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Guter Verschwörungsthriller: Stieg Larssons "Verdammnis"

Verdammnis

(mb/tsch) Stieg Larsson starb, nachdem er nur drei von ursprünglich zehn geplanten Krimis vollendete. Doch diese drei schrieben Geschichte: Allein in Deutschland wurden 3,7 Millionen Exemplare verkauft. Nach der erfolgreichen Verfilmung des ersten Teils „Verblendung“ war nun „Verdammnis“ an der Reihe. Ähnlich originalgetreu und geradlinig wie im ersten Teil geht es auch hier zu. Aber es wird immer mysteriöser und verschwörerischer und vor allem gefährlicher für die junge Computerhackerin Lisbeth Salander (herausragend: Noomie Rapace). Auch Regisseur Daniel Alfredson, der den „Verblendung“-Macher Niels Arden Oplev ablöste, wagt recht wenig und handelt das Buch Kapitel für Kapitel ab, was jedoch nicht heißen soll, dass ihm ein spannender Thriller gelungen wäre. Doch der zweite Teil der Reihe leidet unter seiner Zwischenposition. Denn der große Showdown wird für „Vergebung“, dem letzten Teil der Reihe, aufgespart. Dieser wird ab dem 3. Juni die weltweite Larsson-Fangemeinde begeistern.

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Blomkvist arbeitet nach den turbulenten Monaten, die im ersten "Millenium"-Teil "Verblendung" (2009, mehr als 600.000 Kinozuschauer) geschildert wurden, wieder als Chefredakteur. Zusammen mit einem jungen Kollegen recherchiert er in einem Fall von Menschenhandel und Zwangsprostitution und entdeckt in einem von Regisseur Daniel Alfredson - er löste Niels Arden Oplev ab - konventionell inszenierten, aber spannenden und tiefgründigen Thriller mit schwermütiger skandinavischer Note eine Verschwörung, die bis in die Regierung reicht. Dort wird nicht lange gefackelt. Erst stirbt Blomkvists idealistischer Kollege, dann ein Mann, den Lisbeth gut kannte: ihr ehemaliger Vormund und Vergewaltiger.

Die junge Frau, die in "Verblendung" zusammen mit Blomkvist ein paar tiefe Abgründe in der schwedischen Gesellschaft entdeckte, steht umgehend unter Mordverdacht. Aber nicht nur Polizei und Medien jagen sie, sondern auch eine Geheimorganisation, die einen ganz speziellen Killer auf sie ansetzt: Lisbeths Vater. Während Blomkvist fieberhaft daran arbeitet, Lisbeths Unschuld zu beweisen, läuft das Mädchen direkt in seine Vergangenheit: und die ist erschreckend, ein von Willkür und Machtmissbrauch geprägtes Martyrium, das auch heute noch Verderben bedeutet. Die fantastische Noomie Rapace überzeugt wieder als Lisbeth und gibt eine beeindruckende Vorstellung als gehetzte Verletzte, wild entschlossen, sich übermächtigen Gegnern entgegen zu werfen, um Gerechtigkeit zu erfahren.

Verschwörungstheorien üben immer eine gewisse Faszination aus - bei Stieg Larsson, der 2004 nach der Fertigstellung der ersten drei von geplanten zehn Krimis an einem Herzinfarkt starb, ist das nicht anders. Der Journalist galt als Experte für anti-demokratische Organisationen - in "Verdammnis" spielen deren Strukturen, Ziele und Methoden eine zentrale Rolle. Wo aber genau die Trennung zwischen faktischen Hintergründen und reiner Fiktion liegt, ist nicht zu erkennen. Dafür wirkt Larssons Konstrukt zu sehr wie der Traum eines großen von der Gesellschaft absichtlich missverstandenen Jungen.

Spannend ist das allemal und unterhaltsam sowieso. Nur allzu ernst sollte man "Verdammnis" dann trotz seiner expliziten - im Vergleich zum Buch allerdings stark zurückgenommenen - Gewaltdarstellung nicht nehmen. Zumal der Film, der zwar mit vielen Rückblenden einige Brücken ins Jetzt baut, darunter leidet, dass Lisbeths Geschichte mit ihrem blutigen Showdown noch nicht zu Ende ist. Vieles bleibt offen und angedeutet - die Auflösung folgt erst im Abschluss der Trilogie: "Vergebung" startet am 3. Juni.

Andreas Fischer

Credits:
V:NFP, S 2009, R: Daniel Alfredson, D: Noomi Rapace, Michael Nyqvist, Lena Endre u.a.

Laufzeit: 129 Min.

Kinostart:
04. Februar 2010

Wertung
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"Verdammnis" ist der zweite Teil der "Millenium"-Trilogie von Stieg Larson - wie der Vorgänger "Verblendung" als klassischer, kühler Skandinavien-Thriller verfilmt.
"Verdammnis" ist der zweite Teil der "Millenium"-Trilogie von Stieg Larson - wie der Vorgänger "Verblendung" als klassischer, kühler Skandinavien-Thriller verfilmt. (Yellow Bird Pictures)
Opfer einer Verschwörung: Lisbeth Salander (Noomi Rapace) gerät unter Mordverdacht.
Opfer einer Verschwörung: Lisbeth Salander (Noomi Rapace) gerät unter Mordverdacht. (Yellow Bird Pictures / Knut Koivisto)
Der Journalist Mikael Blomkvist (Michael Nyqvist) will die Unschuld seiner Bekannten Lisbeth beweisen.
Der Journalist Mikael Blomkvist (Michael Nyqvist) will die Unschuld seiner Bekannten Lisbeth beweisen. (Yellow Bird Pictures / Knut Koivisto)

Datum: 01.02.2010

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