Der Name verweist auf ihren Vater, den großen italienischen Nachkriegsregisseur Roberto Rossellini - die Gesichtszüge verweisen auf die Mutter, die schwedische Leinwandgöttin Ingrid Bergman. Bei so viel vererbtem Talent war Isabella Rossellini eine glanzvolle Karriere fast schon in die Wiege gelegt, die sie als Schauspielerin, Model, Sängerin, Feministin und neuerdings auch Experimentalfilmerin allerdings auf ganz eigene Weise bestritt. ARTE widmet der heute 57-jährigen Kosmopolitin mit italienischem Pass einen Themenabend - bestehend aus einem einleitenden Porträtfilm ("Aus dem Leben eines Schmetterlings", 21.55 Uhr) sowie ihrer vielleicht prägendsten Kinoarbeit: 1986 spielte Rossellini unter der Regie ihres damaligen Lebensgefährten David Lynch im abgründigen Kultthriller "Blue Velvet" eine sinistere Femme fatale.
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In übernatürlich greller Färbung zeichnet Lynch die amerikanische Vorstadthölle, die eingangs noch nach Disneyland ausschaut: die Zäune weiß, die Rasenflächen saftig-grün, das Feuerwehrauto feuerrot. Dann zerstört ein abgetrenntes Ohr das überzeichnete Idyll. Langsam zoomt sich die Kamera in den Eingang der Muschel. Als sich das Bild wieder erhellt, sind die Zuschauer in einer jener Lynch-typischen Parallelwelten gefangen: voll morbider Erotik, krankhafter Gewalt und psychischen Abgründen.
Der College-Student Jeffrey, gespielt vom späteren "Twin Peaks"-Star Kyle MacLachlan, ist der Ankerpunkt des Films, in dessen Blickfeld sich ein hochgradig voyeuristischer Psychotrip abspielt. In einem Vorgarten findet Jeffrey besagtes Ohr, das seine detektivische Neugier weckt. Gemeinsam mit der hübschen Sandy (Laura Dern), der Tochter des örtlichen Sheriffs, gerät er immer tiefer in einen Strudel aus Sex, Wahn und Gewalt, deren Protagonisten die rätselhafte Nachtclubsängerin Dorothy Vallens (Rosselini) und ihr sadistisch-neurotischer Peiniger Frank Booth (Dennis Hopper) sind.
"Visionen, um die Welt im Spiegel der Hölle zu sehen", urteilte der Filmkritiker Georg Seeßlen seinerzeit über den Film. Bis heute zählt das psychotische Angstgemälde von der Kehrseite des amerikanischen Traums zu den verstörendsten und suggestivsten Arbeiten David Lynchs. Der Starregisseur selbst verschreibt sich seit dem unkonsumierbaren Digicamrätsel "Inland Empire" (2006) verstärkt der bildenden Kunst, seinem Internet-TV-Sender (www.dlf.tv) sowie weiteren Online-Projekten.
Isabella Rossellini, die für den Dokumentarfilm "Aus dem Leben eines Schmetterlings" mit Gero von Boehm die wichtigsten Orte ihrer Biografie aufsuchte, machte zuletzt 2008 auf der Berlinale von sich reden. Dort war sie als Hauptdarstellerin und Regisseurin ihres Projekts "Green Porno" zu Gast - einer experimentellen Kurzfilmreihe zum Sexualleben der Krabbel-, Kriech- und Insektentiere.
Jens Szameit
Aus Versteckspiel wird Ernst: Jeffrey (Kyle MacLachlan) und die Nachtclubsängerin Dorothy (Isabella Rossellini) beginnen eine unheilvolle Affäre. (ARTE / MGM)
Jeffrey Beaumont (Kyle MacLachlan) findet ein abgeschnittenes Ohr. Mit diesem grausigen Fund beginnt für den jungen Studenten ein bizarrer Trip in die Welt des Verbrechens. (ARTE / MGM)
Die Nachtclub-Sängerin Dorothy Vallens (Isabella Rossellini) hat den College-Studenten Jeffrey Beaumont (Kyle MacLachlan) in ihrem Kleiderschrank entdeckt und bedroht den Eindringling mit einem Messer. (ARTE / MGM)
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