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Rufus Wainwright: All Days Are Night

Rufus Wainwright: All Days Are Night

Der kanadische Singer-Songwriter Rufus Wainwright bringt im April sein sechstes Studio-Album auf den Markt. Die dazugehörige Europa-Tour führt ihn unter anderem nach Berlin, Hamburg, Köln und München.

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Als Rufus Wainwright 1998 sein erstes selbstbetiteltes Album veröffentlichte, wählte der amerikanische „Rolling Stone“ das Werk, das Rufus’ Liebe zu Verdi und zu den „Liedern“ von Franz Schubert widerspiegelt, zu einem der besten Alben des Jahres. Der Begriff Barock-Pop wurde erfunden, und Rufus Wainwright damit eine in der Popwelt einzigartige Musikrichtung attestiert. Auch das zweite Album „Poses“ begeisterte 2001 die internationalen Kritiker, der große kommerzielle Erfolg blieb ihm bis dahin aber verwehrt.

Nach den epischen „Want One“ und „Want Two“-Alben, die sein großes Talent als Komponist durch den raffinierten Einsatz von Geigen, Hörnern und Pauken einmal mehr bestätigten, und auf denen deutliche politische Anspielungen gegen den Irakkrieg oder die Homophobie der US-Republikaner zu hören sind, verkündete Elton John schließlich, Rufus Wainwright sei der größte Songwriter des Planeten. Die illustre Fangemeinde, zu der auch Stars wie der Schauspieler Jake Gyllenhall, der Regisseur Sam Mendes oder der Schriftsteller und Schauspieler Stephen Fry gehören, sah das ebenso, und folgte dem musikalischen Tausendsassa treu auf seinen Ausflügen ins Operngeschäft, in die Welt des Swing, als er sein Judy Garland-Tribute-Konzert sang, und nach Hollywood, wo er Songs zu den Soundtracks von „Aviator“, „Brokeback Mountain“ und „Bridget Jones“ beisteuerte.

Ein breiteres Publikum erreichte Rufus aber erst 2007 mit „Release the Stars“. Das in Berlin aufgenommene und von Neil Tennant produzierte Album schaffte es in England auf Platz 2 der Charts und in den USA auf Platz 23 der Billboard-Charts. Neben klassischen Balladen wie „Going to a town“, in der Rufus seine anhaltende Frustration über seine Wahlheimat USA mit Versen wie „I’m so tired of you, America“ zum Ausdruck bringt, oder dem wunderbar schlichten „Tiergarten“, einem Song, der sich wie ein Spaziergang durch Berlin anfühlt, gibt es auch hier wieder fulminante Orchester-Nummern. Rufus hatte zwar angekündigt, dass er auf den Einsatz von Streichern und Bläsern verzichten wolle, die Lust am komplexen Arrangement hatte sich bei dem seit seinem 14. Lebensjahr offen homosexuell lebenden Musiker dann aber doch wieder durchgesetzt.

Der neue Longplayer „All Days Are Night: Songs for Lulu“, der am 30. April erscheint, ist das erste Werk, auf dem neben einer ausdrucksstarken Stimme tatsächlich nur das Klavier zu hören ist - ein Instrument, mit dem Rufus nach eigenen Angaben verheiratet ist, während er mit der Gitarre bloß eine Affäre pflegt. Die im Vergleich zu seinen anderen Alben instrumentale Schlichtheit soll zum Ausdruck bringen, dass es wohl das persönlichstes Album dieses großartigen Songwriters geworden ist. Die Krankheit seiner im Januar verstorbenen Mutter, der Folk-Ikone Kate McGarrigle, die Vertonung der Shakespeare-Sonnette, die im vergangenen April unter der Regie von Robert Wilson am Berliner Ensemble uraufgeführt wurden, und nicht zuletzt die Arbeit an seiner ersten Oper, die im Juli 2009 in Manchester ihre Premiere fand, spiegeln sich in den 13 Songs wieder. Unter den Tracks befinden sich daher auch die Hauptarie aus der besagten Oper „Prima Donna“, sowie „Sonett 10“, „Sonett 20“ und „Sonett 43“, denen Rufus musikalisches Leben einhauchte. Der Titel „All Days Are Night“ selbst ist einem der Shakespeare-Sonette entnommen, während sich der Lulu-Teil auf den von Louise Brooks verkörperten Charakter in dem 1929 erschienen deutschen Stummfilm „Pandora’s Box“ bezieht. Rufus selbst sagte dazu, dass er das Album der „dunklen Lady“ widmet, die in jedem von uns schlummert. Songs wie „Who are you New York“ oder „Zebulon“, die er bereits im vergangen Jahr auf einigen Konzerten zum Besten gab, berühren daher vor allem durch ihr melancholisch-düsteres Wechselbad der Gefühle.

Rufus Wainwright ist mit einer Solo Piano Show am 17.05.2010 in München in der Muffathalle, am 19.05.2010 in Berlin auf der Volksbühne, am 31.05.2010 im Hamburger Kampnagel und am 02.06.2010 in Köln am Tanzbrunnen zu sehen. (gw)

Katja Kutsch


Rufus Wainwright: All Days Are Night - Songs for Lulu Albumcover (Universal)
Rufus Wainwright: All Days Are Night - Songs for Lulu Albumcover (Universal)

Rufus Wainwright (Bild: kk)
Rufus Wainwright (Bild: kk)

Datum: 21.03.2010

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