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OK Go - Portrait

Die schönste Geschichte aller Zeiten

Band OK Go

OK Go sind die Band, bei der jeder zuerst an die Videoclips denkt. Etwa an den Clip zu "Here It Goes Again", in dem die Band ohne Schnitt in einer selbst ausgedachten Choreografie atemberaubend über acht Laufbänder tanzt. Der Clip wurde zu einem Internetphänomen und verzeichnet bis heute mehr Klicks als jedes andere Musikvideo im Internet. Dass über einen solchen Erfolg die Musik der Band aus Chicago in der Wahrnehmung oft in den Hintergrund tritt, sei wirklich nicht so schlimm, will Sänger Damian Kulash nachdrücklich glauben machen. Trotzdem reagiert er ein wenig gereizt: "Deine Frage ist ungefähr so, als würdest du Thom Yorke fragen, ob die Musik von Radiohead sein Lebenswerk überschattet." Die Videos seien nun mal ein Teil des Schaffens von OK Go, gleichberechtigt mit der Musik. Die sich auf ihrem dritten Album "Of The Blue Colour Of The Sky" merklich gewandelt hat.

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Der verzerrte, stürmische Powerpop früherer Tage ist einer entschleunigten Mischung aus funkigem, stark an Prince erinnernden Softrock und glasklarem Chartspop gewichen. Verzerrte Gitarren sucht man vergebens. "Wir waren drei Jahre lang auf Tour", erklärt Kulash. "Danach hat es mich überhaupt nicht mehr umgehauen, mit einer Gitarre vor dem Verstärker zu stehen und auf Eingebungen für neue Songs zu warten."

An der Arbeitsweise von OK Go hat sich einiges geändert. Nach wie vor ist Damian der kreative Mastermind hinter der Band, aber "früher hat er uns neues Material auf der Gitarre vorgespielt", erzählt Bassist Tim Nordwind. "Heute drückt er die Leertaste." Der grinst entschuldigend und erklärt: "Ich glaube, dass Computer die Gehirne der Menschen fragmentieren. Ich kann mir jedenfalls nicht mehr vorstellen, einen Song am Stück zu schreiben. Ich nehme einzelne Teile auf und schiebe sie hin und her, bis ein guter Song herauskommt."

Das Ergebnis dieser Schiebereien trägt nun einen kryptischen Titel: "Of The Colour Of The Blue Sky" stammt aus einem pseudowissenschaftlichen Buch von 1876. Der Autor, General A.J. Pleasonton, glaubte, wissenschaftlich bewiesen zu haben, durch blaues Glas scheinendes Sonnenlicht sei heilsam und gebe Lebenskraft. "Die Welt hat das zwei Jahre lang geglaubt", begeistert sich Kulash. "Das amerikanische Patentamt gab ihm sogar ein Patent auf blaues Licht!" Pleasonton starb in dem Glauben, etwas Wegweisendes entdeckt zu haben. Für Damian Kulash "die schönste Geschichte aller Zeiten."

Wobei natürlich auch die Erfolgsgeschichte von OK Go sich immer noch nett liest: Durch selbst gedrehte Low-Budget-Videos, in denen die Band unglaublichen Tanzeinlagen vorführte, die Damians Schwester Trish choreografierte, wurde die Band weltweit bekannt. Ob ihre neuen Videos sich ebenso schnell im Internet verbreiten werden, bleibt aber fraglich. Denn: EMI, die Plattenfirma von OK Go, verhindert seit Kurzem, dass Videos ihrer Künstler anderswo eingebettet werden können. Grund: Die Plattenfirma kann nur dann kassieren, wenn ein Video auf YouTube direkt angeklickt wird. "Wir können die Plattenfirma verstehen", erklärt Damian zerknirscht, "aber es trifft uns hart. Wenn niemand über unser Video bloggen kann, wird keine Sau mehr unsere Videos anschauen." Das ist sicher sehr ärgerlich. Vielleicht hat aber jetzt die Musik von OK Go die Chance, endlich aus dem Schatten ihrer Videos herauszutreten.

Benjamin Weber


Veröffentlichen ihr drittes Album "Of The Blue Colour Of The Sky": die US-Popband OK Go.
Veröffentlichen ihr drittes Album "Of The Blue Colour Of The Sky": die US-Popband OK Go. (Jeremy & Claire Weiss / EMI)

Wollen nicht länger nur mit ihren Musikvideos auffallen: OK Go.
Wollen nicht länger nur mit ihren Musikvideos auffallen: OK Go. (Jeremy & Claire Weiss / EMI)

OK Go legen auf ihrem neuen Album die Gitarren nieder: "Es hat mich überhaupt nicht mehr umgehauen, mit einer Gitarre vor einem Verstärker zu stehen", sagt Sänger Damian Kulash (vorne rechts).
OK Go legen auf ihrem neuen Album die Gitarren nieder: "Es hat mich überhaupt nicht mehr umgehauen, mit einer Gitarre vor einem Verstärker zu stehen", sagt Sänger Damian Kulash (vorne rechts). (Jeremy & Claire Weiss / EMI)

Datum: 16.02.2010

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