Für "Der stille Amerikaner" wurde Michael Caine für den Oscar nominiert
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Der stille Amerikaner
Sir Michael Caine ist es nicht. Er ist nicht "der stille Amerikaner". Er ist - natürlich - Brite. Ein stiller gleichwohl. Einer, der behutsam seine Geschichte erzählt, von der Liebe, seiner tiefen Verehrung für Vietnam und von jenem stillen Amerikaner (Brendan Fraser), den er vor Ausbruch des Vietnamkriegs in Saigon kennenlernte. Mit der Graham-Greene-Adaption hat der australische Erfolgsregisseur Phillip Noyce einen Thriller gedreht, der noch vor seiner Uraufführung für Kontroversen sorgte: Ursprünglich für eine Amerika-Premiere Ende 2001 vorgesehen, wurde der Film nach den Anschlägen vom 11. September zunächst zurückgezogen. "Der stille Amerikaner" thematisiert die Verstrickungen des amerikanischen Geheimdienstes im Vietnam der 50er-Jahre. Erst nachdem der Film bei Festivals gefeiert wurde, kam er Ende 2002 doch noch in die Kinos. Sir Michael Caine, der am 14. März seinen 77. Geburtstag feiert, wurde für seine Rolle in "Der stille Amerikaner", den 3sat nun wiederholt, für den Oscar nominiert.
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Mit sonorer Stimme führt er in der Rolle des Journalisten Thomas Fowler den Zuschauer ein, in seine sehr persönliche Hommage an Vietnam. "Der Regen", so sagt er, "ist dort ganz anders als der dreckige Niederschlag in London. Der Geruch so intensiv, dass du deinen Namen vergisst und wovor du weggerannt bist." Wenn er die Stimme senkt und sich die weichen Wasserschnüre weiter über Saigon fallen lassen, hat er das Kinopublikum mit einem der schönsten Intros der letzten Jahre bereits auf seiner Seite, denn er hat ihm ein Geheimnis verraten und doch nur angerissen, wovon er erzählen möchte.
Fowler ist Korrespondent in Saigon, hat mit Phuong eine wunderschöne Geliebte (Do Hai Yen) und will mit allen Mitteln seinem Rückruf nach London entgehen. Er will hier weiterleben. Als er mit diesem stillen Amerikaner Alden Pyle Freundschaft schloss, konnte er nicht ahnen, dass dies eine jener Erfahrungen werden würde, die Menschen aus der Bahn werfen.
Pyle ist ein naiver, engagierter Arzt. Aufrichtig höflich, sehr steif im Benehmen - und gelähmt vor Herzschmerz, als er Fowlers Mätresse zum ersten Mal sieht. "Mätresse" ist ein garstiges Wort. Sie hat es nicht verdient, und auch die Beziehung zu Fowler hat diese abschätzende Beschreibung nicht verdient. Denn "Der stille Amerikaner" ist keine der Dreiecksstorys, die ihre Tragik über unerwiderte Gefühle und heimliche Treffen bezieht.
Saigon ist ein gefährliches Pflaster, schließlich intervenieren die Amerikaner bereits massiv, bevor endgültig der Krieg beginnt. Und so zurückhaltend manierlich dieser Alden Pyle ist, er ist eben ein verdeckter CIA-Agent - und Fowler berichtet über Politik. Ein Zündplättchen genügt, um der Situation eine gewaltige Explosion zu entlocken. Diese wird über 90 Minuten vorbereitet.
Michael Caine (bei Fans von Comicbuch-Adaptionen besonders durch seine Rolle als Butler Alfred in Christopher Nolans "The Dark Knight", 2008, beliebt) ist der zentrale Punkt, die tragische Figur dieser Romanverfilmung über große Gefühle. Die Melancholie in seinen Augen, die wortlose Erzählung seines Gesichtes sind bedrückend. Einzigartig ergänzt sich die verwirrende Ausweglosigkeit des Beziehungskonfliktes mit den anmutigen, erhabenen Gebäuden der flirrenden Stadt und dem stilvollen Interieur der Korrespondentenwohnung.
Regisseur Phillip Noyce macht sich in "Der stille Amerikaner" niemals einer erzwungenen Parallelmontage von Politik und Liebe verdächtig. Die Inszenierung ist zurückhaltend elegant und mit Caine perfekt besetzt. Nur das ausdruckslose Spiel Brendan Frasers trübt den Genuss. Ohne mit den Lidern zu zucken, gibt er den Stoiker, der allerdings keine Gefühle durchblicken lässt und viel zu naiv wirkt für einen verdeckt arbeitenden Agenten. Hier, in dieser alles andere als unschuldigen Kulisse des Vorkriegsvietnam, hätte er etwas mehr Tiefgang gebraucht, um dem Film gerecht zu werden und Caine das Wasser reichen zu können.
Jasmin Herzog
Die schöne Vietnamesin Phuong (Do Thi Hai Yen) ist seit Jahren Fowlers Geliebte. Als der junge Amerikaner Alden Pyle in ihr Leben tritt, steht sie plötzlich zwischen zwei Männern. (3sat / ZDF / ARD / Degeto)
Zwischen Fowler (Michael Caine, links), seiner Geliebten Phuong (Do Thi Hai Yen) und Alden Pyle (Brendan Fraser) entwickelt sich ein spannungsreiches Dreiecksverhältnis. (3sat / ZDF / ARD / Degeto)
In dem britischen Journalisten Thomas Fowler (Michael Caine, links) findet Alden Pyle (Brendan Fraser), scheinbar Mitglied einer amerikanischen Wirtschaftshilfedelegation, einen Freund und Ratgeber. (3sat / ZDF / ARD / Degeto)
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