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Kevin Bacon
"Ich bin müde"Schauspieler Kevin Bacon (tsch) Er ist 47. Schon. Denn so richtig mag man dem Hollywood-Star Kevin Bacon sein Alter nicht abnehmen, als er lässig mit seinen leicht blondierten, wirren Haaren und in T-Shirt und abgewetzter Jeans gekleidet im Münchner Hotel "Bayerischer Hof" sitzt. Drei Jahrzehnte Bühnen- und Filmkarriere hat er bereits hinter sich. Doch die lange Liste verbirgt nicht immer Glanzstücke wie "Am wilden Fluss" (1994), "Apollo 13" (1995) oder "Sleepers" (1996). Lange Zeit wartete er vergebens auf Angebote, zahlreiche Flops reihten sich zu seinen Erfolgen hinzu. Doch trotz negativer Erfahrungen hat er nie wirklich daran gedacht, die Schauspielerei aufzugeben. In seinem neuen Film "Wahre Lügen" (Regie: Atom Egoyan, Start: 02.02.) wird die Geschichte zweier verglühender Sterne am Entertainment-Himmel erzählt und die dunkle Seite des Showbiz beleuchtet. - Eine Paraderolle für den Amerikaner? Im Interview plaudert Kevin Bacon über sein eigenes, sehr gespaltenes Verhältnis zur Filmindustrie, über die seltsame Arbeit mit Journalisten und seinen Umgang mit dem Ruhm. Anzeige
teleschau: Mr. Bacon, in "Wahre Lügen" verkörpern Sie den Entertainer und Sänger Lanny Morris. Sie machen selbst Musik. Eine gute Voraussetzung für den Film ... Kevin Bacon: Als The Bacon Brothers bin ich zusammen mit meinem älteren Bruder Michael jährlich 40 bis 50 Tage in den USA auf Tour. Die Musikbühne ist mir also nicht fremd, was tatsächlich hilfreich für die Dreharbeiten war. teleschau: Sie wollten als Kind ein Popstar werden ... Bacon: Oh ja, ich war vernarrt in Bob Dylan, Led Zeppelin, die Beatles, die Stones und in Bruce Springsteen. Als Teenie interessierte mich die Musik viel mehr als das große Kino. Die Schauspielerei war nur dazu da, um Mädels anzubaggern. Aber ansonsten war ich kein Filmfreak. Und tatsächlich begann ich Lieder zu schreiben, lange bevor ich Schauspielunterricht nahm. Michael war mein großes Vorbild: Ich schaute zu ihm auf, wie er Gitarre spielte, wie ihn die Mädels anhimmelten ... teleschau: ... und Sie ließen sich beeinflussen? Bacon: Nun ja, irgendwann beschloss ich, dass es an der Zeit ist, einen anderen Weg zu gehen als mein Bruder. Und meldete mich in der Schauspielschule von New York an. teleschau: Ihre Schauspielkarriere war nicht immer von Erfolg gekrönt, Sie mussten derbe Niederlagen einstecken. Haben Sie denn noch Spaß an Ihrem Beruf? Bacon: Ich bin müde von der Filmindustrie. Aber schauen Sie mich an. Ich liebe es, vor der Kamera zu stehen. Doch an sich ist die Schauspielerei ein Trugbild: Die meiste Zeit meines Lebens reise ich herum, besuche Filmfestivals, habe Meetings oder lese Drehbücher. Das Schauspielern rückt in den Hintergrund, und das übrige Drumherum frustriert mich. Zum Beispiel die Tatsache, viele Drehbücher zu lesen, aber partout kein gutes zu finden. Oder ein tolles Drehbuch in die Hände zu bekommen, dann aber dafür den Job nicht. teleschau: Aber werden Sie deshalb die Arbeit an den Nagel hängen? Bacon: Wie schon gesagt, das Schauspielern selbst macht mir verdammt großen Spaß. Und ich bin froh, überhaupt Karriere gemacht zu haben. Denn die Konkurrenz schläft nicht: Tagtäglich stellen sich so viele Menschen in New York und L.A. vor, die von der großen