Man soll aufhören, wenn es am schönsten ist - diesen Zeitpunkt hat Bad Blake (Jeff Bridges) definitiv verpasst. Der 57-jährige Gitarren-Cowboy tourt mit seinen alten Nummer-Eins-Hits durch Spelunken und Bowling-Schuppen im amerikanischen Südwesten. Ein demütigendes Dasein, das sich nur mit großen Mengen Alkohol aushalten lässt, denn die Musik funktioniert in seinem Leben als Sinnstifterin schon lange nicht mehr. Doch hinter der kaputten Fassade eines Mannes, der sich scheinbar aufgegeben hat, schlägt noch immer ein "Crazy Heart". Und eben das legt Regisseur Scott Cooper gemeinsam mit seinem unangestrengt authentisch wirkenden Hauptdarsteller Jeff Bridges frei.
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Mit Anti-Helden kennt sich Bridges seit seiner Darstellung des verlotterten Cannabiskonsumenten "Dude" in "The Big Lebowski" aus. Jetzt darf er noch einen draufsetzen, sich richtig "auskotzen" und dafür auch noch auf den Oscar hoffen. Und weil ihm die Kamera gerne dabei zusieht, bewegen sich die ersten Szenen zur Einführung des Protagonisten von "Crazy Heart" nah am Fäkalhumor so mancher Teenager-Komödie. Der abgehalfterte Oldie steigt in der tiefsten Provinz aus seinem mit Kippen und sonstigem Müll vollgestopften Pick-Up und leert eine Flasche mit gelber Flüssigkeit auf den Parkplatz des Bowling-Centers. Der Film weidet sich am ungesunden Dasein Blakes zwischen Alkohol und Zigaretten. Ein Highlight in seinem Leben ist eine unerwartet geschenkte Whiskeyflasche.
Wenn der Mann den Mund jedoch nicht zum Trinken oder sich übergeben, sondern zum Singen aufmacht, hört sich das noch immer gut an und begeistert seine mit ihm gealterten Fans. Die Filmmusik setzt in ausgedehnten Auftrittsszenen auf erdigen Outlaw-Country mit rockigem Einschlag, der nichts mit dem glamourösen Nashville-Sound gemeinsam hat. Jeff Bridges singt selbst und schlägt sich ebenso wie sein Kollege Colin Farrell sehr gut. Der kaum wieder zu erkennende Farrell gefällt in "Crazy Heart" mit Pferdeschwanz und Drei-Tage-Bart als Keith-Urban-Version eines Superstars der Country-Szene: Im Windschatten seines ehemaligen Schützlings Tony Sweet scheinen für Bad Blake nun auch wieder bessere Zeiten anzubrechen. Er schluckt seinen Stolz herunter und lässt sich als Vorsänger für ein Konzert Tonys anheuern.
Was einerseits nach dem Porträt eines abgetakelten Musikers klingt, ist zweitens auch eine rührende, wenn auch nicht ganz neue Nichtliebesgeschichte. Ein Interview in Santa Fee bringt die 20 Jahre jüngere Journalistin Sean (sensibel und anrührend: Maggie Gyllenhaal) ins schäbige Hotelzimmer des Altstars. Und siehe da, das saufende Raubein Bad beginnt - gar nicht so böse -, Gefühl zu zeigen. Trotz aller Zuneigung, die auch Jean für den vierfach Geschiedenen empfindet, läuten bei ihr die Alarmglocken. Schließlich ist sie eine alleinerziehende Mutter, die schon einige Enttäuschungen hinter sich hat und ihren kleinen Sohn schützen muss. Wie schon Gérard Depardieu als verliebter Schnulzensänger in "Chanson D'Amour" lässt Bad Blake nicht locker, immerhin geht es für ihn um eine letzte Chance auf ein bisschen Glück. Auch wenn es fürs ganz große Happy End nicht reicht, hält Regisseur Scott Cooper für seine Hauptfigur ein gutes Stück Hoffnung und Zuversicht auf ein neues Leben bereit.
Ein weiteres Highlight stellt neben den bereits erwähnten Schauspielern Robert Duvall dar. Er spielt Bads besten Freund, den Barkeeper Wayne, der mit einem kleinen A-cappella-Stück entzückt. Duvall ist die gute Seele des Films und passt bestens in diesen melancholischen Abgesang voll menschlicher Wärme und ein bisschen Humor.
Diemuth Schmidt
Credits: V:Fox, USA 2009, R: Scott Cooper, D: Jeff Bridges, Maggie Gyllenhaal, Colin Farrell u.a.
Laufzeit: 110 Min.
Kinostart: tt.mm.jjjj
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