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Nicolas Cage ist "Bad Lieutenant"

Bad Lieutenant - Cop ohne Gewissen

(mb/tsch) Nicolas Cage hat sich schon einmal der Selbstzerstörung ausgeliefert - in „Leaving Las Vegas“ wollte er sich zu Tode saufen – und bekam prompt einen Oscar für seine starke Leistung. Es steht ihm gut, den Lebensmüden, Zermürbten zu geben. Trotz der Maistreamrollen, in denen er in den letzten Jahren zu sehen war, hat er noch dieses Bad-Boy-Charisma, das etwa in David Lynchs „Wild at Heart“ so gut zur Geltung kommt. Was also Regisseur Werner Herzog bewogen haben mag, Cage für die Hauptrolle in seinem Remake von Abel Ferraras „Bad Lieutenant” (1992) zu engagieren, ist nachvollziehbar. Warum er es aber für nötig hielt, einen Film neu zu drehen, der keine Neuauflage nötig hat, bleibt rätselhaft. Herzogs "Bad Lieutenant" unterscheidet sich vom Original allerdings insofern, dass er den ernsten Unterton nicht durchgehend behält und das Ganze fast wie eine Karikatur enden lässt. Warum, bleibet ebenfalls unklar. Und es passt nicht zum Rest.

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Böse Zungen behaupten, Werner Herzog habe die Berufung zum Jury-Chef der Berlinale nur angenommen, weil sein Remake von "Bad Lieutenant" zeitgleich in Deutschland startet. Im Zweifel aber setzt sich selbst ein gleichermaßen umstrittener wie angesehener Regisseur wie Herzog in solchen Fällen eher harscherer Kritik aus als im "normalen Leben". Vom Independent Spirit Award, den Keitel 1993 für seine Leistung gewann, sind Herzog und Nicolas Cage ja ziemlich weit entfernt.

Einiges an dieser Geschichte wurde in der Neuverfilmung doch aufgehübscht, hier und da eine witzige Komponente angefügt und nicht zuletzt die gesamte Story von New York ins stimmungsvollere New Orleans gepackt, was eine komplett andere Atmosphäre vermittelt.

Außerdem beginnt Herzog findig: Durch die Rettung eines Gefangenen verletzt sich der Polizist (Cage) so schwer, dass er für sein restliches Leben tablettenabhängig wird, um den Schmerz zu betäuben. Ob er Gutes tun wollte oder seine Arroganz befriedigen, lässt das Crime-Drama offen. Dieser Unfall stellt seine Korruptionsanfälligkeit beziehungsweise sein Erpressen oder den Diebstahl von Drogen - beinahe ein Running Gag - aber in ein anderes Licht. Gar so schmutzig wie das Original will der neue "Cop ohne Gewissen" also nicht sein. Die Wurzel des Übels ist nicht in ihm, sondern im Hurrikan Katrina begründet.

Da passierte dem Instinkt-Cop Terence McDonagh das nicht weiter bebilderte Missgeschick, als er mit seinem Kollegen Stevie (erschreckend abgehalftert: Val Kilmer) über seine teuren Unterhosen und den ertrinkenden Gefangenen scherzte. Die bei dieser Rettung entstandenen, nicht mehr abebbenden Rückenschmerzen lassen Terence junge Paare auf dunklen Parkplätzen filzen, um an deren Drogen zu kommen.

Nebenbei rettet er seine Freundin, die Prostituierte Frankie (Eva Mendes) wortgewandt vor ungeliebten Kunden. Eine kurze Zeit schwimmt der nassforsche Polizist, von seinem Chef gut gelitten, trotz widriger Umstände oben. Der Fall spielt keine Rolle, ein fünffacher Mord, der letztlich durch einen dummen Zufall gelöst wird.

Es ist die Ironie, das quasi versöhnliche Ende, was diesen Film schwer einordnen lässt. Dennoch funktioniert er als Ganzes, ist ein kurzweiliger Krimi, der weder richtig gegen den Mainstreamstrich gebürstet wurde noch nach den üblichen Regeln abläuft.

Cage zieht die Schulter hoch, humpelt durchs Bild, schiebt geschmacklose Nummern in dunklen Ecken und wirkt dank Herzog doch nie als Kunstobjekt. Obwohl viele familiäre Probleme der Hauptfigur verhandelt werden, gelingt ein angenehmer Spannungsbogen. Die Dosierung ist gut. Und dies vermutlich der erste düstere Film, der sich Humor leistet, ohne albern zu sein.

Claudia Nitsche

Credits:
V:Splendid, USA 2009, R: Werner Herzog, D: Nicolas Cage, Eva Mendes, Val Kilmer u.a.

Laufzeit: 122 Min.

Kinostart:
25. Februar 2010


Werner Herzogs Neuverfilmung des "Bad Lieutenant" von 1992 ist nicht ganz so düster wie das Original von Abel Ferrara.
Werner Herzogs Neuverfilmung des "Bad Lieutenant" von 1992 ist nicht ganz so düster wie das Original von Abel Ferrara. (2009 Twentieth Century Fox)

So zufrieden ist der Polizist Terence (Nicolas Cage) selten. Gerade hat er mit einer dreisten Lüge einen Kunden seiner Freundin (Eva Mendes) verscheucht.
So zufrieden ist der Polizist Terence (Nicolas Cage) selten. Gerade hat er mit einer dreisten Lüge einen Kunden seiner Freundin (Eva Mendes) verscheucht. (2010 Twentieth Century Fox)

Neuanfang oder Ende der Fahnenstange? Frankie (Eva Mendes, rechts) scheint das Leben mit Drogen als Lebenselixier sattzuhaben. Ihr Freund Terence (Nicolas Cage) versteht diese Wandlung nicht.
Neuanfang oder Ende der Fahnenstange? Frankie (Eva Mendes, rechts) scheint das Leben mit Drogen als Lebenselixier sattzuhaben. Ihr Freund Terence (Nicolas Cage) versteht diese Wandlung nicht. (2009 Twentieth Century Fox)

Datum: 22.02.2010

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