"Gangs of New York": ein schwächerer Film von Scorsese
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Gangs of New York
Sie mögen sich, keine Frage. Schon dreimal waren Regisseur Martin Scorsese und Leonardo DiCaprio als Team erfolgreich. 2010 stehen nach "Gangs of New York" (2002), "Aviator" (2004) und "The Departed" (2006) die beiden nächsten Großprojekte des Gespanns an. DiCaprio wird zum einen den 26. US-Präsidenten Theodore Roosevelt im Biopic "The Rise of Theodore Roosevelt" verkörpern. Zum anderen läuft am 25. Februar der Thriller "Shutter Island" an, in dem DiCaprio in einem Gefängnis für geisteskranke Schwerverbrecher ermittelt. Zur Einstimmung wiederholt kabel eins mit "Gangs of New York" das gemeinsame Debüt von DiCaprio und Scorsese, die zurzeit schon ein weiteres gemeinsames Projekt vorbereiten: Bei "The Wolf of Wall Street" wird DiCaprio nicht nur als Hauptdarsteller, sondern auch als Co-Produzent fungieren.
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Am Anfang ist nicht das Wort, sondern die Rasierklinge. Blutverschmiert. Noch fährt sie über Bartstoppeln. Doch schon bald reiht sie sich ein in die Phalanx der Fleischermesser und Hackebeile, die hässliche Wunden hinterlassen. Der Mann, der sie führt und seinem Sohn eines der Geheimnisse des Lebens mit auf dem Weg gibt - "Das Blut bleibt an der Klinge" - hat keine Zeit für Körperpflege. Draußen vor der Tür wartet der Tod auf Priest Vallon (Liam Neeson).
Five Points nennt sich der Ort, den Scorsese als frühen Mittelpunkt New Yorks ausmacht. Der Mann, der die Rasierklinge führte, ist der Anführer der "Dead Rabbits", einer Gang von Iren, die mit den Einheimischen um die Vorherrschaft kämpfen. Der Film ist gerade mal 15 Minuten alt, da liegt Vallon tot im Schnee, dahingerafft vom Anführer der Gegner, Bill the Butcher, und beweint von seinem kleinen Sohn, Amsterdam Vallon.
16 Jahre später kehrt dieser aus einer Erziehungsanstalt als junger Mann zurück - Leonardo DiCaprio. Der Mörder seines Vaters, einer der vielschichtigsten Leinwand-Charaktere der letzten Jahre, von Daniel Day-Lewis kongenial als Mischung aus Verschlagenheit, Brutalität und feinstem Zynismus gespielt, stieg inzwischen zum unangefochtenen Herrscher von Five Points auf. Rache ist Amsterdams einziges Ziel. Er schleicht sich in Bills Umfeld ein, gewinnt Vertrauen und arbeitet auf die Abrechnung hin.
In Deutschland hatte der Film knapp eine Million Zuschauer - sehr ordentlich für ein solch düsteres und brutales Epos. "Gangs of New York" ist ein wunderbar-altmodischer Film, für den in den römischen Cinecittà-Studios die New Yorker Originalkulisse aufgebaut wurde und der fast gänzlich ohne digitale Tricktechnik auskommt. Stück für Stück fügen sich die Bilder von Kameramann Michael Ballhaus zu einer eigenen, rohen und ungeschliffenen Welt zusammen. Hier ist Gewalt noch Gewalt, ohne Maske und geheuchelte Manieren. Was zählt, ist Kraft, Stärke und die Gewissheit, dass der gekonnte Stoß mit dem Messer gelernt sein will.
Frank Rauscher
Töten will gelernt sein - vor allem in diesen Tagen. Bill the Butcher (Daniel Day-Lewis, links) weiß als Metzger, wie's geht. Amsterdam Vallon (Leonardo DiCaprio) soll es nun lernen. (kabel eins / Miramax Films)
Bill the Butcher (Daniel Day-Lewis, links) mag Amsterdam Vallon (Leonardo DiCaprio). Er weiß nicht, dass er der Sohn seines früheren Feindes ist. (kabel eins / Miramax Films)
16 Jahre nach dem Tod seines Vaters sucht Amsterdam Vallon (Leonardo DiCaprio) die Nähe von Bill the Butcher, um Rache zu üben. (kabel eins / Miramax Films)
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