Nach "Brot und Tulpen" ließ Soldini "Tage und Wolken" folgen
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Tage und Wolken
Elsa und Michele passiert das, wovor heute alle Angst haben: der soziale Abstieg. In "Tage und Wolken" erkundete der italienische Regisseur Silvio Soldini bereits 2007 mit großer Ehrlichkeit die schwierige Situation eines Paares in den Vierzigern, dessen Leben durch die unerwartete Arbeitslosigkeit des Mannes durcheinandergerät. Wie in seinem Überraschungserfolg "Brot & Tulpen" (2000) erzählt Soldini auch hier vor allem mithilfe von stark gezeichneten Protagonisten. Nun ist im Ersten zu sehen, wie er die kleinen, die wichtigen Momente im Leben findet und sie virtuos zusammensetzt.
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Eigentlich ging es Elsa (Margherita Buy) und Michele (Antonio Albanese) immer gut. Gut situiert und mit erwachsener Tochter kann das Ehepaar das Leben genießen, hat Zeit für sich, für die Kunst, für die Freuden des Daseins. Doch die Sorglosigkeit hat ein Ende, als Michele seinen gut bezahlten Job verliert. Ausgerechnet nach der rauschenden Party, mit der Elsa ihre Promotion als Kunsthistorikerin gefeiert hat, gesteht ihr Michele, dass er von seinem Partner aus dem Schiffbauunternehmen ausgebootet wurde. Plötzlich bricht das Leben aus den gewohnten Bahnen, taumeln Elsa und Michele durch einen neuen Alltag, der ihnen völlig fremd ist.
Vier Jahre lang hatte sich Soldini nach "Agata und der Sturm" (2003) für seinen nächsten Film Zeit gelassen. Zeit, die er nutzte, um die im Verborgenen arbeitenden Mechanismen der modernen westlichen Gesellschaft zu studieren. Zumindest ihre auf ein geregeltes Einkommen basierenden Selbstverständlichkeiten. Wehe, nur ein einzelnes der fein aufeinander abgestimmten Zahnräder der Existenz kommt ins Stocken. Dann muss man sich plötzlich Sorgen machen: über die Miete, über das Studium der Tochter, über die Belastungsfähigkeit von Liebe und Ehe, über den Sinn des täglichen Aufstehens.
Schwerer Stoff, großes Drama - doch Soldini wirft einen erfrischend schnörkellosen Blick auf den italienischen Alltag. Ohne Zwang und Verklärung, aber mit viel Verständnis für die Figuren, die ihr Leben auf den Kopf stellen müssen. Soldini billigt ihnen einen nicht immer einfachen Lernprozess zu, in dem sie einsehen, dass all die Annehmlichkeiten der Zivilisation nicht so selbstverständlich sind, wie es scheint.
Claas Nielsen
Die Zeit der großen Geschenke ist für Elsa (Margherita Buy) und Michele (Antonio Albanese) vorbei. (ARD / Degeto)
Wohin sie die nächste Zeit führt, wissen Elsa (Margherita Buy) und Michele (Antonio Albanese) beim besten Willen nicht. (ARD / Degeto)
Ein Neuanfang ist möglich, aber nicht allein, wissen Elsa (Margherita Buy) und Michele (Antonio Albanese) nach einem langwierigen Lernprozess. (ARD / Degeto)
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