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Patrick Duffy

Aus Atlantis auf die Couch

Schauspieler Patrick Duffy

Für Paparazzi zu uninteressant, sagt Patrick Duffy von sich selbst. Der einstige "Mann aus Atlantis" und Bobby Ewing aus "Dallas" ist heute 60 Jahre alt, seit 1974 skandalfrei mit der gleichen Frau verheiratet, hat zwei Söhne und zwei Enkelkinder. Er lebt seit zehn Jahren zurückgezogen auf einer Ranch in Oregon und reist nur noch gelegentlich nach Los Angeles, zum Beispiel wenn einer der sporadischen Auftritte des Patriarchen Stephen Logan bei "Reich und Schön" im Drehbuch steht. Die Geschichten des Clans sind nun auch wieder im ZDF-Vormittagsprogramm zu sehen, wenn am Dienstag, 02. März, die neuen Doppelfolgen der Ewigkeits-Soap anlaufen (montags bis freitags, 11.15 Uhr). Im Interview plaudert der bescheidene US-TV-Star über seinen Kumpel Larry Hagman, darüber, was das Verhältnis Promi-Paparazzi mit Sex zu tun hat und über seine neue Karriere im Internet an der Seite einer hässlichen Krabbe.

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teleschau: Mr. Duffy, wie viele Heiratsanträge haben Sie eigentlich zu "Dallas"-Zeiten bekommen?

Patrick Duffy: Ich war beinahe beunruhigt: so gut wie keine! Ich war eben Bobby, der gute Junge und Saubermann. Ich bekam weder Heiratsanträge noch Wochenend-Einladungen oder zweifelhafte Fotos geschickt. Ich dachte schon: Vielleicht mache ich irgendetwas falsch! Aber ich war wohl eher der Schwiegermutter-Typ. Deren Töchter wollten mich allerdings nicht heiraten. Aber tatsächlich gab es selbst zu "Dallas"-Hochzeiten viel weniger Berichterstattung als heutzutage.

teleschau: Wie war das damals?

Duffy: Es gab nur ein paar Magazine und Zeitschriften und keinesfalls so viele Paparazzi wie heute. Das Maß an Fantum, das heute in den Medien kreiert wird, gab es in den frühen 80-ern nicht. Vielleicht war man deshalb einerseits nicht weltweit verrückt nach uns, auf der anderen Seite konnten wir aber ein ziemlich normales Privatleben führen. Wir wurden nur zum Gegenstand des öffentlichen Interesses, wenn wir eine offizielle Veranstaltung besuchten. Die Presse folgte uns nicht nach Hause. Es ist eine andere Welt heute.

teleschau: Haben es die Stars heutzutage schwerer?

Duffy: Ja, aber es gibt auch genug, die das zu ihrem Vorteil nutzen. Mit Promis, Presse und Paparazzi ist das wie mit Sex: Wenn beide Seiten einverstanden sind, ist das in Ordnung. Aber wenn einer Nein sagt, ist es Belästigung, Vergewaltigung.

teleschau: Wie ist Ihr Verhältnis zur Presse?

Duffy: Ich bin nicht mehr so interessant für Paparazzi. Da ist nichts, was die Öffentlichkeit erregen könnte. Ich wäre den Aufwand nicht wert. Ich habe seit 30 Jahren ein gutes Verhältnis zu einigen Pressevertretern in Los Angeles, das sehr von Respekt geprägt ist.

teleschau: Treffen Sie auch noch Larry Hagman, ihren einstigen "Dallas"-Bruder J.R.?

Duffy: Andauernd. Wir telefonieren viel, und immer, wenn ich in Los Angeles bin, treffen wir uns zum Essen. Bis heute bleibt er nach über 30 Jahren mein bester Freund.

teleschau: Sie leben seit zehn Jahren auf einer Ranch in Oregon - Was hat sie dorthin verschlagen?

Duffy: Das Leben hat einen anderen Rhythmus. Ehrlich gesagt, gefällt mir, dass hier nicht viele Menschen leben. Egal, aus welchem Fenster ich schaue: Alles, was ich sehe, sind meine eigenen Bäume. Ich brauche nur 15 Minuten, um in die Stadt zu fahren, anstatt eineinhalb Stunden. Und die Tatsache, dass hier weniger Stress herrscht, erlaubt mir, meine Umgebung noch mehr zu genießen. Wir sind hier einfach glücklicher.

teleschau: Sie und Ihre Frau Carlyn sind seit 1974 verheiratet - haben Sie ein paar Tipps für eine so lange, glückliche Ehe auf Lager?

Duffy: Das Wichtigste ist: Heirate die richtige Person! Ich habe vollstes Verständnis für Leute, die heiraten, weil alles perfekt scheint, und dann geht es doch schief. So ist das Leben. Ich hatte einfach großes Glück, mich in eine Frau zu verlieben, die unendlich geduldig ist. Wie Sie wahrscheinlich wissen, ist sie zehn Jahre älter als ich. Ich glaube, das war wichtig am Anfang. Ich musste erst einmal verstehen, was es bedeutet, eine feste Beziehung zu führen. Die Verantwortung - zwei Jahre nach unserer Hochzeit bekamen wir unseren ersten Sohn. Ich war ein junger Typ und verstand nichts davon - sie war erwachsener. Ich habe aber schnell aufgeholt! Ich wache immer noch jeden Morgen auf und denke: Mein Gott, wir sind immer noch zusammen - was habe ich für ein Glück!

teleschau: Sie spielen derzeit den Patriarchen Stephen Logan in "Reich und Schön". Was mögen Sie an der Serie?