Leinwandkarriere träumen. So wie ich damals eben auch. Nun bin ich glücklich, überhaupt davon leben zu können. teleschau: Wie würden Sie Ihr Verhältnis zur Branche beschreiben? Bacon: Ich empfinde eine gewisse Hassliebe zu diesem Business. Ich brauche es, und es war schließlich gut zu mir. Früher gab es durchaus Zeiten, in denen ich mich als Teil des Ganzen empfand. Manchmal fühlte ich mich aber auch als extremer Außenseiter in dieser Hollywood-Community. teleschau: Inwiefern? Bacon: Mein Unterbewusstsein sagte mir: So lustig es auch ist, Beziehungen zu Menschen am Set zu knüpfen, man sollte die Realität nicht aus den Augen verlieren. Wenn man in jungen Jahren einen Film dreht, dann ist in gewisser Weise vieles romantisch: Die Kollegen sind wie beste Freunde, im Regisseur findet man eine Vaterfigur, in dieser Filmfamilie fühlt man sich geborgen. Doch wenn die Dreharbeiten dann abgeschlossen sind, geht's über zur nächsten Sache, und die angeblich besten Freunde sind schnell vergessen. Das Business ist verdammt oberflächlich. teleschau: Wie steckten Sie diese Enttäuschung als junger Schauspieler weg? Bacon: Ich wusste nicht, wie ich das Auf und Ab und den Rummel um meine Person handhaben sollte. Denn das war nicht das, was ich für mein Leben wollte. Alles, was mir am Herzen lag, war schlicht, ein seriöser Schauspieler zu sein. Diese Gefühle, als junger Mann zu einem Star zu avancieren, nehmen einen sehr mit. Erst ist man auf dem Cover vieler Zeitschriften platziert, dann wieder lange Zeit nicht mehr. Ich hatte damals das Bedürfnis, einen Ausgleich abseits des Business und des Geldes zu finden. Etwas, das mir Sicherheit und Frieden gibt. teleschau: Was war das? Bacon: Meine Familie! Meine Frau Kyra (Sedgwick, ebenfalls Schauspielerin, Anm. d. Red.) und die beiden 13- und 16-jährigen Kinder, mit denen ich in New York lebe. teleschau: Möchten die Kinder in die Fußstapfen des Vaters treten? Bacon: Meine Kinder nervt meine Berühmtheit, weil sie ständig von Groupies oder Paparazzi belästigt werden, sobald wir das Haus verlassen. Besonders das Handyzeitalter bringt einige negative Seiten mit sich: Jedes Mobiltelefon ist mittlerweile mit einer Fotokamera ausgerüstet. Und die Besitzer fragen natürlich nicht, ob sie ein Bild machen dürfen, und schon ist ein Foto geschossen. Und ganz ehrlich: Meine Kinder mögen und sehen meine Filme nicht gerne. teleschau: Und Sie selbst? Bacon: Ich schaue mir die eigentlich nie nachher an, denn es gibt so viele Dinge, die mir negativ auffallen, die ich im Nachhinein anders gemacht hätte. In den Staaten gibt es 300 Kabelkanäle. Fast jeden Tag läuft irgendwo ein Film von mir. Und ich zappe immer sofort weiter. teleschau: Wie stehen Sie zu Journalisten? In "Wahre Lügen" kommen Sie mit ihnen gut zurecht ... Bacon: Die Beziehung zwischen Schauspielern und Journalisten ist seltsam. Die Reporter halten die Fäden in der Hand, denn ich habe keine Ahnung, was sie nach dem Interview über mich schreiben werden. Die meisten wissen ohnehin schon bevor ich überhaupt meinen Mund geöffnet habe, was sie zu Papier bringen. Es ist doch so: Ich gebe ihnen vor, mein Innenleben preiszugeben, mich für sie zu öffnen, ohne das jedoch tatsächlich zu tun. Und sie geben vor, zu wissen, wie ich ticke. Julia Schöppner |
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