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Massive Attacks "Heligoland" ist fast schon wieder Pop

Massive Attack Heligoland

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Vor einigen Wochen sorgte das britische Duo für Wirbel: Massive Attack veröffentlichten ein extrem freizügiges Video zum Song "Paradise Circus". Sofort gab es Mutmaßungen in den Boulevardmedien, dass Grant "Daddy G" Marshall und Robert "3D" Del Naja damit gezielt provozieren und auf sich aufmerksam machen wollten. Nötig haben die beiden das sicher nicht. Und wer sich noch an das Video zu ihrem wohl größten Hit "Teardrop" erinnert: Auch der dort gezeigte singende Fötus war bereits Geschmackssache. Was nicht für "Heligoland" gilt: Auf ihrem fünften Album arbeiten die TripHop-Pioniere zwar nicht mehr visionär, sieben Jahre nach ihrem letzten Longplayer aber immer noch auf der Höhe der Zeit.

Und gehen vielleicht sogar ein wenig auf Nummer sicher: Laut eigenen Aussagen verwarf Chefklangtüftler Del Naja zwischenzeitlich ein ganzes, fertig produziertes Massive-Attack-Album. Für "Heligoland" holte sich das Duo in der Folge eine mehr als ansehnliche Reihe an Stars ins Studio: Blur-Sänger Damon Albarn, Tunde Adebimpe von TV On The Radio, Tricky-Muse Martina Topley-Bird, Guy Garvey von Elbow, Ex-Mazzy-Star-Frontfrau Hope Sandoval - und natürlich Stammgast Horace Andy mischen hier mit. Aber jene Namen garantieren nicht nur für Aufmerksamkeit nach längerer Abwesenheit: Die Gastsänger sorgen dafür, dass das Album trotz stellenweise schwer verdaulicher Sound- und Songkost zugänglich wird. Mehr noch: Für Massive-Attack-Verhältnisse ist ihr fünftes Album fast schon wieder Pop.

Klar: Den clever eingesetzten Soul- und R&B-Sampleschleifen der frühen 90-er hat das Duo schon länger abgeschworen. Und düstere Klangkunst beherrschen sie immer noch: Ein atmosphärisch-dichter Dub-Track mit schwer grollendem Gebläse wie "Girl I Love You" oder die zerhackstückelte Drum'n'Bass-Apokalypse samt Noise-Gitarren namens "Babel" zeigen das überdeutlich. Und trotzdem: Dem gegenüber stehen Tracks wie "Psyche", das nur aus einigen Synthie-Flächen und Akustikgitarren-Loops gewoben ist. "Paradise Circus" begeistert mit sanften Streichern, Piano, Handclaps und Hope Sandovals zärtlichem Gesang. Vor allem aber "Saturday Come Slow", bei dem Damon Albarn an den Vocals gastiert, ist schlicht ein verträumter Akustikgitarren-Popsong. Und so viel Optimismus bei Massive Attack ist fast schon provokanter als jedes Pornovideo.

Stefan Weber


Datum: 09.02.2010

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