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Ein schwächerer Haneke-Film: "Caché"|
Demnächst im Fernsehen Das Fernsehen sendet nicht nur Müll. Perlen finden sich immer wieder darunter, aber wer hat schon Zeit und Lust, sie zu suchen? Wir übernehmen das: Im Cineastentreff finden Sie täglich 2-3 Filmtipps, die es lohnen, den Fernseher einzuschalten. |
Caché - VerstecktCannes ist für Michael Haneke ein gutes Pflaster. An der Croisette schätzt man den schonungslosen Blick des Gewaltchronisten. Nicht erst, seit dort im vergangenen Jahr sein "Weißes Band" als bester Film ausgezeichnet wurde. Für "Caché" (2005) gewann der Österreicher vier Jahre zuvor die Goldene Palme für die beste Regie. Zu den zahllosen weiteren Auszeichnungen, die das beklemmende Sozialdrama einfuhr, zählt auch der Europäische Filmpreis für Hauptdarsteller Daniel Auteuil. Das Erste wiederholt den verstörenden Film nun zum Abschluss einer Werkschau mit Filmen des großen französischen Schauspielers, der am 24. Januar 60 Jahre alt wurde. Anzeige
Bereits die ersten Minuten von "Caché" haben es in sich. Es passiert zunächst gar nichts, danach nicht viel. Die Kamera ist auf ein Haus gerichtet, und wer nicht genau hinsieht, könnte denken, es wäre ein Foto. Irgendwann läuft jedoch eine Frau vorbei und von irgendwo ertönen fremd wirkende Stimmen. Diese Verwirrung hat Methode und ist ein Vorgeschmack auf die Herausforderung für Wahrnehmung und Geist, vor die der Zuschauer gestellt wird. Hanekes Film ist trotz der intellektuellen Dichte durchaus zugänglich. Der Österreicher fragt nach dem Zusammenhang von Schuld und Sühne, Vergangenheit und Gegenwart - er hat dabei ganz klare Vorstellungen von Moral, verzichtet aber auf das Moralisieren. Der Regisseur erzählt sein Vexierspiel in einem ruhigen, sachlichen Ton, inszeniert es dabei ungemein spannend, fast schon mit Thrillerqualitäten. Das Bild vom Anfang ist die Aufnahme einer Videokamera. Das gewöhnliche Haus in einem der beliebigen Straßenzüge, wie sie typisch sind für Paris, gehört Anne und Georges Laurent (Juliette Binoche, Daniel Auteuil). Die beiden, ein Ehepaar aus der gehobenen, intellektuellen Mittelklasse, stehen vor ihrem Fernseher, schauen sich die Aufnahme an und gruseln sich vor dem Gedanken, beobachtet zu werden. Es bleibt nicht das einzige Tape, das über den wohlgeordneten, liberal-bürgerlichen Alltag hereinbricht wie eine Lawine. Adressiert sind sie an Georges, einen erfolgreichen Literatur-Talker im Fernsehen. Bleibt zunächst alles halbwegs geregelt, legt sich schon bald eine gewisse Unruhe über die Bilder, von denen man nie weiß, ob sie die (Film-)Realität zeigen oder eine Scheinwelt. Die Diktatur der Bilder wird von bedrohlichen Kinderzeichnungen zementiert - blutige Fantasien, die auch in Georges' Träumen vorkommen. Ein geköpfter Hahn nimmt dabei eine Schlüsselrolle ein, und Georges ahnt, dass ihn ein Unrecht, das er als Kind beging, einholen wird. "Caché" stellt nicht nur die Frage nach Schuld, Sühne, Verdrängung und Verantwortung, sondern in der Wahl der inszenatorischen Mittel auch nach dem Wesen der Realität. Die Bilderwelten sind meisterhaft verschachtelt, eine intellektuelle Herausforderung. Schein und Sein wollen erst einmal auseinander gepuzzelt werden. Während sich Georges durch die Videokassetten seiner Vergangenheit stellen muss, stellt sich dem Zuschauer die Frage nach dem Wesen und der Macht der Bilder. Und das ist nur scheinbar nebenbei eine selbstreflexive, fast schon zynische Auseinandersetzung mit medial produzierter Wirklichkeit. Auch dank "Caché" zählt Michael Haneke zu den dekoriertesten Filmemachern der Gegenwart. Und ein Sahnehäubchen könnte bald folgen: "Das weiße Band" geht am 7. März im Kodak Theatre in Los Angeles als deutscher Kandidat ins Rennen um die Oscars. Johann Ritter |
"Caché - Versteckt" - ARD Sendetermin: |
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