Duffy: Ich habe nicht genug Kompetenz in Sachen Daytime Soap Opera, um den Gehalt der Serie zu beurteilen. Aber erstens liebe ich es zu arbeiten, und zweitens arbeite ich gerne mit Leuten, denen ihre Arbeit Spaß macht und die herzlich miteinander umgehen. Kurz: Wenn es genauso viel Spaß macht, am Set zu sein wie zu Hause. Für mich ist es auch eine Art Wiederbelebung meiner Karriere - weil ich noch einmal ein ganz neues Publikum erreichen kann. Es gibt "Reich und Schön"-Süchtige in allen Altersklassen.

teleschau: Auch im Privatleben sind Sie jetzt so etwas wie ein Patriarch ...

Duffy: Ja, ich bin jetzt Großvater! Es ist wundervoll, am Telefon ein Stimmchen zu hören, das sagt "Hi, Grandpapa" - und dann zu realisieren, dass ich gemeint bin! Meine Enkel sind dreieinhalb und eineinhalb - ein perfektes Alter. Und sie lieben ihren Opa. Ich glaube, weil sie mich nicht sehr oft sehen. So ist es etwas Außergewöhnliches, wenn ich zu Besuch komme. Ich bin ja einerseits 60, andererseits aber auch ungefähr sechs Jahre alt. Ich kann da sehr leicht umschalten und Riesenspaß daran haben, mit Bauklötzen zu spielen.

teleschau: Wie hat der Buddhismus Ihr Familienleben geprägt, den Sie seit Jahrzehnten praktizieren?

Duffy: Das Prinzip von Ursache und Wirkung: Alles, was wir tun, hat Konsequenzen, und die müssen wir akzeptieren. Wir können weder die Umwelt noch andere Leute noch die Natur dafür verantwortlich machen. Es ist alles deine Schuld - oder dein Nutzen - oder deine Verantwortung. Seit ich als junger Mann zu dieser Einsicht kam, beeinflusst sie alles, was ich in meinem Leben tue: die Erziehung meiner Kinder, die Beziehung zu meiner Frau, meine Arbeitseinstellung.

teleschau: Sie erobern gerade noch ein völlig neues Publikum: mit Ihrer Comedy-Webshow "Patrick Duffy and The Crab"! Wie kam es, dass man im Internet sehen kann, wie Sie mit einer überdimensionalen, unfreundlichen Krabbe auf dem Sofa sitzen und diskutieren?

Duffy: Mein jüngster Sohn und seine Frau sind beide im Showbusiness, und sie wissen, wie das heutzutage läuft. Mein anderer Sohn hatte ein Stück produziert, und als die Requisiten zur Verfügung standen, entwickelten sie diese kleinen Sketche. Durch die beiden war ich absolut auf dem Laufenden, was es mit YouTube, Webisodes und all dem auf sich hat. Jetzt genieße ich das: Wir hatten eine halbe Million Zugriffe auf die Krabben-Geschichten! Sämtliche Sparten der Unterhaltungsindustrie interessieren sich dafür. Aber ich bin in dem Fall nur der Schauspieler, der dafür angeheuert wurde. Mein Sohn und meine Schwiegertochter schreiben diese witzigen Dialoge und produzieren die Show. Wir haben keine Ahnung, wohin das führen könnte, aber es ist nicht sehr teuer zu produzieren, es ist ein Familiending, und es macht einfach Spaß.

teleschau: Wer ist die Krabbe?

Duffy: Einer meiner besten Freunde, den ich seit 30 Jahren kenne. Er ist immer unter der Couch und steckt seine Hand durch ein Loch in die Krabbe.

teleschau: Aber es ist nicht etwa Larry Hagman?

Duffy: Nein - der ist einfach zu alt, um unter die Couch zu kriechen!

teleschau: Sie fühlen sich wohl im Web?

Duffy: Ich liebe es! Das Schöne an meinem Beruf ist: Fast alles ist möglich. Als ich "Der Mann aus Atlantis" drehte, dachte jeder, das wäre nun die Rolle, die ich künftig spielen würde: der Superheld in unterschiedlichen Uniformen. Dann kam "Dallas", und es hieß: Soap-Darsteller! Von da kam ich zu "Eine starke Familie", einer Sitcom. Was nun? Dass ich ein Comedy-Duo mit einer Handpuppe abgeben kann, ist für mich wahnsinnig komisch.

Petra Fürst


Genießt das Leben auf der Ranch, seine neue Rolle als Opa und seine lange, glückliche Ehe. Nur gelegentlich reist Patrick Duffy noch nach L.A., zum Beispiel um "Reich und Schön"-Folgen zu drehen.
Genießt das Leben auf der Ranch, seine neue Rolle als Opa und seine lange, glückliche Ehe. Nur gelegentlich reist Patrick Duffy noch nach L.A., zum Beispiel um "Reich und Schön"-Folgen zu drehen. (ZDF / Gilles Toucas)

Patrick Duffy, TV-Serien-Star seit den Siebziger Jahren, kommt mit "Reich und Schön" wieder ins deutsche Fernsehen.
Patrick Duffy, TV-Serien-Star seit den Siebziger Jahren, kommt mit "Reich und Schön" wieder ins deutsche Fernsehen. (ZDF / Gilles Toucas)

Hin und wieder schaut Patrick Duffy (mit Heather Tom) alias Stephen Logan bei "Reich und Schön" im ZDF-Vormittagsprogramm nach dem Rechten.
Hin und wieder schaut Patrick Duffy (mit Heather Tom) alias Stephen Logan bei "Reich und Schön" im ZDF-Vormittagsprogramm nach dem Rechten. (ZDF / Aaron Montgomery / jpistudios.com)

Datum: 27.02.2010

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