Audrey Tautou ist eine viel zu glatte "Coco Chanel"
Coco Chanel - Der Beginn einer LeidenschaftAudrey Tautou schlüpft in die Rolle der Moderebellin Coco Chanel. (mb/tsch) Dass die Franzosen auf ihre Coco Chanel stolz sind, ist logisch und völlig legitim. Schließlich war es nicht nur eine Moderevolution, die die Schneiderin auslöste, sondern eine richtige Emanzipationswelle. Doch dass im Biopic “Coco Chanel” vieles verschwiegen wird, um sie in einen Mythos zu verwandeln, ist einfach nur albern. Denn der Film hört genau da auf, wo die dunkle Seite der legendären Modeschöpferin ihre Schatten auf das Märchen zu werfen beginnt: beim Anfang der großen Liebe zwischen ihr und dem Nationalsozialismus. Anzeige Über ihre Kindheit log sie, so gut sie nur konnte. Über ihre späteren Jahre lügt die französische Öffentlichkeit, so gut sie kann. Doch in den Jahren dazwischen schrieb ein Waisenmädchen aus Saumur mit ihrem Starrsinn Geschichte: Noch heute wird Coco Chanel in ihrem Heimatland wie eine Heilige verehrt. Hundert Jahre, nachdem Mademoiselle ihr erstes Geschäft in Paris eröffnete, erzählt Anne Fontaine in ihrem in den Kinos erfolgreichen Drama "Coco Chanel - Der Beginn einer Leidenschaft" (2009, auf DVD und Blu-ray Disc erhältlich) die mehr oder weniger überlieferten Fakten über die Lehrjahre der Modeschöpferin - und erlaubt sich dabei einige Auslassungen. Eigentlich sah Gabrielle Chanel (Audrey Tautou), wie die Designerin gebürtig hieß, ihre Zukunft am Theater: Tanzen wollte sie, schauspielern vielleicht. Mit Etienne Balsan (Benoît Poelvoorde) lernt das ungebildete Mädchen aus der Provinz eine neue Welt kennen, gegen die zu rebellieren ihre größte Leidenschaft werden wird: Coco Chanel hasste die Korsetts, die Rüschen und die Blumen an den Kleidern der vornehmen Frauen. Provokant schlicht fielen die Hüte und Kleider aus, die sie sich aus der Garderobe ihres Förderers schneiderte. Erst der Tod ihres Liebhabers Boy Capel (Alessandro Nivola) wird jedoch der Anlass, sich zur Trauerbewältigung in Arbeit zu stürzen und mit durchdringendem Blick, grausamen Hang zur Perfektion und Zigarette im Mundwinkel die Modewelt zu erobern. Mit dem Durchbruch der Designerin schließt Anne Fontaine ihren Kostümfilm ab und erspart sich so eine Menge unschöner Szenen: Chanel teilte sich in späteren Jahren mit einem NS-Agenten das Bett und kollaborierte mit den Nazis - Fakten, die neben den schlichten Kostümen wenig elegant gewirkt hätten. So ist der Film eine Heiligenverehrung geworden, erspart sich Ecken und Kanten und schippert gemächlich auf der Oberfläche eines nicht allzu tiefen, ruhigen Sees. Auf das Coco, von der ewig niedlichen Audrey Tautou rechtschaffen gespielt, ja nicht ertrinkt. Auch im Bonusteil wird nicht tiefer geschürft: Eine Doku über Coco Chanel entpuppt sich als Lobgesang. Zumindest geben Audiokommentar und Making Of interessante Einblicke in die Filmentstehung. Optisch beeindruckt vor allem die gestochen scharfe und stimmungsvoll farbarme Blu-ray-Fassung des Films. Die DVD zeigt vor allem beim Kontrastumfang leichtere Mängel. Schade auch: Der Sound nutzt seine Kapazitäten auf keinem der beiden Datenträger aus. Die Dialoge kommen im aufgeräumten Klangbild zwar klar zur Geltung, allerdings fehlen insgesamt etwas Volumen und räumliche Atmosphäre. Vera Seeberg bewertungsbox
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Credits: |
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