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Das neue Zahlsystem Flattr

Das neue Zahlsystem Flattr

Der Streit schwelt seit geraumer Zeit: Verlage wollen sich nicht vom althergebrachten Anzeigengeschäft und etablierten Strukturen trennen und kämpfen daher verbissen gegen alles Neue. Alles Neue kommt aus dem Web 2.0 und schürt die Angst vor Marktmachtverlust, daher feuert der Mainstream aus allen Rohren gegen Google und Co und die vermeintliche Abschaffung des Urheberrechts im digitalen Zeitalter.

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Dabei gibt es doch so gute Ideen – wie den neuen Micropaymentdienst flattr.com. Tatsache ist, dass immer mehr Menschen mehr oder minder wertigen Content aller Art ins Netz stellen. Wie der Rockmusiker Axl Rose vor Jahren sagte: „Das Internet ist ein riesiger Mülleimer.“ Inzwischen twittert er selbst. Das Problem ist, dass viele mit ihren Inhalten keine nennenswerten Leserzahlen erreichen bzw. keine ausreichenden SEO-Kenntnisse haben, um mit Anzeigen nennenswerte Beträge zu erwirtschaften – während einige große Player konstant absahnen und sich hermetisch gegen die Konkurrenz abzuschotten versuchen. Versuche, etwa im Nachrichtenbereich Bezahlcontent einzuführen, scheiterten kläglich. Aber nur weil die großen Medienhäuser mehrheitlich die Innovationen des Mitmachnetzes verschlafen haben und sich nun in Protektionismus üben, müssen Neuerungen nicht gleich scheitern.

Flattr ist so ein System, das alles umkrempeln könnte – theoretisch. Und es funktioniert so: Jeder Surfer überweist einen monatlichen Festbetrag, dessen Höhe er selbst bestimmen kann, auf sein Flattr-Konto. Jeder, der Content im Netz publiziert, baut auf den entsprechenden Seiten einen Flattr-Button ein. Gefällt einem User, was er sieht, klickt er diesen Button, und der Urheber bekommt Geld. Dabei werden die individuellen Summen gerecht verteilt. Am Monatsende werden die Flattr-Klicks gezählt, und der Kontobetrag wird durch die Anzahl der Klicks geteilt. Ein Rechenbeispiel:

User A hat 10 Euro auf seinem Flattr-Konto und klickt 10 Buttons. Folglich erhält jeder Urheber je einen Euro. Beispiel 2: User B hat 20 Euro auf seinem Konto und klickt 10 Buttons. Folglich erhält jeder Urheber 2 Euro.

Die etablierten Medien sind freilich deshalb dagegen, weil das System Chancengleichheit bedeuten würde. Und möglicherweise würde der kleine Qualitätsblog am Ende mehr Geld einsacken, als das unkritische große Nachrichtenmagazin. Aber freilich könnte es auch ganz anders aussehen, und billige Massenware würde belohnt, während hohe Qualität abgestraft würde. Das ist schwer zu sagen.

Der wesentliche Haken an der Sache: Die User müssten bereit sein, Geld zu investieren, um Qualität zu belohnen. Wenn das nur einige wenige tun, lohnt es sich nicht. Wenn es jeder tut, können 10 Euro pro Person und Monat schon gewaltige Auswirkungen haben.

Flattr befindet sich derzeit im Betatest. Interessant ist es allemal. (gw)

Datum: 12.03.2010

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