Wenn im Hinterland von Tennessee der Sturm losbricht, der Regen sintflutartig gegen die klapprigen Wände der Häuser peitscht, dann lässt es sich gerne an einen Fluch glauben. Hinter den Kapriolen der Natur steckt allerdings kein Geist, sondern allenfalls atmosphärisches Geplänkel, das schlimmstenfalls auf das Problem der globalen Erwärmung hindeutet. Doch weil Gruselfilme nur halb so viel Spaß machen würden, wenn man alles auf rationale Weise zu erklären versuchte, soll einmal davon ausgegangen werden, dass damals, im Tennessee des 19. Jahrhunderts, tatsächlich ein grausiger Unsichtbarer sein Unheil trieb und die Holzbalken zum Klappern brachte. Denn ansonsten wäre der US-Thriller "Der Fluch der Betsy Bell" (2004, Regie: Courtney Solomon), den das Erste nun als Free-TV-Premiere zeigt, nicht mehr als ein Drama um Missbrauch und dreckige Kostüme, das vorn und hinten keinen Sinn macht.
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Alles beginnt mit einem leichten Rascheln und merkwürdigen anderen Geräuschen rund um das klapprige Anwesen. Dann taucht sogar ein schwarzer Wolf auf, der leuchtend gelbe Augen besitzt. Schnell eskaliert die Bedrohung in einer Weise, die mit den Regeln der Physik kaum zu erklären ist: Betsy Bell (Rachel Hurd-Wood) wird nachts die Decke vom Bett gerissen, sie schwebt plötzlich mitten im Raum und wird von einer unsichtbaren Macht geohrfeigt. Ein junger Studienrat (James D'Arcy) soll Aufklärung bringen. Doch auch er erliegt der Ausstrahlung des launischen Energieballs.
Die Geschichte des hübschen Mädchens Betsy Bell, das aus einer wohlhabenden Familie stammte, soll zum Teil wahr sein. Nach verbrieften Überlieferungen hat ein Geist den Tod eines Familienmitglieds der Bells auf dem Gewissen. Der "Exorzist" hätte bei diesem mäßig unheimlichen Spuk allerdings ein leichtes Spiel gehabt. Statt verängstigt zu sein, bleibt der Zuschauer ratlos zurück.
Was verbirgt sich hinter den Erscheinungen, die Betsy Bell ertragen muss, und wieso steckt sie andauernd Ohrfeigen ein? Die wiederkehrenden Schwebprügel-Sequenzen sorgen jedenfalls nicht für eine Erhellung der Gesamtsituation. Dass sich schließlich hinter dem Fluch, der bis in die heutige Zeit reichen soll, eine ernsthafte Missbrauchsproblematik verbirgt, die so wenig zu dem Geschehen passt wie Altstar Donald Sutherland zur geschundenen Täter-Opfer-Vaterfigur, ist der größte Makel des Films.
Johann Ritter
Lucy Bell (Sissy Spacek) und ihre Tochter Betsy (Rachel Hurd-Wood) müssen sich eines übernatürlichen Angriffs erwehren. (ARD / Degeto)
John Bell (Donald Sutherland) leidet mit seiner Tochter Betsy (Rachel Hurd-Wood). (ARD / Degeto)
Unerträgliche Albträume und seltsame Erscheinungen machen der jungen Betsy Bell (Rachel Hurd-Wood) das Leben zur Hölle. (ARD / Degeto)
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