Deutsche Indie-Filmer präsentieren ihre Version von "Blair Witch Project": müder Horror, technisch mies dargeboten.
Anzeige
Was 1999 mit "Blair Witch Project" begann, ist mittlerweile zum eigenen Genre herangewachsen: First-Person-Schocker. Vor allem Independent-Filmer entdeckten den Handycam-Horror für sich. Kein Wunder, lässt sich doch mit einem vergleichsweise geringen Budget möglicherweise ein Kassenknüller kreieren, beste Beispiele: "Open Water" (2003) und "Paranormal Activity" (2007). Auch Andreas Arimont und seine Kumpels bastelten in fleißiger Heimarbeit ihren eigenen First-Person-Schocker: "Cam" (2009) findet dieser Tage seinen Weg in die DVD-Regale.
Darin erkunden drei Kumpels ein verlassenes Gebäude am Stadtrand, in dem es - wen wundert's? - spukt. Was von Anfang klar ist, wird allerdings erst nach 50 Minuten offenbar, denn bis dahin trödeln die Jungs reichlich, gehen einkaufen, plaudern sinnfrei daher, wackeln mit der Handycam und fuchteln mit der Taschenlampe. In den letzten Minuten geht es zwar ordentlich zur Sache, doch gilt es, sich bis dahin wach zu halten.
Auch der mittlerweile kaum noch kreative First-Person-Effekt kann die Absenz eines Spannungsbogens nicht kaschieren. Wenn etwa ein Zehntel der Bildschirmfläche vom Lichtkegel der Taschenlampe erleuchtet wird, sorgt das nicht für Spannung, sondern für Missmut. Zumal die miese Bildqualität nicht einmal zu VHS-Zeiten gut abgeschnitten hätte. Der flache Stereoton darf bis auf die letzten zehn Minuten praktisch nur genuschelte Dialoge widergeben, von stimmungsvollem Sound kann keine Rede sein. Eine Handvoll mäßig unterhaltsamer Extras werten die bittere Qualität der Disc und ihren Inhalt auch nicht auf.
Gregor Jossé
bewertungsbox
bildformat
1,78:1 (anamorph)
sprachen
Deutsch (2.0)
untertitel
Keine
extras
Diashow; Entfallene Szenen; Audiokommentar des Regisseurs Andreas Arimont und der Darsteller Sven Hundertmark, Jan Meyer
laufzeit
71 Min.
tonsystem
Dolby Digital
regionalcode
Regionalcode 2
preis
ca. 10 Euro
bewertung bild
ungenügend
bewertung ton
ungenügend
bewertung extras
ausreichend
Credits: (D 2009, R: Andreas Arimont, D: Jan Meyer, Sven Hundertmark, Günter Arimont u.a.)
First-Person-Horror aus deutschen Landen: Inhaltlich wie technisch ist "Cam" ein Griff ins Klo. (ScaryMind Productions)
Eine Videokamera und der Horror kann beginnen: "Cam" ist ein nicht immer gelungener First-Person-Schocker. (ScaryMind Productions)
Gruselig ist der Maskenmann vor allem, weil das Bild so schlecht ist. (ScaryMind Productions)