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Jennifer Rush - Now Is The Hour

Jennifer Rush Now Is The Hour

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Es gibt Künstler, die nie richtig den Sprung aus den 80-ern geschafft haben. Nicht in die 90-er und erst recht nicht in die Nuller-Jahre. Dennoch lässt es sich Jennifer Rush nicht nehmen, es jetzt mit Beginn des neuen Jahrzehnts erneut mit einem Album namens "Now Is The Hour" zu versuchen.

Die New Yorkerin Jennifer Rush heißt eigentlich Heidi Stern und war damals vornehmlich in Deutschland beziehungsweise Europa berühmt. Ihre Mörderschnulze "The Power Of Love" 1984 machte sie über Nacht berühmt, sie legte damit einige (Verkaufs-)Rekorde hin und der Hit bescherte ihr, der Co-Autorin, ein halbwegs sorgenfreies Dasein. Ihr leicht exaltiertes Vibrato und ihre knödelige Dramaqueen-Stimme lagen damals voll im Trend, ihre Lieder spielte man gerne im Radio, eingebettet zwischen Sandra-Songs und Ultravox' "Dancing With Tears In My Eyes".

Die ganzen 80er-Jahre hindurch dauerte die Glückssträhne von Jennifer, ab 1990 tummelte sie sich eher auf den hinteren Plätzen der Charts, und das nur noch in Deutschland, Österreich und der Schweiz. 1993 bekam sie ihre Tochter, vielleicht in Erinnerung an die hübschen deutschen Drogeriemärkte "Ariel" taufte, ab 1997 wurde es still um die Künstlerin - live jedoch füllte sie immer noch imposante Hallen. Nach gut über zehn Jahren Pause verkündet sie nun also "Now Is The Hour" - klingt dem Titel nach programmatisch und modern, ist aber trotzdem ewig gestrig.

Denn natürlich findet der Jennifer-Rush-Freund wieder große, tränendrüsige, dramatische, tragische, rührende und herzbewegende Balladen wie "Windows", die glatt das Zeug zum Titelsong einer "Titanic"-Fortsetzung hätten. Nicht so prickelnd war allerdings Rushs Entschluss, ab und zu mal ein wenig "flott" zu klingen. Discofoxballaden wie "Down On My Knees", "Just This Way", "Like I Would For You" oder "Echoes Love" hätten glatt Modern Talking zur Ehre gereicht. Klapperige und überkommene Synthie-Sounds und die dick überzuckerten Overdubs machen das Ganze auch nicht schöner. Die quäkeligen Piep-Robot-Sounds vor "Eyes Of A Woman" schwappen dazu stark Richtung unfreiwillige Komik. So klangen die Achtziger - in ihren schlechtesten Zeiten wohlgemerkt.

Aber eigentlich ist Rushs Fach die Ballade. Auch das muss man natürlich mögen, ebenso wie ihr dramatisches Stimmgewackel. Wenn beides zutrifft, ist man bei "Head Above Water", "Now Is The Hour", "I'm Not Dreaming Anymore" oder "Before The Dawn" aber an der richtigen Adresse.

Kati Hofacker


Datum: 15.03.2010

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