Lahme Glamourshow
Die 82. Oscarverleihung sollte größer und glamouröser werden als üblich. Statt fünf wurden zehn Filme nominiert. Die Inszenierung protzte mit Prunk und kitschigem Bombast. Und am Ende steht die Frage: Wofür das alles?
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Hollywood feiert sich selbst. So kann man die alljährliche Verleihung der Academy Awards zusammenfassen, und eigentlich könnte man es gar dabei belassen. Der Preis an sich ist längst bedeutungslos. Ein beliebiges Eliteauswahlinstrument, das darüber entscheidet, welche Neulinge diesmal in die heiligen Hallen der Oberflächlichkeit aufgenommen werden, oder wer nach langer Arbeit vor Ort schlussendlich sein güldenes Männlein erhält. Michael Haneke bekam es in diesem Jahr nicht, und das ist nicht schlimm. Er selbst hat Hollywood nach seinen „Funny Games“-Remake den Rücken gekehrt. Zu groß sei dieses Filmmonstrum, zu schwerfällig, zu langsam, zu teuer. Erfahrung gemacht und abgehakt.
Dass Christoph Waltz die Auszeichnung bekommen würde stand fest. Seine Leistung war zu groß, um sie, nachdem man Tarantinos „Inglourious Basterds“ in mehreren Kategorien nominiert hatte, noch übergehen zu können. Auch, dass Tarantino selbst und ebenso seine Cutterin Sally Menke keinen Preis erhalten würden, war vorhersehbar. Dafür ist Tarantino dann doch zu unkonventionell. Die Auszeichnungen für das Sozialdrama „Precious“ sind die üblichen Quotenoscars. Der Film mag nett sein, aber ohne Zweifel gibt es bessere in dem Genre. Zumindest darüber lässt sich noch streiten.
Steve Martin und Alec Baldwin witzelten sich mehr schlecht als recht mit Schenkelklopfern fürs gut situierte Fernsehprekariat durch den Abend und gaben gefühlte hundert mal irgendwelchen Sternchen Gelegenheit, unter Zuhilfenahme noch platterer Gags ihren Umschlag zu öffnen und spannungsfrei die Geehrten zu verlesen. Das Ganze geriet irgendwann derart zur pathetischen Selbstbeweihräucherung, dass man am liebsten abgeschaltet und die Oscars Oscar sein gelassen hätte. Sogar George Clooney blickte den ganzen Abend über ziemlich genervt aus der Wäsche.
Bis auf die Beste Hauptdarstellerin (Goldene-Himbeere-Preisträgerin Sandra Bullock) und den Besten Hauptdarsteller (Jeff „The Dude“ Bridges) gewährte man den Preisträgern jeweils nur minimalste Redezeit – vielleicht war das sogar gut, so blieb einem einiges an zusätzlicher Gefühlsduselei samt „danke Mama, danke Papa, danke Oma“ erspart. Andererseits bekam die furchtbar träge und langweilige Show dadurch ironischerweise noch etwas Gehetztes. Als wolle die Academy all das so schnell wie möglich hinter sich haben.
Und dann doch noch ein Lichtblick: Camerons 3D-Schinken „Avatar“ wurde nicht zum großen Abräumer, sondern bekam allein den verdienten Preis für Visuelle Effekte. Von allen denkbaren Alternativen wurde dann aber leider die schlechteste mit Preisen überhäuft: Kathryn Bigelows populistisch-plattes Patriotenmachwerk „The Hurt Locker“. Inklusive Beste Regie und Bester Film. Das war unfreiwillig komisch, denn selbst wenn man beiseite lässt, dass dieser Film einen Angriffskrieg rechtfertigt und an Einseitigkeit kaum zu überbieten ist, muss man zu dem Schluss kommen, dass weder Drehbuch noch Regie sonderlich herausragend sind. Aber Hauptsache, man hat mal eine Frau geehrt und sich mit den uramerikanischen uniformierten Rambos solidarisiert.
Mit dem Oscar werden zunehmend Filme markiert, die man sich ohne Reue sparen kann. Wenigstens das ist es noch, das güldene Männeken: Ein Antiqualitätssiegel. (gw)
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Oscar - belanglose Auszeichnung |
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