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Kitschige SciFi-Bibelstunde: "The Book of Eli"

The Book of Eli

(vm/tsch) “Gott ist tot”, verkündete Friedrich Nietzsche 1888 und markierte so den Anfang der Moderne. Heute, 120 Jahre später, geht man eher in die Kneipe als in die Kirche, wenn man keine Hoffnung mehr hat. Die Regisseure Albert und Allen Hughes finden das schlimm. Und wählen mit ihrem antiutopischen Film “The Book of Eli” eine Form, diese Botschaft zu transportieren, die einer Kirchenpredigt gleicht. In der nihilistischen und düsteren Zukunftsvision, in der es um die Rettung der letzten Bibel durch einen Mann namens Eli (Denzel Washington) geht, wimmelt es nur so vor pathetischer Symbolik und missionarischem Kitsch. Nur dank ihrer visuellen Qualitäten bekommt diese SciFi-Bibelstunde doch einen Stern.

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Ein Katze, ein ausgehungertes, räudiges Tier wird zum Luxusgut. Man kann es schließlich essen, und es sichert in der postapokalyptischen Welt, durch die Eli (Washington) im Jahr 2044 stapft, ein paar Tage das Überleben. Einsamer als Mad Max wandert dieser Messias durch die tristen, verbrannten Überbleibsel der Zivilisation. Lebewesen findet man nur noch selten, und die meisten von ihnen sind leider Menschen.

Die Brüder Albert und Allen Hughes, die zusammen auch "Menace II Society" (1993) und "From Hell" (2001) drehten, haben für "The Book of Eli" eine Welt entworfen, wie sie im Kino feindlicher selten zu sehen war. Der Planet ist ausgedörrt, jeglichen Wesens beraubt. In der konsequenten Trostlosigkeit sieht es durchaus beeindruckend aus, dieses Ende von allem. Grau, heiß, staubig - freudlos. So gehört es sich für einen nihilistischen Science Fiction-Film. Schließlich haben die Menschen hier nichts mehr.

Wasser ist zur kostbarsten Währung geworden. Essen und in Sicherheit schlafen sind genauso Luxus, wie Bildung, Moral, eine Ordnung im Zusammenleben. Es gibt keine Bücher mehr. Die meisten wurden verbrannt nach der Katastrophe, darunter alle Bibeln. Weil die Religion die Wurzel allen Übels ist. So wird es verkündet. Nicht nur von Eli, der im ständigen Dialog mit sich selbst ist und einer inneren Stimme folgt. Dabei hat gerade er ein kostbares Druckwerk in seinem Besitz, das ultimative Buch, hinter dem der Tyrann Carnegie (Gary Oldman) mit fanatischer Inbrunst her ist.

Das ist zunächst verwunderlich, regiert Carnegie, der eine Trinkwasserquelle kennt, doch wie ein Sonnenkönig eine kleine Siedlung, in der noch weniger Regeln herrschen als im Wilden Westen. Obwohl ansonsten alles gleich ist: raue Sitten, trinkfeste Männer, finstere Banditen, verängstigte Bewohner. Gottlosigkeit.

Ausgerechnet dieser Carnegie, definitiv kein Mann der Kultur und Ethik, schickt seine Mörderbanden durch die Gegend, um Bücher zu suchen. Vor allem das eine, das letzte Exemplar der Bibel. Eli hat es im Gepäck, als er arglos in Carnegies Städtchen auftaucht. Ein Fehler, den der zielstrebige Mann nur macht, weil sein MP3-Player dringend neuen Saft braucht (den er von Tom Waits in einer Nebenrolle bekommt). Und wie das so ist, in Endzeit-Western, bestimmt solch ein Aufenthalt das Schicksal. Eli mischt sich in irgendwas ein und muss nach einer wilden Schießerei fliehen. Nicht allein: Die hübsche Solara (Mila Kunis) hat sich an seine Fersen geheftet.

Sie fliehen vor Carnegie, der mit seinen Mörderbanden doch nur das eine will: Macht aus absolutistischer Religionsausübung. Die Geschichte würde sich wiederholen. Und das ist schlecht, predigt Eli auch mal mit Machete und Knarre in spektakulären Actionsequenzen. Er hat ja durchaus recht, man muss sich nur mal in der Welt umsehen heute. Und diese düstere Zukunft, die da auf der Leinwand jegliche Hoffnung für ein Fortbestehen der Menschheit raubt, ist eine vielleicht gar nicht so unrealistische Fiktion.

Fakt ist, dass die Regeln des Zusammenlebens in ihrer heutigen Form nicht mehr (lang) funktionieren. Jeder kämpft für sich allein, und alle gegen die Anderen. Der Verfall und die Verrohung in der Zukunft sind ein durchaus cleveres Spiegelbild der Jetztzeit. Dennoch: Es wurde im Kino selten so offensiv missioniert wie in "The Book of Eli" - einem Gottesdienst mit Popcorn-Geschmack.

Das Problem ist, so stellen es die Hughes und Drehbuchautor Gary Whitta dar, dass wir keine Werte mehr haben, keine Ethik, keine Moral. Dass wir uns von von unserer Menschlichkeit abgewendet haben, blind sind und nicht sehen wollen - so wie es der prophetische Eli tut - mag eine Metapher dafür sein. Doch dessen Name bedeutet in verschiedenen Sprachen Gott. Glaube wird als essentiell verkauft, um das Zusammenleben zu ordnen, die Religion spielt dabei keine Rolle, wie eine kurze Einstellung am Ende des Film bekräftigen soll.

Doch diese Negation der Selbstbestimmung lastet schwer auf dem Kinogottesdienst. Sie ist schlimmer als einige merkwürdige Logikbrüche im visuell durchaus beeindruckenden Film, der mit viel Hokuspokus in einer pathetischen und in ihrer überfrachteten Symbolik unverständlichen Schlusssequenz endet.

Andreas Fischer

Credits:
V:Tobis, USA 2009, R: Albert Hughes, Allen Hughes, D: Denzel Washington, Gary Oldman, Mila Kunis u.a.

Laufzeit: 118 Min.

Kinostart:
18. Februar 2010


Keine Zukunft ohne Glauben: "The Book of Eli" wirbt für das Bekenntnis zu christlichen Werten als Rettung der Menschheit.
Keine Zukunft ohne Glauben: "The Book of Eli" wirbt für das Bekenntnis zu christlichen Werten als Rettung der Menschheit. (Tobis)

Eli (Denzel Washington) will mit dem wertvollen Inhalt seines Rucksacks einen Neuanfang der Menschheit ermöglichen.
Eli (Denzel Washington) will mit dem wertvollen Inhalt seines Rucksacks einen Neuanfang der Menschheit ermöglichen. (Tobis)

Einsamer Messias: Denzel Washington stapft als Eli unbeirrt durch die Postapokalypse.
Einsamer Messias: Denzel Washington stapft als Eli unbeirrt durch die Postapokalypse. (Tobis)

Datum: 15.02.2010

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