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Der Schneider von Panama

Der Schneider von Panama

(tsch) Seine James-Bond-Ära ist Geschichte, Pierce Brosnan wurde als 007 abgelöst. Fortan wird sich Daniel Craig an Brosnan und Co. messen lassen müssen, wenn am 23. November 2006 sein eigenes Debüt im Geheimdienst Ihrer Majestät ansteht (Titel: "Casino Royale"). Der gebürtige Ire Brosnan bereitet schon seit langem die "Karriere danach" vor. Mit Filmen wie "Der Schneider von Panama" (2000) geht der Schauspieler spürbar und ganz bewusst auf Distanz zum berühmtesten Agenten aller Zeiten. Es fällt schon auf, dass Brosnan auch hier als Agent Ihrer Majestät auftritt, der jedoch ganz offensichtlich wenig gemein hat mit dem Heroen James Bond. SAT.1 zeigt den etwas spröden und daher im Kino nur wenig erfolgreichen Thriller nun in einer Wiederholung.

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Romanautor John Le Carré lobte den Mut Brosnans, sich gerade solch einer Herausforderung zu stellen. Wenngleich: Die Figur des Andy Osnard, der mehr oder minder strafversetzt wird und nun in Panama ermitteln soll, ist dankbar. Auch als selbstironische Vorführung eigener künstlerischer Flexibilität.

Osnard wäre gern wie Bond, ist es aber nicht. Vor allem ist er ein aufgeblasener Möchtegern-Agent, der zwar skrupellos und zielstrebig agiert, aber eben auch eine ganze Reihe von Fehlern macht und dabei ein ums andere Mal Opfer seiner eigenen Arroganz und Selbstgefälligkeit wird. In Panama sucht er den Schneider Harry Pendel auf, der für die oberen Herren arbeitet und daher über beste Informationen zur Zukunft des Landes verfügen sollte. Vor allem geht es Osnard um die des Panama-Kanals, der Film spielt vor dessen Vergabe an die neuen Besitzer Ende 1999.

Der Agent braucht spektakuläre Informationen für seine Vorgesetzten, um sein ramponiertes Image wieder aufzubessern. Und der Schneider braucht Geld, das ihm der Agent bereitwillig zahlt. Da es aber reichlich wenig zu erzählen gibt, beziehungsweise Schneider Pendel eigentlich wenig weiß, erfindet er kurzerhand einen bevorstehenden Staatsstreich, konstruiert zunächst dezent den Plan einer Verschwörung und bastelt in die Geschichte sein eigenes Leben ein, das er eigentlich nicht allzu spektakulär an der Seite seiner Frau (Jamie Lee Curtis) verbringt. Zumal Pendel auch privat unter Druck gerät. Niemand in Panama weiß von seiner Gefängnisvergangenheit, und so erscheint es ihm sinnvoll, dem Geheimdienst das zu geben, was der hören will. Doch die Situation gerät Stück für Stück außer Kontrolle, Osnard und Pendel stehen plötzlich machtlos den politischen Mechanismen gegenüber.

Anders als im Buch von Le Carré ("Das Russland-Haus") findet die Story im Kino noch einen einigermaßen versöhnlichen Schluss, der nicht so recht zum bissig-satirischen Grundton des ungewöhnlichen Plots passen will. Das ist dann aber auch das einzige Zugeständnis an den amerikanischen Markt. "Der Schneider von Panama", der seine Uraufführung bei den Filmfestspielen in Berlin erlebte, ist sonst ein ungewöhnlicher, eher europäischer Film, der es seinen Zuschauern nicht zu leicht machen will. So recht lieb gewinnen lässt sich eigentlich keine einzige Figur dieses Dramas, das auf Helden in jeder Form verzichtet. Regisseur John Boorman führt sie mit festen Zügeln hart entlang an der Grenze zur Lächerlichkeit, entlarvt Diplomatie als Berechnung und große Politik als Ergebnis der Hirngespinste kleiner Leute.

So kommt "Der Schneider von Panama" eher als intelligentes Theaterstück, als Aufführung daher. Aber amüsant ist dieses karikaturistische Spiel sehr wohl, spannend obendrein und vor allem: Es ist unberechenbar. Nie ist klar, was als nächstes geschieht. Dennoch wird der Bogen der Glaubwürdigkeit zu keiner Zeit vollends überspannt. Zwei Stunden intelligente Unterhaltung also, an deren Ende sich die Ereignisse überschlagen werden. Das sei jenen gesagt, die nach 60 Minuten glauben, sie sähen hier einen Film, in dem rein gar nichts passiert.

Kai-Oliver Derks


Wasserspiele - Pierce Brosnan und Jamie Lee Curtis.
Wasserspiele - Pierce Brosnan und Jamie Lee Curtis. (Sony Pictures Television International)

Als Unruhestifter und Ränkeschmied wird der britische Spion Andrew Osnard (Pierce Brosnan) von seiner Behörde nach Panama abgeschoben.
Als Unruhestifter und Ränkeschmied wird der britische Spion Andrew Osnard (Pierce Brosnan) von seiner Behörde nach Panama abgeschoben. (Sony Pictures Television International)

Ein folgenschweres Aufeinandertreffen: Harry Pendel (Geoffrey Rush, links) und der britische Agent Andrew Osnard (Pierce Brosnan)
Ein folgenschweres Aufeinandertreffen: Harry Pendel (Geoffrey Rush, links) und der britische Agent Andrew Osnard (Pierce Brosnan) (Sony Pictures Television International)

Datum: 28.01.2006

Artikel ID 164369

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