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Kaltes Land

Kaltes Land

(tsch) Kinder, Küche und Kirche - im Norden des US-Staates Minnesota gibt es keine Zweifel, wenn es um die Lebensbereiche der Frau geht. Und ins Eisenbergwerk - da sind sich alle einig - gehört sie ganz sicher nicht. Doch nur die Arbeit in der Grube bietet in dieser kargen Region ein Einkommen, mit dem sich eine Familie finanzieren lässt. Josey Aimes (Charlize Theron), allein erziehende Mutter zweier Kinder, will es versuchen, denn auch Frauen dürfen per Gesetz im Bergbau arbeiten. Doch der Filmtitel "Kaltes Land" bezieht sich nicht nur auf die Beschaffenheit der Region, sondern auch auf den Charakter der meisten Bewohner.

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Von der Arbeit in einer rußgeschwängerten Umgebung hat Josey nur eine vage Vorstellung. Ihr Vater Hank (Richard Jenkins) verdient seit vielen Jahren dort sein Geld und gibt ihr deutlich zu verstehen, dass er nichts von Frauen in der Grube und schon gar nichts von seiner eigenen Tochter als Minenarbeiterin hält. Auch Josyes alte Freundin Glory (Frances McDormand, wie auch Charlize Theron erhielt sie für ihre Rolle eine Oscar-Nominierung), die bereits im Bergbau arbeitet, spricht Klartext mit ihr: Die Arbeit ist knochenhart und das Betriebsklima, wenn man kein Mann ist, problematisch. Doch Josey will nach gescheiterten Beziehungen endlich ihr Leben selbst in die Hand nehmen und ihre Kinder versorgen.

Mit aufrichtigem Interesse und einem guten Gespür für die versteckte Schönheit der rauen Umgebung nähert sich die neuseeländische Regisseurin Niki Caro der Bergarbeiterwelt. Die Erzmine bietet den Männern einen Freiraum, in dem sie ihre eigenen Regeln aufgestellt haben. Hier reden und handeln sie anders als draußen in der Gesellschaft. Bis zur Erschöpfung zusammen zu schuften, das schweißt eng zusammen. Frauen empfinden sie als Eindringlinge, die Männern den Job wegnehmen und somit sexistische Bemerkungen und üble Streiche aushalten müssen. Dazu gehören Dinge wie eine Kollegin im Dixie-Klo durch die Gegend zu rollen, bis sie mit Fäkalien verschmiert herauspurzelt.

Glorys Rat, die Beleidigungen zu ignorieren und die Übergriffe wortlos zu verdauen, kann Josey nicht befolgen. Zumal ihr ein ehemaliger Mitschüler, Bobby (Jeremy Renner), ganz eindeutig auf die Pelle rückt und das Gerücht verbreitet, sie würde ihn anmachen. Josey beschwert sich und bringt die Situation zur Eskalation. Mit Hilfe eines Anwalts aus New York (Woody Harrelson) reicht sie eine noch nie da gewesene Sammelklage wegen sexueller Belästigung ein. Aber ihre Leidensgenossinnen erinnern sich plötzlich nicht mehr an die Vorfälle und alle, einschließlich ihrer Familie und Kinder, scheinen sich plötzlich gegen sie zu wenden. Doch da erhält Josey unerwartet eine große Hilfe.

In Niki Caros Erfolgsfilm "Whale Rider" behauptet sich ein Maori-Mädchen in der patriarchalischen Kultur seines Volkes. In ihrem hochkarätig besetzten Hollywood-Debüt - unter anderem gibt es ein Wiedersehen mit Sissy Spacek als Joseys Mutter - thematisiert die Regisseurin nun den Geschlechterkampf in der archaischen Bergarbeiterwelt. Ihr Film mit dem Musterprozess zur sexuellen Belästigung am Arbeitsplatz beruht auf einer wahren Begebenheit in den 70er-Jahren und zeichnet sich durch komplexe weibliche und männliche Figuren aus. Die jeweilige Situation beeinflusst ihre Reaktion, die mal mutiger, mal feiger und auch opportunistisch ausfällt. Einzig Joseys Rehabilitierung als "gutes" Mädchen stößt sauer auf.

Im Laufe des Prozesses kommen auch persönliche Fakten zur Sprache, denn hübsche Frauen provozieren natürlich die "armen" Männer ständig. Der Staatsanwalt will ihre Vergangenheit als leichtes Mädchen aufzeigen. Dabei stellt sich heraus, dass Joseys erstes Kind nicht etwa zur Welt kam, weil sie ein besonders sexuell neugieriger Teennager war, sondern aufgrund einer verheimlichten Vergewaltigung. Durch diesen Drehbuchkniff gehören ihr die Sympathien, und das Happy-End wird beschleunigt. Trotzdem ist "Kaltes Land" ein kluger und emotional ansprechender Film über Frauen, die in Männerwelten eindringen. Der Bergbau ist dabei mit anderen Domänen austauschbar.

Diemuth Schmidt

Credits:
V:Warner, USA 2005, R: Niki Caro, D: Charlize Theron, Thomas Curtis, Elle Peterson u.a.

Laufzeit: 126 Min.


Die allein erziehende Mutter Josey Aimes (Charlize Theron) findet Arbeit in einem Eisenbergwerk.
Die allein erziehende Mutter Josey Aimes (Charlize Theron) findet Arbeit in einem Eisenbergwerk. (2005 Warner Bros. Ent.)

Josey (Charlize Theron, rechts) und ihre Freundin Glory (Frances McDormand) werden von ihren männlichen Arbeitskollegen diskriminierend behandelt.
Josey (Charlize Theron, rechts) und ihre Freundin Glory (Frances McDormand) werden von ihren männlichen Arbeitskollegen diskriminierend behandelt. (2005 Warner Bros. Ent.)

Josey (Charlize Theron) und ihr Anwalt Bill White (Woody Harrelson) reichen eine Sammelklage ein.
Josey (Charlize Theron) und ihr Anwalt Bill White (Woody Harrelson) reichen eine Sammelklage ein. (2005 Warner Bros. Ent.)

Datum: 05.02.2006

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Diskussion: "Kaltes Land"

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