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Morgan Freeman ist Nelson Mandela in "Invictus"

Invictus - Unbezwungen

(mb/tsch) Sport verbindet, das wusste auch der erste schwarze Präsident Südafrikas Nelson Mandela. Als er sein Amt antritt, übernahm er die Führung über ein tief gespaltenes Land. Und so nutzte er die Rugby-Weltmeisterschaft, die 1995 in Südafrika stattfand, für sein utopisches und nobles Ziel: die Überwindung der riesigen Kluft zwischen Schwarz und Weiß. Es ist ein ziemlich dankbares Thema, das sich Clint Eastwood für seinen Film „Invictus“ ausgesucht hat, ein Thema, in dem große Emotionen und viele Oscars bereits vorprogrammiert scheinen (Morgan Freeman und Matt Damon wurden für ihre Rollen nominiert). Und er setzt es wie gewohnt konservativ und konventionell in Szene. Das Resultat ist ein ähnlich massentauglicher und leicht kitschiger Film wie das letzte Werk Eastwoods „Gran Torino“.

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Sportlich gesehen beschreibt Clint Eastwood die südafrikanische Version des "Wunders von Bern". Filmisch ist der Regisseur dem deutschen Kollegen Sönke Wortmann weit überlegen. "Invictus" ist ein formidables Sportmärchen: präzise gespielt, gesellschaftlich relevant, voller Leidenschaft und unverschämt emotional - ohne dass die Rührseligkeit zum Selbstzweck genutzt wird.

"Er kann Wahlen gewinnen, aber kann er auch ein Land führen?" - Als Nelson Mandela 1994 Präsident von Südafrika wurde, übernahm er das vielleicht schwierigste Amt der Welt. Die Apartheid hatte sein Land lange Zeit im Griff, Mandela selbst war 27 Jahre lang auf der Gefängnisinsel Robben Island eingekerkert, kam am 11. Februar 1990 frei. Morgan Freeman spielt Mandela und gönnt sich in seiner oscarnominierten Rolle kaum Interpretationsspielraum. Seine Figur ist nah am Vorbild - die Gesten, die Sprache, die innere Ruhe.

Als Hoffnungsträger für ein tief gespaltenes Land muss sich Mandela kurz nach dem Amtsantritt der politischen Realität stellen: steigende Kriminalität, Arbeitslosigkeit, Hunger und Elend. Und am schlimmsten: Die Gräben zwischen der weißen Minderheit und der schwarzen Mehrheit scheinen unüberwindbar.

"I am the master of my fate - I am the captain of my soul", diese Zeilen stammen von William Ernest Henley. Dessen Gedicht "Invictus" hatte Mandela während seiner Gefangenschaft immer wieder Kraft und Stärke gegeben. Clint Eastwood hat seinen Film nicht nur danach benannt, sondern nutzt die wunderschönen, die kraftvollen Worte als poetische Klammer. Egal wie finster die Zeit, egal wie aussichtslos die Situation scheint - das Schicksal wartet darauf geformt zu werden.

"Invictus" mag nicht der beste Film Eastwoods sein, dafür baut er mit zu konventionellen Mitteln und zu offensichtlich das Kino zur Ruhmeshalle um. Aber auch wenn er sehr gefällig, sehr massentauglich daherkommt, so trägt "Invictus" doch einen sehr persönlichen Kern in sich, der von der großen Menschlichkeit erzählt, zu der die Spezies Homo sapiens - aller Gegenbeispiele zum Trotz - fähig ist. Und Eastwood glaubt daran.

Genau wie Nelson Mandela: Trotz aller Folgen der Apartheid verfolgt er nach dem Ende des Regimes eine Politik der Versöhnung. "Es ist nicht die Zeit für Rache." - Es ist also auch nicht die Zeit, den weißen Südafrikanern ihre geliebten "Springboks" zu nehmen, wie vom neu besetzten Sportkonzil des Landes beschlossen. Das Rugby-Nationalteam spaltete bislang die Nation: Die schwarzen Südafrikaner haben grundsätzlich für die Gegner gejubelt.

Der Präsident will sich die anstehende Rugby-Weltmeisterschaft zunutze machte, um die Spannungen zwischen den Bevölkerungsgruppen des Landes zu überwinden. Das ist so einfach wie clever: Sport verbindet, erst recht erfolgreicher. Also lädt Mandela den Kapitän der "Springboks" zu einer Unterredung mit Tee ein: Matt Damon übernahm die Rolle von François Pienaar und ist genauso überzeugend und oscarnominiert wie Morgan Freeman.

Beide wollen aus den krassen Außenseitern Sieger machen und dem Land Hoffnung geben. Der Rest ist Geschichte, wie sie nur der Sport schreiben kann. Mit historischer Genauigkeit, wie sich übrigens auf Youtube leicht nachprüfen lässt, hat Eastwood die Spielszenen rekonstruiert, und wichtiger noch: die großen Momente nach dem Finale gegen die unbezwingbar scheinenden Neuseeländer. Nelson Mandela überreichte den Siegerpokal persönlich an François Pienaar - in "Springbok"-Fankleidung. Das ist eine der großen Gesten, die durch den Sport so einfach werden.

Natürlich ist es ein dankbares Sujet, das sich Eastwood ausgesucht hat - eines, bei dem fast automatisch unterhaltsames Kino mit großen Emotionen entsteht. Versiert spielt der Regisseur mit den Gefühlen, schüttet Gräben zu, muntert zum Umdenken auf. Das sieht im Film sicher leichter aus, als es in Wirklichkeit war.

Aber diese Vereinfachung ist eine der Stärken des Filmes. Die andere sind die Details. Die Überwindung des Misstrauens kann nur ein frommer Wunsch bleiben, wenn sie nicht im Kleinen stattfindet. So sind es Mandelas Bodyguards, die die neue Versöhnungspolitik am eigenen Leib ausprobieren müssen. Und Eastwood zeigt einen Präsidenten, dem die Aufgabe, ein Land zu führen, keineswegs leicht fällt. Mandela ist keine Überfigur, er ist ein zweifelnder Mann, weise, aber nicht allwissend. Aber er ist voller Hoffnung - und genau das überträgt sich auf den Film.

Andreas Fischer

Credits:
V:Warner, USA 2009, R: Clint Eastwood, D: Morgan Freeman, Matt Damon, Tony Kgoroge u.a.

Laufzeit: 133 Min.

Kinostart:
18. Februar 2010


Clint Eastwood baut Nelson Mandela mit "Invictus - Unbezwungen" ein Kinodenkmal.
Clint Eastwood baut Nelson Mandela mit "Invictus - Unbezwungen" ein Kinodenkmal. (2010 Warner Bros. Ent.)

Morgan Freeman spielt Nelson Mandela, den ersten schwarzen Präsidenten Südafrikas.
Morgan Freeman spielt Nelson Mandela, den ersten schwarzen Präsidenten Südafrikas. (2010 Warner Bros. Ent.)

François Pienaar (Matt Damon) hat erkannt, dass sich die Zeiten ändern: Er will den Rugby-Titel, um in seinem Land Wunden zu heilen.
François Pienaar (Matt Damon) hat erkannt, dass sich die Zeiten ändern: Er will den Rugby-Titel, um in seinem Land Wunden zu heilen. (2010 Warner Bros. Ent.)

Datum: 17.02.2010

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