Love Exposure
Hier lohnt sich der Überlängezuschlag: Sion Sonos wildes Kinoexperiment "Love Exposure" ist ein vierstündiger Clip über das Wesen und Unwesen der Liebe.
(vm/tsch) Als "Love Exposure" bei der Berlinale im vergangenen Jahr gezeigt wurde, trauten viele ihren Augen nicht. Das japanische Kinowunder sorgte für richtige Furore. Denn so etwas Verrücktes hatte man noch nie auf der Leinwand gesehen. Wie ein trashiger und abgefahrener Videoclip fühlt sich das Experiment des Regisseurs Sion Sono an. Nur, dass es beinahe vier Stunden dauert! Kann denn so ein langer Film tatsächlich fesseln? Oh ja. Das glaubt man kaum, aber die 227 Minuten vergehen dank der unzähligen originellen Einfälle wie im Flug. Und man geht aus dem Kinosaal raus mit dem Gefühl, gerade eine echte Kinorevolution erlebt zu haben.
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Etwas Zeit sollte man sich schon nehmen für das japanische Filmwunderwerk "Love Exposure" (2008). Fast vier Stunden dauert Sion Sonos Festivalliebling, der bei der Berlinale im vergangenen Jahr für Furore sorgte und nun in der untertitelten Originalfassung auf DVD zu sehen ist. Aber diese vier Stunden sind äußerst kurzweilig.
Kann denn Liebe Sünde sein? Wohl kaum, erst recht nicht, wenn sie in ihren wildesten Facetten in einem wundersamen Bilder- und Genremix beleuchtet wird. Sion Sono inszeniert seine Tour de Force als überlangen Videoclip, ohne Rücksicht auf filmische Konvention, befreit von dramaturgischen Fesseln. Klar, dass darunter auch die Bildqualität der DVD etwas leidet. Gefilmt wurde mit handlichen Videokameras, die Optik wirkt dementsprechend pixelig, kontrastarm und verwaschen.
Yu (Takahiro Nishijima) hat ein Hobby, das dem Vernehmen nach in Japan generell nicht unbeliebt ist: Er fotografiert gern unter die Röcke junger Frauen. Der Schlüpfersammler hat als Kind seine Mutter verloren, sein Vater wandte sich nach dem Tod seiner Frau dem Glauben zu und wurde Priester. Etwas allein in der Welt, versucht sich das schüchterne Kind, aus dem dem ein schüchterner junger Mann wird, in kleinen und großen Sünden. Sein unterbewusster Schrei nach Liebe wird eines Tages erhört: Die Tochter der heimlichen Liebschaft seines Vaters erobert sein Herz. Yoko (Mitsushima Hikari) weiß allerdings nichts von ihrem Glück und wird zu allem Unglück auch noch entführt - von einer durchgeknallten Sekte.
Klingt absurd, und ist es auch. Sion Sono zelebriert die Fantasie und das Groteske: mit knallbunten Bildern, rasanten Schnitten, radikalen Rhythmuswechseln und einem Soundtrack, der J-Pop mit Ravels "Bolero" vereint - auf DVD klingt das etwas frontlastig, aber wer mag sich über die Soundqualität schon beschweren? Denn die 227 Minuten filmischer Extravaganz vergehen in seinem Liebes-Splatter-Porno-KungFu-Komödiendrama schneller, als der Auslöser von Yus Kamera klicken kann. Schade ist nur, dass es außer drei entfallenen Szenen lediglich eine knapp halbstündige Dokumentation zum Film gibt.
Andreas Fischer
bewertungsbox
| bildformat |
1,78:1 (anamorph) |
| sprachen |
Japanisch (5.1) |
| untertitel |
Deutsch |
| extras |
Dokumentation; Entfallene Szenen |
| laufzeit |
227 Min. |
| tonsystem |
Dolby Digital |
| regionalcode |
Regionalcode 2 |
| preis |
ca. 17 Euro |
| bewertung bild |
befriedigend |
| bewertung ton |
befriedigend |
| bewertung extras |
befriedigend |
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Credits: (Japan 2008, R: Sion Sono, D: Takahiro Nishijima, Hikari Mitsushima, Sakura Ando u.a.)
Zeit spielt keine Rolle: "Love Exposure" ist ein vierstündiger filmischer Wahnsinn über die Absurditäten der Liebe. (Rapid Eye Movies)
Richtig viel hält Yoko (Mitsushima Hikari) nicht von der Liebe. (Rapid Eye Movies)
Der liebestolle Yu (Takahiro Nishijima) fotografiert gerne die Geheimnisse der Frauen. (Rapid Eye Movies) |
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