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"Intimacy" bedeutet hier brutalen, zügellosen Sex

Intimacy

Regisseur Patrice Chéreau kommt schnell zur Sache: drei Sexszenen in der ersten Stunde zwischen einem Mann und einer Frau, die sich wöchentlich treffen, kaum ein Wort miteinander sprechen und noch nicht mal ihre Namen kennen. Was an "Intimacy" Kunst ist? Nun, dem Franzosen wurde von großen Teilen der Kritik ein ungeschönter und sinnvoller Umgang mit minutiös gezeigtem Liebesspiel bescheinigt. 2001 wurde der Film bei der Berlinale mit dem Goldenen Bären belohnt. Drei Tage nach Abschluss der Jubiläumsberlinale wiederholt das Erste das außergewöhnliche Drama, das überdies einen Silbernen Bären für Hauptdarstellerin Kerry Fox abwarf. Die Neuseeländerin war erst im vergangenen Jahr in Hans-Christian Schmids Kriegsverbrecherdrama "Sturm" zu sehen sowie in der Jane-Campion-Romanze "Bright Star".

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Haare auf dem Hintern von Hauptdarsteller Mark Rylance und gerötete Haut, wenn der Rücken beim Liebesspiel über den dreckigen Teppich der heruntergekommenen Wohnung schrubbt. - Cleane Hollywood-Ästhetik sucht man in "Intimacy" vergeblich. "Sex ist nicht das Wichtigste in diesem Film. Ich wollte Intimität zeigen. Gewöhnliche Menschen ohne perfekte Körper", erklärte Patrice Chéreau. Mit der Handkamera beobachtet der Regisseur sein seltsames Liebespaar. Entstanden sind distanzierte, kühle Bilder, die nie voyeuristisch oder peinlich wirken - und nie provokativ.

Aber dann scheint alles ein Ende zu haben. Die Frau, Claire (Kerry Fox), kommt nicht zu einem der üblichen Treffen am Mittwochnachmittag. Und Jay will plötzlich mehr wissen. Ihn quält eine verzweifelte Neugier auf die Person, die in Claires Körper steckt. Als er sie im Großstadtgetümmel entdeckt, beschließt er, ihr zu folgen. Von nun an bekommen die Körper für die Zuschauer menschliche Konturen - der Anfang vom Ende ihrer Beziehung.

"Dies ist ein Film, von dem Engländer sagen werden, er sei ziemlich französisch, und Franzosen werden ihn für typisch englisch halten", erklärte Patrice Chéreau. Tatsächlich ist "Intimacy" ein französischer Film, der in englischer Sprache in London gedreht wurde. Die Geschichte und das Drehbuch entwickelte der Regisseur zusammen mit dem englischen Schriftsteller Hanif Kureishi ("Mein wunderbarer Waschsalon"). Die Unfähigkeit zur Kommunikation, die Einsamkeit moderner Großstadtmenschen, die Sehnsucht nach Nähe und die gleichzeitige Angst davor sind die Themen des Films.

Johann Ritter


Die Freizügigkeit von "Intimacy" war bei der Berlinale 2001 nicht nach jedermanns Geschmack: Mark Rylance und Kerry Fox.
Die Freizügigkeit von "Intimacy" war bei der Berlinale 2001 nicht nach jedermanns Geschmack: Mark Rylance und Kerry Fox. (ARD / Degeto)

Claire (Kerry Fox) und Jay (Mark Rylance) treffen sich einmal pro Woche zu wortlosem, anonymem Sex.
Claire (Kerry Fox) und Jay (Mark Rylance) treffen sich einmal pro Woche zu wortlosem, anonymem Sex. (ARD / Degeto)

Datum: 24.02.2010

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