Holocaust in Mauthausen. Er selbst entkam durch Flucht der Todesfalle und wurde von polnischen Bauern versteckt. 3sat zeigt Polanskis oscarprämiertes Meisterwerk in einer Wiederholung.

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Unbekanntere Gesichter und eine komplett europäische Besetzung - das wünschte sich Roman Polanski für die Verfilmung der wahren Geschichte des verfolgten jüdisch-polnischen Klaviervirtuosen Wladyslaw Szpilman. Und doch fand er seinen idealen Hauptdarsteller in Amerika: Adrien Brody. "Ich besitze wohl europäische Qualitäten", erklärt der damals 28-jährige New Yorker mit jüdischen Wurzeln lächelnd. Ob als Punk in Spike Lees "Summer of Sam" oder als Streetworker in Ken Loachs "Bread & Roses" - Brody machte bis dahin in Independent-Filmen und europäischen Produktionen auf sich aufmerksam. Den Drang, der Masse zu gefallen, verspürt er nicht. Der Oscar 2003 für "Der Pianist" kam trotzdem.

"In sehr privaten Gesprächen hat Roman mit mir viele seiner Gefühle und Erlebnisse geteilt", erzählte Brody. In seiner Rolle lebt er als musisch-verträumter Radio-Pianist mit seiner Familie in Warschau und stolpert angesichts des unvorstellbaren Grauens mit einem Ausdruck der Ungläubigkeit durch die Wirklichkeit.

Nach dem Überfall der Nazis auf Polen errichten die Deutschen ein Getto, in das die jüdischen Familien, darunter auch die Szpilmans, eingewiesen werden. Minutiös beschreibt Polanski den langsamen Prozess der Demütigung und die Zerstörung jedes Menschenrechts. Krankheit, Hunger und Tod prägen das Leben der eingeschlossenen Juden.

Der Zuschauer erlebt das Schreckensszenario aus der Perspektive Szpilmans und teilt damit dessen Hilflosigkeit. Wider besseres Wissen vermittelt sich durch den subjektiven Blick die Hoffnung, dass es nicht noch schlimmer werde. Doch dann beginnen die Deportationen nach Auschwitz. Szpilman wird aus der Menge gefischt und bleibt als einer von wenigen zurück. Dank engagierter Kameraden gelingt ihm die Flucht aus dem Getto, in verschiedenen Gebäuden kann er sich während des gesamten Krieges verstecken.

Doch kurz vor Kriegsende scheint sein Schicksal besiegelt: Der deutsche Offizier Wilm Hosenfeld (Thomas Kretschmann) findet ihn. Aber der kultivierte Kunstkenner verrät den Pianisten nicht, er versorgt ihn sogar mit Nahrung. Brot für Musik. Es stellt sich die Frage, welche Bedeutung Kunst in Zeiten des Kriegs und der Vernichtung überhaupt haben kann.

Polanski hielt sich bei seiner nüchternen Verfilmung der Autobiografie Szpilmans, "Das wunderbare Überleben", genau an die Vorlage, die er selbst als "ein Buch voller Hoffnung" bezeichnete. Auch im Film zeigt er eine ohnmächtige, passive und dennoch irritierend optimistische Figur. Kann Überleben eine Frage des Willens sein?

Wilfried Geldner


Nach der Zwangsumsiedlung ins Warschauer Getto arbeitet der berühmte polnische Pianist Wladyslaw Szpilman (Adrien Brody) in einem Café und muss den Judenstern tragen.
Nach der Zwangsumsiedlung ins Warschauer Getto arbeitet der berühmte polnische Pianist Wladyslaw Szpilman (Adrien Brody) in einem Café und muss den Judenstern tragen. (3sat / Tobis)

Der deutsche Hauptmann Wilm Hosenfeld (Thomas Kretschmann, rechts) rettet dem jüdischen Pianisten Wladyslaw Szpilman (Adrien Brody) vor Kriegsende das Leben.
Der deutsche Hauptmann Wilm Hosenfeld (Thomas Kretschmann, rechts) rettet dem jüdischen Pianisten Wladyslaw Szpilman (Adrien Brody) vor Kriegsende das Leben. (3sat / Tobis)

Nur mit knapper Not entging der Pianist Wladyslaw Szpilman (Adrien Brody) der Deportation in die Gaskammer. Fassungslos irrt er durch die Ruinen des Warschauer Gettos.
Nur mit knapper Not entging der Pianist Wladyslaw Szpilman (Adrien Brody) der Deportation in die Gaskammer. Fassungslos irrt er durch die Ruinen des Warschauer Gettos. (3sat / Tobis)

Datum: 24.01.2010

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