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American Beauty(tsch) Steven Spielberg bewies ebenso viel Mut wie Weitsicht, als er dem jungen Engländer Sam Mendes das Drehbuch zu "American Beauty" anvertraute. Namhafte Regisseure wie Robert Zemeckis ("Forrest Gump") oder Mike Nichols ("Mit aller Macht") hatten sich bei Spielbergs Produktionsfirma DreamWorks vergeblich darum bemüht, Alan Balls Vorlage verfilmen zu dürfen. Doch den Zuschlag erhielt ein Nobody, der zuvor noch nie bei einem Film Regie geführt hatte. Mendes erwies sich als absoluter Volltreffer. "American Beauty" spielte allein in den USA mehr als 130 Millionen Dollar ein und wurde mit insgesamt fünf Oscars (unter anderem als bester Film) ausgezeichnet. ProSieben wiederholt den Überraschungs-Coup des Jahres 1999. Anzeige Ein ganz und gar unbeschriebenes Blatt war Mendes dann aber doch nicht. Immerhin hatte er sich bereits in der Londoner Theater-Szene einen Ruf wie Donnerhall erworben. Selbst gestandene Hollywood-Stars wie Nicole Kidman ließen sich von dem Briten dazu verlocken, den Film-Set mit der Bühne zu vertauschen. Nicht erst seit der Broadway-Inszenierung eines Stückes von Arthur Schnitzler, in der die schöne Australierin einige Minuten lang nackt zu sehen war, gilt Nicole Kidman als eine von Mendes' eifrigsten Fürsprecherinnen. Um Nacktheit geht es in einem gewissen Sinn auch im Hollywood-Debüt des britischen Newcomers, dessen Mafia-Drama "Road to Perdition" (2002) den hoch gesteckten Erwartungen nicht ganz gerecht wurde. Schon die ersten Filmminuten decouvrieren die Ehe von Carolyn (Annette Bening) und Lester Burnham (Kevin Spacey) als bloße Fassade, hinter der sich Gleichgültigkeit, wenn nicht gegenseitiger Hass verbergen. "American Beauty": Der Titel verweist bereits auf das eigentliche Thema des Films. Für alle Protagonisten ist die Suche nach der Schönheit des Lebens der maßgebliche Antrieb. Doch Schönheit hat in "American Beauty" viele Facetten. Für die sexuell frustrierte Carolyn besteht sie darin, sich mit Hilfe von Rosensträuchern und Designer-Sofas eine sterile Vorstadt-Idylle zurechtzuzimmern, die ihre bröckelnde Ehe verdecken soll. Lester - der ewige Versager, vor dem nicht einmal mehr seine pubertierende Tochter Jane (Thora Birch) Respekt hat - flüchtet sich vor der Verantwortung in die Liebe zur minderjährigen Angela (Mena Suvari), einer blonden Lolita, die nichts so sehr hasst wie Gewöhnlichkeit. Sam Mendes scheut sich ganz bewusst nicht davor, seine Figuren gnadenlos zu überzeichnen - wenn es sein muss, bis hin zur Klischeehaftigkeit. Neben dem frühreifen Früchtchen und der aufsässigen Teenie-Tochter gibt es auch noch den erzreaktionären Ex-Marine Frank Fitts (Chris Cooper) und seinen Sohn Ricky (Wes Bentley), eine Art Vorstadt-James-Dean, der seine Umwelt mit der Digitalkamera einzufangen versucht. Sie alle wandeln bei Mendes auf dem schmalen Grat zwischen Komik und Tragik. Die Übergänge zwischen beiden Komponenten sind fließend. Lesters Verwandlung vom namenlosen Angestellten zum kiffenden, Pink-Floyd-hörenden Revoluzzer ist nur auf den ersten Blick lächerlich. Ebenso seine Liebe zu Angela, der Schulfreundin seiner Tochter. Das Lachen bleibt dem Zuschauer immer dann im Hals stecken, wenn der Regisseur die amerikanischen Mythen gnadenlos seziert, um den dahinter verborgenen Alltags-Horror freizulegen. Tobias Köberlein |
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