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Nicolas Cage über "Bad Lieutenant"

Hass und Liebe

Schauspieler Nicolas Cage

Liegt es an der Last seiner Steuerschulden? Oder an der Ernsthaftigkeit als Künstler? Jedenfalls schlurft Nicolas Cage (45) bar jeder Körperspannung in den Raum, scheinbar nur in Form gehalten von seinem grauen Designeranzug. Ähnlich krumm kommt auch Terence McDonagh daher, jener Cop, den Cage in Werner Herzogs surrealem Thriller "Bad Lieutenant: Port of Call New Orleans" (Kinostart: 25.02.) spielt. Seit einem Arbeitsunfall ist der rückenkranke McDonagh abhängig von Schmerzmitteln. Während der Ermittlungen zum Massaker an einer illegalen Einwandererfamilie geraten Terence und seine Freundin, die Edelhure Frankie (Eva Mendes), zwischen die Fronten eines Bandenkriegs. Terry legt sich mit Gangsterchef Big Fate (Xzibit) an. Dabei wäre er mit der Beschaffung von Drogen für den Eigengebrauch und seinem Alltagsjob vollauf ausgelastet. Im Interview spricht Nicolas Cage über Fische, Jazz und seine Oma.

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teleschau: Für Werner Herzog ist "Die Lust am Bösen" zentrales Thema seines Films. Für Sie auch?

Nicolas Cage: Ich sehe das nicht so. Für mich ist Terry McDonagh kein guter oder böser Cop. Er ist einfach ein Cop. Das macht diesen Film zu einem erzählerischen Original und eben keinem Remake. Unser Film ist existenziell wie das Leben. Menschen tun eben manchmal Dinge, die als böse oder zumindest falsch wahrgenommen werden.

teleschau: Anders als in "Bad Lieutenant" (1992) von Abel Ferrara?

Cage: Ich bewundere Abel Ferrara als Regisseur, und Harvey Keitel ist nicht nur mein Freund, sondern auch ein hervorragender Schauspieler. Auch dieser Film ist aus heutiger Sicht noch immer sehr gut. Aber er ist mit christlichen Motiven gespickt. Die Figuren sind beladen mit katholisch geprägter Schuld und der Suche nach Erlösung. Unser Terence hat keine Schuldgefühle, darum geht es nicht. Außerdem: Wer kann von sich sicher behaupten, er würde nicht abhängig von Schmerzmitteln werden, wenn er konstant große Schmerzen erdulden müsste?

teleschau: Ihre Figur hat manchmal beinahe comichafte, surreale Züge ...

Cage: Das fällt Ihnen dazu ein? Wunderbar - aber es war nicht meine Absicht. Ich dachte, es sei gut, ihm wegen seiner Verletzung einen etwas krummen Rücken zu verleihen. Damit bewegt sich Terry anders als andere. Ansonsten lassen Sie mich nur so viel sagen: Dieser Film steckt voller Paranoia (grinst). Und außerdem versucht er, wie Musik zu sein.

teleschau: Wie Musik?

Cage: Jede Kunstform will eigentlich Musik sein. Denn Musik ist in meinen Augen die höchste Form der Kunst. Deshalb war es ja auch so toll, dass der Film in New Orleans spielt. Diese Stadt mit französischer, spanischer, englischer und afrikanischer Historie hat eine unglaubliche Energie. Sie spielt in meinen Augen eine Hauptrolle im Film. Und New Orleans ist ein Zentrum der Musik, die Geburtsstätte des Jazz. Ich liebe Jazz, denn im Jazz ist es wie im Film. Man muss seine Noten und seinen Text so gut beherrschen, dass man variieren und improvisieren kann. So versuche ich das auch mit meinen Figuren zu tun. Werner Herzog hat das toleriert.

teleschau: Wie war die Zusammenarbeit?

