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Sades "Soldier of Love" birgt keine Überraschungen

Sade Soldier Of Love

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Die Sache bei Sade ist folgende: Ihre Songs klingen so, wie eine teure Wohnung aussieht. Wie eines dieser Lofts, die man sich nie leisten können wird. 220 Quadratmeter in London, New York oder Düsseldorf. Im obersten Stock, mit verglasten Flanken, die den Blick bis weit ins Hinterland wandern lassen. Mit Designermöbeln und einer offenen Küche, die so viel kostet wie ein Oberklassefahrzeug. Der Moment, an dem in einem Sade-Song das Saxofon zum Solo ansetzt, ist vergleichbar mit dem Herabdimmen der indirekten Schlafzimmerbeleuchtung. Sade-Songs sind offensiv romantisch. Und genau deshalb wirken sie manchmal etwas aufgesetzt. Das ist auch auf "Soldier Of Love" so.

Es ist dennoch im höchsten Maße bemerkenswert, wie gut es Sade Adu gelingt, ihre Kernkompetenzen in die Jetztzeit zu übertragen. Zehn Jahre ist es her, dass mit "Lovers Rock" zuletzt ein Studioalbum der Britin mit nigerianischen Wurzeln erschien. Zehn Jahre, in denen weibliche Popmusik mit Soul-Einflüssen durchaus eine Hochphase hatte. Und in der Tat: Hört man genau hin, erkennt man auch auf "Soldier Of Love" die Einflüsse, die den Erfolg von Joss Stone, Katie Melua, Norah Jones und anderen ausmachten.

"Babyfather", "Be That Easy" oder "In Another Time" klingen betont organisch, lassen den Kontrabass knarzen und docken an alten Motown-Traditionen an. An anderer Stelle wiederum haben die veränderten Produktionsmittel des zeitgenössischen R'n'B und HipHop ihre Spuren hinterlassen: So funktioniert "Bring Me Home" über einen Mix aus dicken Beats und Akustikgitarre, auch "Skin" klingt recht urban.

Gegen Ende, im wunderbaren "The Safest Place", ist's schließlich doch wieder die alte Sade: Streicher, eine fast schon obszön ruhige Gitarre. "My heart has been a lonely warrior who's been to war", singt sie dazu. Textlich ist das natürlich gar nicht so leicht, wie es klingt. Und genau das ist vermutlich das Kunststück von Sade: Man kann in ihren Songs allerhand lesen, wenn man genau hinhört. Eine gewisse Gebrochenheit, ein nicht immer einfaches Leben. Man kann das alles aber auch über seine Inszenierung wahrnehmen. Und in ihren Songs die Melancholie lesen, die man eben vermutlich spürt, wenn man mit einem Glas Rotwein in einem Penthouse irgendwo in Manhattan am Fenster steht und seinen Blick schweifen lässt, über die Stadt, den Hudson River und weit bis nach New Jersey hinein. Schade, dass man sich diese Wohnungen nie leisten kann.

Jochen Overbeck


Datum: 09.02.2010

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