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Slash: Neues Allstar-Album

Slash: Neues Allstar-Album

Slash wurde vom amerikanischen Rolling Stone in die Liste der besten Gitarristen aller Zeiten gewählt. Nun meldet er sich der ex-Guns N’ Roses und Velvet Revolver-Klampfer mit seinem ersten Soloalbum zurück – das eigentlich ein Allstar-Album ist.

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Zylinder auf dem Kopf, eine Kippe lugt zwischen den schwarzen Locken hervor, die Finger greifen in die Saiten einer Gibson Les Paul Sunburst: So kennt man Slash, der eigentlich Saul Hudson heißt, und sich als Gründungsmitglied von Guns N’ Roses in den Rockolymp gespielt hat. Sein Vater hat Plattencover designt, seine Mutter hatte eine Affäre mit David Bowie, die erste Gitarre schenkte ihm im zarten Alter von fünf Jahren seine Tante – bei so einer Jugend kann eigentlich nicht viel schief gehen.

Es folgten 100 Millionen verkaufte Longplayer, Alkohol- und Drogenexzesse, ein achtminütiger Herzstillstand und alles, was sonst noch dazu gehört. Mit Mitte vierzig konnte Slash bereits genug erzählen, um seine Autobiographie zu schreiben. Er hatte in so ziemlich jedem Stadion der Welt gespielt und war zum Vorbild von geschätzten zehn Millionen Nachwuchsgitarristen geworden.

1996 stieg er im Streit mit Axl Rose bei Guns N’ Roses aus, gründete Slash’s Snakepit, nahm zwei richtig gute Alben auf, gründete Velvet Revolver, nahm zwei richtig schlechte Alben auf, und ging dann auf Solopfade. Natürlich sind die Erwartungen hoch. Der Velvet Revolver-Flop ist in so einer Karriere verzeihbar, und wenn man die Solowerke anderer Ex-Gunner betrachtet kann das Niveau eigentlich nur hoch sein. Izzy Stradlin (der einen Song mitgeschrieben hat) veröffentlicht jährlich neues Material: entspannter, erdiger Rock auf hohem Niveau, mit Country- und Southern-Elementen. Duff McKagan hat mit „Sick“ im vergangenen Jahr ein Album vorgelegt, das man ihm gar nicht zugetraut hätte: Wahnsinnig guter und eingängiger Sleaze, mindestens auf dem Niveau der L.A. Guns. Und Gilby Clarke ist ohnehin über jede Kritik erhaben.

Wenn man diese Einzelelemente kennt, dann weiß man, warum „Appetite For Destruction“ und „Use Your Illusion“ so überragend sind.

Slashs Album ist aber im Grunde kein Solowerk. Es ist eher vergleichbar mit Santanas „Supernatural“ oder Bucketheads „Enter The Chicken“: Ein Gitarrist sucht sich hochkarätige Gastmusiker, mit denen er ins Studio geht und Songs schreibt. Während aber Santana die Stücke genau auf die jeweiligen Vokalisten zugeschnitten und Buckethead grundsätzlich mit ihnen gemeinsam geschrieben hat, hat Slash eine andere Variante gewählt. Er wollte wieder die Kontrolle haben, hat er in einem Interview geäußert, und daher hat er die Songs geschrieben und dann seinen Mitstreitern vorgelegt. Das Problem daran: Slash ist kein Songwriter.

Bei GN’R kamen die meisterhaften Kompositionen von Axl Rose und Izzy Stradlin, und Slash hat das beigesteuert, was er wirklich drauf hat: Soli und Riffs. Vielleicht ist das einer der Gründe, warum Rose beim aktuellen GN’R-Lineup darauf geachtet hat, dass mit Musikern wie Chris Pitman, DJ Ashba und Tommy Stinson nicht nur Saitenhexer, sondern auch versierte Musiker mit dabei sind, die ein Jahrhundertalbum wie „Chinese Democracy“ erst ermöglicht haben.

Das ist Slashs zweites Problem: Er steht nicht nur im Schatten seiner eigenen vergangenen Heldentaten, sondern auch im Schatten von Guns N’ Roses, und an diesem Maßstab muss er sich messen lassen.

Und obwohl Slash auf dieser Platte großartiger Musiker wie Iggy Pop, Lemmy Kilmister, Ozzy Osbourne, Chris Cornell, Kid Rock und Josh Freese versammelt, macht er doch einen großen Fehler: Er wählt vor allem unter Marketinggesichtspunkten aus. Anders ist es nicht zu erklären, dass die Scheibe mit Adam Levine Rocco DeLuca und M. Shadows auch absolute Tiefpunkte bietet, die nicht hätten sein müssen, aber auf der Höhe von gut verkäuflichem, radiotauglichem „Rock“ liegen, mit Namen, die halt gerade angesagt sind.

Songs wie „Doctor Alibi“ mit Motörhead-Lemmy oder „Promise“ mit Chris Cornell sind durchaus hörbar und machen nach einigen Durchläufen sogar Spaß, aber trotzdem zünden sie nicht wirklich. Auch Kid Rock reißt es nicht raus, und „We’re all gonna die“ mit Iggy Pop ist ein einsames Highlight. Überraschend gut ist „Beautiful Dangerous“ mit Black Eyed Peas-Frontfrau Fergie, die beweist, dass sie eine richtige Rockröhre ist. Das an „Paradise City“ erinnernde Riff hilft ihr dabei, ist aber ebenfalls Teil des Dilemmas. Man erkennt „Paradise City“, „My Michelle“, „Mr. Brownstone“ und zahlreiche weitere – wie schon auf den missglückten VR-Alben ist Slash vor allem da gut, wo er altes Material recycled. Er schafft es aber nicht, wenigstens diese wirklich guten, treibenden Riffs und Soli (die stellenweise zu ideenlos anmuten) in funktionierende Songstrukturen einzubetten, mit dem Ergebnis, dass viele Songs, die vielversprechend beginnen, etwa ab der Mitte einfach langweilig werden, was nicht sonderlich zu wiederholtem Hören anregt.

Keine Frage, es ist insgesamt noch ein gutes Album, man kann es hören, aber Audioslave und Kid Rock solo, Motörhead und erst recht Guns N’ Roses haben mehr zu bieten. Recht gut ist eben nicht gut genug für einen wie Slash. Da hätte man mehr erwartet. Warum mit „Die By The Sword“ (mit Andrew Stockdale von Wolfmother) ausgerechnet der schwächste Song der vierzehn zur ersten Single erkoren wurde, weiß vermutlich auch nur Slash selbst.

Das Album „Slash“ erscheint am 9. April via Roadrunner Records. (gw)

Gerrit Wustmann


Slash - Soloalbum mit Allstars (Roadrunner Records)
Slash - Soloalbum mit Allstars (Roadrunner Records)

Datum: 31.03.2010

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