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DiCaprio begibt sich auf einen Psychotrip nach "Shutter Island"

Shutter Island

(vm/tsch) Sehr gut ausgestattet und beeindruckend fotographiert ist „Shutter Island“. Alles darin ist groß: die Kameraeinstellungen, die bombastische Musikuntermalung, die Besetzung. Das wundert auch kaum jemanden, es geht ja schließlich um den neuen Film von Martin Scorsese. Doch das alles ist zu groß im Verhältnis zur vergleichsweise dünnen und leider ab der Hälfte des Geschehens auch ziemlich vorhersehbaren Story. Der Psychotrip nach „Shutter Island“, der oft auf altbewährte Motive des Genres setzt, beginnt als spannender, dynamischer und solide inszenierter Thriller, doch im Laufe der Zeit verliert er an Tempo und wirkt viel zu verworren und surreal. Alles in allem ist „Shutter Island“ ein durchaus sehenswerter Thriller, mehr aber auch nicht.

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Man muss den Thriller von Dennis Lehane nicht gelesen haben, um schon bei der Ankunft auf der Insel zu wissen, dass hier etwas nicht stimmt. Mit donnernden Cellos kündigt Regisseur Martin Scorsese an, dass Hauptdarsteller Leonardo DiCaprio bald in Schwierigkeiten stecken wird. Und das Publikum auch. Denn es dauert nicht lang, bis sich jeder die Frage stellt, wem man in dieser Geschichte überhaupt noch trauen kann.

Um das Verschwinden einer Patientin zu klären, wird US-Marshall Daniels (DiCaprio) 1954 nach Shutter Island beordert: ein Gefängnis, in dem geisteskranke Schwerstverbrecher untergebracht und behandelt werden. Mörder, die in ihrer eigenen Welt leben. "Normal", erklärt eine Krankenschwester, "macht keinen besonders großen Teil unseres Alltags aus". Auf mysteriöse Weise entwischte die dreifache Kindsmörderin Rachel Solando (Emily Mortimer) aus dieser von Wasser, Felsen und Elektrozäunen umgebenen Festung. Es ist nun an Daniels und seinem neuen Partner Chuck (Mark Ruffalo), die Entflohene zu finden.

Doch während Daniels unter den wachsamen Augen des Klinikleiters Cawley (Ben Kingsley) die Pfleger und Insassen von Shutter Island verhört, wird klar, dass auch der Ermittler nicht frei von Dämonen ist: Mehr als seine häufigen Migräneanfälle plagen ihn die Bilder, die sich während seiner Soldatenzeit bei der Befreiung des Konzentrationslagers Dachau bei ihm einbrannten. Viel schlimmer noch nagen an ihm jedoch die Erinnerung an seine Frau (Michelle Williams), die ums Leben kam, als ein Pyromane namens Andrew Laeddis ihr Haus in Brand steckte. Und genau ihn glaubt Daniels auf Shutter Island finden zu können.

Zentimeter für Zentimeter entziehen Scorsese und sein vortrefflich gewähltes Ensemble dem Publikum den Boden unter den Füßen, bis es keine andere Wahl mehr hat, als der Spur zu folgen, die Drehbuchautor Laeta Kalogridis auslegte. Dass es sich dabei um eine falsche Fährte handelt, die durch einen langen dunklen Tunnel führen wird, steht schon auf den Wegweisern. Doch wo sollte man auch entlanggehen, wenn um einen herum nur Gestrüpp und Abgründe sind? Mit zahlreichen Rückblenden vernebelt Scorsese den Pfad so stark, dass man gezwungen wird, stehen zu bleiben: Durch diese Einschübe, in Erinnerungen und Träume verpackt, wird ein Einblick in die Gefühlswelt der Hauptfigur gewährt.

Und doch bringen sie einen keinen Schritt weiter: Die an sich spannende, dicht erzählte Handlung gerät dadurch kurzfristig ins Stocken. Die Finsternis der hervorragend eingefangenen Umgebung verhindert zwar, das jemals ein Gefühl von Sicherheit aufkommt - aber die ungünstig gelegenen Atempausen geben dem Publikum Gelegenheit, auf dem Weg den Schrecken zu verlieren und sich langsam an die Dunkelheit zu gewöhnen. Und am Ende des Ganges eine morsche Holztür zu erkennen.

Annekatrin Liebisch

Credits:
V:Concorde, USA 2010, R: Martin Scorsese, D: Leonardo DiCaprio, Mark Ruffalo, Sir Ben Kingsley u.a.

Laufzeit: 138 Min.

Kinostart:
25. Februar 2010


Auf "Shutter Island" fühlt man sich nie sicher. Weder als Hauptfigur noch als Zuschauer.
Auf "Shutter Island" fühlt man sich nie sicher. Weder als Hauptfigur noch als Zuschauer. (2009 Concorde Filmverleih GmbH)

US-Marshall Teddy Daniels (Leonardo DiCaprio) sucht auf Shutter Island, einer Anstalt für geisteskranke Schwerstkriminelle, nach einer entflohenen Patientin.
US-Marshall Teddy Daniels (Leonardo DiCaprio) sucht auf Shutter Island, einer Anstalt für geisteskranke Schwerstkriminelle, nach einer entflohenen Patientin. (2010 Concorde Filmverleih GmbH)

Teddy Daniels (Leonardo DiCaprio) vertraut seinem Partner Chuck (Mark Ruffalo, links) an, dass er auf Shutter Island auch private Interessen verfolgt.
Teddy Daniels (Leonardo DiCaprio) vertraut seinem Partner Chuck (Mark Ruffalo, links) an, dass er auf Shutter Island auch private Interessen verfolgt. (2009 Concorde Filmverleih GmbH)

Datum: 21.02.2010

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