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GN’R: Papparazzijagd und Überraschungskonzerte

GN’R: Papparazzijagd und Überraschungskonzerte

Ein ganzes Jahr lang ließen Guns N’ Roses sich Zeit, bevor sie nach der Veröffentlichung ihres legendären Albums „Chinese Democracy“ wieder zu einer Welttournee aufbrachen. Oder ihre Tournee fortsetzen? Offiziell begann die Chinese Democracy World Tour bereits 2002…

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In der Welt von Axl Rose ticken die Uhren anders. Wie oft schon wurde diese Band für tot erklärt. Rose ließ sich nicht beeindrucken. Seine Meinung über die „Punks in the press“ tat er schon 1991 auf dem Doppelalbum „Use Your Illusion“ kund. Bis heute gibt es Fans, die den Verlust von Leadgitarrist Slash beklagen. Dass der seit seinem Ausstieg 1996 nichts Nennenswertes auf die Beine gestellt hat, und dass die Songwriter der Truppe im Wesentlichen Axl Rose und Izzy Stradlin waren, lässt sie unbeeindruckt.

Es hat Fehlstarts gegeben. Mehrere. Bereits 2002 begann offiziell die Chinese Democracy World Tour, die Tour, die den Titel des Albums im Namen trug, das zu dem Zeitpunkt bereits mehrere Jahre Verspätung auf dem Buckel hatte. „Wenn ihr warten wollt, dann wartet lieber auf Jesus. Ich habe gehört, dass das lohnender ist“, sagte Axl Rose im August desselben Jahres, nachdem er und seine Truppe einen eher mauen Auftritt bei MTV absolviert hatten. Zwei Monate später wurde die Tour abgebrochen – und erst 2006 wieder aufgenommen. Immerhin, im Gegensatz zum ersten Versuch spielten die Gunners bis Sommer 2007 vor ausverkauften Häusern. Aber die Band wirkte angespannt. Die Show war groß, überbordend, wie es sich für so eine Truppe gehört. Aber die Leichtigkeit fehlte. Es saß ihnen etwas im Nacken: Das Album. Es war noch immer nicht fertig. Querschüsse von Manager Merck Mercuriadis kamen dazu – Rose feuerte ihn, ebenso wie zwei Jahre später Irving Azoff und Andy Gould.

„Chinese Democracy“ erschien ohne großen Knall im November 2008. Dann herrschte Stille. Keine Interviews, keine PR, keine Tour. Nichts. Nur das Werk, das ganze 15 Jahre Produktionszeit und Produktionskosten von über 13 Millionen Dollar verschlungen hatte. Und die Presse meinte es wieder nicht gut mit Rose. Es hagelte Verrisse. Nur der Rolling Stone stand zur Band und lobte die Platte (zu Recht) in alle Höhen, konstatierte zum Schluss nüchtern, das Album sei natürlich keine Revolution, sondern „lediglich“ eine wahnsinnig gute Rockplatte. Und fragte bedeutungsvoll, welcher anderen Band denn heutzutage noch etwas so Großes gelingen würde.

Die Stille wurde nur unterbrochen vom Weggang von Gitarrist Robin Finck im Frühjahr 2009. Nachdem Avantgarde-Klampfer Buckethead bereits 2004 ausgestiegen war, schien das wie ein weiterer herber Verlust – bis die Band mit Darren James Ashba den bestmöglichen Neuzugang bekannt gab. Der Songwriter und Bluesgitarrist hatte zusammen mit Nikki Sixx gerade erst mit „The Heroine Diaries Soundtrack“ eine der besten Rockscheiben der letzten Jahre vorgelegt.

Als GN’R im Dezember 09 nach Asien aufbrachen, um in ausverkauften Stadien zu spielen, erwies er sich nicht nur als Rampensau erster Güte, sondern auch als ein Gitarrist, der den Ton der Band ergänzt wie kein anderer vor ihm. Dabei hatte die Tour (wieder einmal) mit Tumult begonnen: Rose hatte am Flughafen von Los Angeles einem Papparazzi mit den Fäusten gezeigt, was er von ihm hielt. Aber dann geschah, das, worauf die Fans gewartet hatten: Die Band, die da spielte, die eine ganz große Rockshow lieferte, war wie ausgewechselt. „Chinese Democracy“ wurde komplett zum Besten gegeben, aufgelockert von den unvermeidlichen Klassikern von „Sweet Child O’Mine“ bis „Paradise City“, und ein sichtlich gut gelaunter Axl Rose ließ sich auf Improvisationen ein, interagierte mit dem Publikum und setzte im Februar noch einen drauf, indem er Überraschungskonzerte in kleinen Clubs in New York spielte.

Der Druck ist weg, die Anspannung. Das Album ist da. Es gibt keine nervenden Fragen mehr, nicht das Wissen, dass man noch mal und noch mal und noch mal ins Studio muss. Mit fast vierstündigen Konzerten und musikalisch auf höchstem Niveau bieten Guns ihrem Publikum derzeit nichts weniger als die bisher besten Shows in der Geschichte der Band.

Ab März geht’s nach Lateinamerika, im Sommer kommen sie nach Europa. Da ist sie endlich, die Chinese Democracy Tour, die den Namen verdient, und die so jetzt erst möglich ist. Was die Zukunft bringt? Ob es ein weiteres Album geben wird? „Das hier ist Guns N’ Roses. Da kann man nie genau sagen, was passieren wird“, kommentiert Gitarrist Ron Thal augenzwinkernd. (gw)


W. Axl Rose (Universal / George Chin)
W. Axl Rose (Universal / George Chin)

Gitarrist Ron Thal (Jarmo Luukonnen, mit Genehmigung von Ron Thal)
Gitarrist Ron Thal (Jarmo Luukonnen, mit Genehmigung von Ron Thal)

Datum: 02.03.2010

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