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Walk the Line

Walk the Line

(tsch) "Hello, I'm Johnny Cash." Mit diesem bescheidenen Gruß eröffnete der legendäre Sänger seine Konzerte auch noch, als ihm die Welt schon zu Füßen lag. Das US-Biopic "Walk the line" spürt den Menschen hinter der Ikone auf und erzählt dabei vor allem von seinen ersten Schritten im Musikbusiness. Die Regiearbeit von James Mangold räumte bei den Golden Globes ab, der Film avancierte zu einem der Favoriten bei den "Oscars". Doch das mitreißende Biopic wird nicht nur bei Kritikern und Juroren punkten: Es zeigt vielmehr auch jenen Kinozuschauern, die Johnny Cash zwar vom Namen her kennen, ihn aber als Vertreter des Country-Genres schnell für sich abgehakt haben, was für ein außergewöhnlicher, was für ein cooler Typ dieser "Man in Black" war. Cash mischte Nashville mit neuem Sound und radikalen Texten auf.

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Ein großer Zorn begleitet Johnnys Leben, doch es gelingt ihm, diesen in seinen Liedern zum Ausdruck zu bringen. Seine Gitarre rettet ihn während der Zeit als Soldat der Luftwaffe im bayerischen Landsberg. Nach seiner Entlassung aus der Armee und einigen Gelegenheitsjobs erscheint er ganz in Schwarz gekleidet zu den ersten Aufnahmen bei den legendären Sun Records in Nashville.

Doch da stand keineswegs die Beerdigung seiner Musik an, sondern der erste Schritt zu einer ungewöhnlichen Karriere. Die Farbe Schwarz wurde zu seinem Markenzeichen. Damit distanzierte er sich vom bunten Cowboy-Stilmix der Countrymusic-Szene. Sein rebellisches Anliegen war es, für die Unterprivilegierten, Minderheiten und kleinen Leute zu singen. Und das mit einer ganz eigenen Musikmischung aus Rock, Country und Rhythm and Blues. Johnny Cash etablierte sich als Pionier, der in den 50er-Jahren den Rockabilly mitentwickelte.

Der Schauspieler Joaquin Phoenix ließ sich ganz auf den Sänger mit der markanten tiefen Stimme ein, der mit Texten wie "I shot a man in Reno, just to watch him die" zu seiner Zeit die Fans bei Auftritten im Gefängnis begeisterte. Später erhielt er mit seiner wilden, aber doch auch integren Haltung den Beifall der Rapper. Phoenix konnte den Sänger, der 2003 starb, zwar nicht mehr selbst kennen lernen, näherte sich aber der Rolle mit dem Wissen, dass dieser ihn in "Gladiator" gesehen und der Besetzung zugestimmt hatte.

Das Drehbuch zum Film beruht auf zwei Autobiografien sowie auf Gesprächen mit Johnny Cash und seiner Frau June Carter, die ebenfalls 2003 verstarb. Ihre Aussagen über Johnny halfen Joaquin Phoenix, die Balance zwischen den grundsätzlich verschiedenen Aspekten seiner Persönlichkeit zu finden. Auf der einen Seite steht der sture Egoist, der sich von der dunklen Seite des Lebens angezogen fühlt; auf der anderen der verletzliche, ehrliche Mensch, der sich immer auf der Suche befand. Diese schillernde Persönlichkeit zeigt Phoenix, der zu Recht den Globe als bester Darsteller erhielt, grandios mit all ihren kleinen Facetten.

Mit "Walk the line" setzt Regisseur James Mangold nicht nur der musikalischen Ausnahmeerscheinung Johnny Cash ein grandioses und mitreißendes Denkmal, sondern zeigt auch eine funkensprühende Liebesgeschichte. Reese Witherspoon etabliert sich als June Carter unter den Großen in Hollywood. Wie Phoenix singt sie alles selbst und erlernte auch das Harfenspiel. June Carter stammte aus einer etablierten Countrysänger-Familie und sie versteckte sich lange wie ein Profi hinter einer opportunistischen Oberflächlichkeit. Bis sie Johnny traf, der sie mit seiner Emotionalität beeindruckte. Gemeinsam loteten sie aus, was es bedeutet, als einer der ersten überhaupt ein Rockstar zu sein. Drogensucht, Abstürze aber auch adrenalingeschwängerte, große Momente gemeinsam auf der Bühne begleiteten ihr Leben - und das fasziniert noch heute.

Diemuth Schmidt

Credits:
V:Fox, USA 2005, R: James Mangold, D: Joaquin Phoenix, Reese Witherspoon, Ginnifer Goodwin u.a.


Johnny Cash verkaufte mehr Platten als die Beatles.
Johnny Cash verkaufte mehr Platten als die Beatles. (2005 Twentieth Century Fox)

Den Umgang mit der Gitarre brachte sich Johnny Cash selbst bei.
Den Umgang mit der Gitarre brachte sich Johnny Cash selbst bei. (2005 Twentieth Century Fox)

Die Liebe zwischen Johnny Cash (Joaquin Phoenix) und June Carter (Reese Witherspoon) hat ihrer Musik den entsprechenden emotionalen Kick verliehen.
Die Liebe zwischen Johnny Cash (Joaquin Phoenix) und June Carter (Reese Witherspoon) hat ihrer Musik den entsprechenden emotionalen Kick verliehen. (2005 Twentieth Century Fox)

Datum: 30.01.2006

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Diskussion: "Walk the Line"

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