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Coole Vietnamfilm-Persiflage: "Tropic Thunder"

Tropic Thunder

Vergessen Sie alles, was Sie über Vietnamfilme zu wissen geglaubt haben. "Rambo", "Missing in Action", "Platoon" ... - alles Luschenkram. "Tropic Thunder" (2008) ist härter als "Full Metal Jacket" und verrückter als "Apocalypse Now", denn "Tropic Thunder" ist: echt. Na ja, besser gesagt, ist "Tropic Thunder" ein Vietnamfilm über einen Vietnamfilm, der aus Versehen ein echter Vietnamfilm wurde ... Das ist alles ganz schön gaga, ganz schön brutal, ganz schön trashy und ohne jeden Zweifel auch ganz schön lustig - wenn man denn angesichts abgetrennter Gliedmaßen und hektoliterweise Filmblut überhaupt noch fähig ist, zu lachen. Buch, Regie, Produktion, Hauptrolle - alles Ben Stiller, und entsprechend abgedreht ist dieser vor fieser Action und bösen Hollywood-Seitenhieben strotzende Film auch geworden. Mit nur 470.000 Kinobesuchern kam das Spektakel in Deutschland, ganz im Gegensatz zu den Vereinigten Staaten, nicht besonders gut an. Nun macht ProSieben den TV-Härtetest.

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Da liegt er im Granattrichter, der ungekrönte König des Actionfilms, Tugg Speedman (den Stiller mal wieder genau in die Mitte zwischen schwul und cool platziert): Da, wo die Hände sein sollten, nur noch Fetzen aus Fleisch, Haut, Adern. Ein verdammtes Blutbad. Und gleich soll er per Hubschrauber ausgeflogen werden, derweil im Hintergrund schon die Kampfbomber anfliegen: Napalm kommt. Im ganz großen Stil.

Doch die Szene platzt, weil Kirk Lazarus (Robert Downey Jr. ist eine Sensation als weißer australischer Oscar-Preisträger, der sich in seiner Rolle per Pigmentfärbung und antrainiertem HipHop-Slang als obercooles afroamerikanisches Dschungelkampfschwein geriert) gerade jetzt die Sache mit den Tränen nicht so richtig gebacken bekommt. Überhaupt scheint sich der Mann in seinem Extreme-Method-Acting etwas übernommen zu haben. "Ich bin der Typ, der nen Typ spielt, der sich als anderer Typ verkleidet", wird er später ziemlich frustriert in die Kamera stöhnen. Hier darf viel gelacht werden über elitäre Charakterdarsteller und ihre Sorgen und Nöte ...

Bis das Ensemble zu derlei Erkenntnissen über die Arbeit, das Filmemachen und das Leben an sich kommt, soll dieser Haufen verweichlichter, divenhafter Schauspieler, der zusammengecastet wurde, um nicht weniger als den härtesten, authentischsten, besten, teuersten Kriegsfilm aller Zeiten zu drehen, noch erfahren, was es heißt, wirklich durch die Hölle des Krieges zu gehen. Am Ende steht ohne Zweifel ein großes Werk im Hardcore-Dogma-Stil. Zwar helfen ihnen auf dem Weg zum wahrhaftigen Schauspiel weder der Regisseur (Steve Coogan wird mit lautem Knall per Tretmine ins Jenseits befördert) noch der Fachberater (großartig: Nick Nolte als vermeintlicher knochenharter Vietnam-Veteran) weiter, doch dafür umso mehr eine Schwadron durchgeknallter Drogen-Guerillas, die die Film-Kampftruppe für echte US-Marines hält und nicht lange fackelt ...

"Wir sind ausgebildete Schauspieler - stehen wir unseren Mann!", lautet das trotzige Motto der Darsteller, die noch eine Zeit lang glauben, alles wurde von der Produktion inszeniert, um den Film möglichst realistisch wirken zu lassen. Dabei weiß der Zuschauer längst: Die schwerreichen, verweichlichten Hollywoodstars stehen plötzlich mit Platzpatronen, aber ohne Handy-Verbindung, irgendwo im Dschungel und müssen gegen ziemlich blutrünstige, kampferfahrene Kombattanten um ihr Leben kämpfen.

Die mitunter etwas dämlich-überdrehte Handlung wird durch den einen oder anderen geradezu sensationellen Cameo-Auftritt kompensiert. Das Highlight: Tom Cruise spielt einen Halbglatze und Kinnbart tragenden Produzentengroßkotz, der wirkt wie ein Pornomagnat aus den 70-ern.

Unter dem Strich ist "Tropic Thunder" allerdings viel mehr ein schlichtes Schenkelklopfer-Feuerwerk à la "Hot Shots" als eine tiefergehende Hollywoodpersiflage oder gar eine Parodie auf "Apocalypse Now" und Co. Ein auch in der Länge (die TV-Fassung ist mit 105 Minuten nur zwei Minuten kürzer als das Kino-Original) hoffnungslos übertriebener Pleiten-Pech-und-Pannen-Spaß für alle, die beides unbedingt mögen: Ben Stillers Humor und brutale Action-Reißer. Die werden sich an diesem völlig irren, furiosen, ultra-lauten und von Anfang bis Ende atemlosen Bilderfeuerwerk gar nicht sattsehen können.

Frank Rauscher


Mit Speedman (Ben Stiller) geht es zu Ende, und Kirk Lazarus (Robert Downey Jr.) versucht, seinen Freund gebührend zu beweinen - so steht's im Drehbuch. Aber dann kommt alles ganz anders.
Mit Speedman (Ben Stiller) geht es zu Ende, und Kirk Lazarus (Robert Downey Jr.) versucht, seinen Freund gebührend zu beweinen - so steht's im Drehbuch. Aber dann kommt alles ganz anders. (ProSieben / 2008 DreamWorks LLC / Merie Weismiller)

Für das Vietnamepos "Tropic Thunder" hat sich Actionstar Tugg Speedman (Ben Stiller, Mitte) seine quotenträchtigsten Kollegen ins Boot geholt: Jüngling Kevin Sandusky (Jay Baruchel, links), Rapper Alpa Chino (Brandon T. Jackson, zweiter von links), Kirk Lazarus (Robert Downey Jr., zweiter von rechts) und Komiker Jeff Portnoy (Jack Black, rechts). Das Chaos kann beginnen ...
Für das Vietnamepos "Tropic Thunder" hat sich Actionstar Tugg Speedman (Ben Stiller, Mitte) seine quotenträchtigsten Kollegen ins Boot geholt: Jüngling Kevin Sandusky (Jay Baruchel, links), Rapper Alpa Chino (Brandon T. Jackson, zweiter von links), Kirk Lazarus (Robert Downey Jr., zweiter von rechts) und Komiker Jeff Portnoy (Jack Black, rechts). Das Chaos kann beginnen ... (ProSieben / 2008 DreamWorks LLC / Merie Weismiller)

Drehbuchautor und Kriegsveteran Four Leaf Tayback (Nick Nolte) entpuppt sich im Laufe der Zeit als Hochstapler.
Drehbuchautor und Kriegsveteran Four Leaf Tayback (Nick Nolte) entpuppt sich im Laufe der Zeit als Hochstapler. (ProSieben / 2008 DreamWorks LLC / Merie Weismiller)

Datum: 06.02.2010

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