Cage: Er ist ein schnörkelloser Profi, der sich selbst vollkommen vertraut. Er braucht keine verschiedenen Set Ups, unterschiedliche Kamerawinkel oder 100 Versuche, um eine Szene in den Kasten zu bekommen. Ein oder zwei Takes reichen, weil er weiß, was er will. Wir haben hervorragend zusammengearbeitet. Das Interessanteste an Werner Herzog ist aber, dass er mich an meine Oma erinnert.

teleschau: Ihre Oma?

Cage: Sie stammt aus derselben Ecke der Welt und Werner hat denselben Akzent. Ich habe meine Oma als Kind abgöttisch geliebt, aber oft ihre Worte nicht verstanden. Sie war Quell von Liebe und Frustration zugleich. Diese seltsame Mischung fand ich bei Werner Herzog wieder, nicht auf sprachlicher Ebene, aber seinen Betrachtungswinkel habe ich manchmal nicht verstanden. Das habe ich ihm natürlich nie gesagt - wir haben ja auch so hervorragend zusammengearbeitet.

teleschau: Es heißt, Sie lieben Fische. Auch in diesem Film kommen Fische vor.

Cage: Fische sind göttliche Wesen. Sie haben auch die Flut in New Orleans überlebt. Ich finde, dass Fische große Würde besitzen. Werner hat immer gesagt: Los, spiel, lass die Sau in Terry raus. Ich habe ihm entgegengehalten: Terry ist doch ein Hai, er kann kein Schwein sein!

teleschau: Lieben Sie eigentlich Ihren Job?

Cage: Ich habe eine Hassliebe zur Schauspielerei. Sie gab mir die Möglichkeit, Naivität in etwas Positives zu verwandeln. Das hätte jede andere Kunstform vermutlich auch geschafft, aber Schauspielen war eben das, was ich konnte. Aber ich bin heute nicht mehr der, der ich mit 15 zu Beginn meiner Karriere war. Ich bin 45 Jahre alt, habe andere Interessen, andere Überzeugungen. Und es langweilt mich, ständig nur über mich selbst zu reden.

teleschau: Dennoch eine letzte Frage zu Ihnen: Spielt man jemanden, der dauernd high und besoffen ist, leichter trocken oder "feucht"?

Cage: Das ist die ewige Frage. Ich habe seit fünf Jahren nichts mehr getrunken und bin die Sache dann quasi impressionistisch angegangen. Ich habe Erfahrungen, die ich vor 20 Jahren gemacht habe, wie eine Landschaft vor meinem inneren Auge auferstehen lassen. Der Säufer Ben, den ich damals in "Leaving Las Vegas" spielte, war dagegen - wenn Sie so wollen - fotorealistisch.

Kerstin Lindemann


In Werner Herzogs surrealem Thriller "Bad Lieutenant: Port of Call New Orleans" (Kinostart: 25.02.) spielt Nicolas Cage einen Cop, der seit einem Arbeitsunfall von Schmerzmitteln abhängig ist.
In Werner Herzogs surrealem Thriller "Bad Lieutenant: Port of Call New Orleans" (Kinostart: 25.02.) spielt Nicolas Cage einen Cop, der seit einem Arbeitsunfall von Schmerzmitteln abhängig ist. (2010 Twentieth Century Fox)

Gemeinsam mit dem Regisseur Werner Herzog drehte Nicolas Cage "Bad Lieutenant" (Kinostart: 25.02.).
Gemeinsam mit dem Regisseur Werner Herzog drehte Nicolas Cage "Bad Lieutenant" (Kinostart: 25.02.). (2010 Twentieth Century Fox)

Nicolas Cage interpretierte die Rolle nach seiner Vorstellung: "Ich dachte, es sei gut, ihr wegen der Verletzung einen etwas krummen Rücken zu verleihen."
Nicolas Cage interpretierte die Rolle nach seiner Vorstellung: "Ich dachte, es sei gut, ihr wegen der Verletzung einen etwas krummen Rücken zu verleihen." (2009 Twentieth Century Fox)

Datum: 22.02.2010

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