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Charlize Theron

Keine Garantien

Schauspielerin Charlize Theron

(tsch) Diese Frau liebt die Extreme: Sie spielte eine mordende Prostituierte, eine Femme Fatal im Zweiten Weltkrieg. Sie spielte in Thrillern, Romanzen, Komödien und Actionkrachern. Charlize Theron hat mit ihren 30 Jahren mehr Erfahrung als so mancher Schauspielkollege im doppelten Alter. Ihre Vielseitigkeit lässt sich erneut erleben, gleich zweimal: Mit dem Science-Fiction-Actioner "Aeon Flux" (Start: 16.02.) und dem Drama "Kaltes Land" (Start: 09.02.) über eine Minenarbeiterin, die sexuell belästigt wird und dagegen vor Gericht zieht, regiert die schöne Südafrikanerin in den nächsten Wochen die deutschen Kinos. Im Interview spricht die Oscarpreisträgerin über Integrität, Kontrolle und und niedrige Temperaturen.

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teleschau: Bei der Verleihung der "Goldenen Kamera" überraschten Sie das Publikum mit einigen Worten auf Deutsch. Woher kommen Ihre Sprachkenntnisse?

Charlize Theron: Das brachte mir ein guter Freund bei. Aber ich verstehe generell recht gut Deutsch, weil die Sprache sehr dem Afrikaans ähnelt, das ich seit meiner Kindheit spreche. Meine Eltern wuchsen in einer deutschen Kolonie in Südafrika auf. Das ist schon 30 Jahre her, aber dadurch kenne ich das ein oder andere Wort.

teleschau: Wie sind Sie mit all der Kälte und der rauen Landschaft während des Drehs von "Kaltes Land" umgegangen? Schließlich kommen sie aus Südafrika und wohnen in Los Angeles.

Charlize Theron: Es war furchtbar. Aber das durfte ich mir ja nicht anmerken lassen. Wir arbeiteten in einem kleinen Ort, in dem die Leute ein hartes Leben führen. Aber glücklicherweise fühlte sich Niki Caro, unsere Regisseurin, genauso wie ich. Sie kommt aus Neuseeland, und Woody Harrelson lebt auf Hawaii - wir alle waren also ein Haufen Memmen, als wir in Minnesota landeten. Dafür half mir die Kälte dabei, den dortigen Dialekt zu lernen.

teleschau: Wieso das?

Charlize Theron: Als ich mich in Los Angeles vorbereitete, bekam ich diese kurzen Vokale einfach nicht authentisch aus meiner Kehle. Aber durch die niedrigen Temperaturen vor Ort kam das dann wie von selbst.

teleschau: In den nächsten Wochen sind Sie in Deutschland kurz hintereinander in einem Actionfilm und einem Drama zu sehen. Ist es karriereförderlich, auf so vielen Hochzeiten zu tanzen?

Charlize Theron: Ich weiß nicht, ob ich das als kluge Karrieresprünge bezeichnen würde. Ich habe keinen Masterplan für meinen Job. Ich arbeite aus dem Bauch heraus und treffe meine Entscheidungen vollkommen nach dem, was mir gerade gefällt. Seit ich Schauspielerin bin, habe ich vor allem eines gelernt: Es gibt keine Garantie, wie sich ein Film an den Kinokassen schlagen wird, ob es ein Erfolg oder ein Flop wird. Niemand kann das vorhersagen. Daher halte ich es nur für sinnvoll, Spaß an der Arbeit zu haben. Denn nur darüber habe ich wirklich Kontrolle. Aber meine Genresprünge hängen sicherlich damit zusammen, dass ich mich einfach nicht gerne wiederhole.

teleschau: Was hier gelingt. Die beiden Filme haben ja rein gar nichts miteinander zu tun ...

Charlize Theron: Zuerst drehte ich "Aeon Flux", gleich danach ging es mit "Kaltes Land" weiter. So war es damals auch bei "Monster": Nach den Dreharbeiten stürzte ich mich gleich in ein Weltkriegsdrama ("Head in the Clouds"). Solche schnellen Wechsel reizen mich schon - und diese Extreme erleichtern mir auch die Arbeit: Ich kann mich schneller auf Neues konzentrieren.

teleschau: Inwiefern vertrauen Sie bei Ihrer Rollenauswahl auf die Meinung anderer?

Charlize Theron: Meine Entscheidungen treffe ich natürlich für mich selbst, weil ich ja auch am Ende damit leben muss, wenn das nach hinten losgeht. Ich kann und möchte niemanden dafür verantwortlich machen. Aber ich hole mir natürlich Ratschläge. Meine Agentin J. J. Harris und ich arbeiten schon seit zwölf Jahren zusammen. Sie begleitete mich von Anfang an. So gibt es einige wenige Leute in meinem engsten Umfeld, denen ich wirklich vertraue. Aber am Ende des Tages bin ich es, die die Verantwortung übernehmen muss.

teleschau: Wie viel Ihrer Rollen steckt in Ihnen selbst?

Charlize Theron: Wenn ich arbeite, wird meine Persönlichkeit vollkommen nebensächlich. Charlize ist niemals dabei, wenn ich eine Rolle spiele. Schauspieler sind bloß Vehikel für einen Regisseur, der eine Geschichte erzählen möchte. Der Filmcharakter zählt, nicht ich. Die Ähnlichkeit zwischen mir und meiner Rolle beschränken sich stets darauf, dass wir beide menschliche Wesen sind. Unsere Lebensumstände unterscheiden sich enorm: Ich arbeite in keiner Mine und bin auch keine Mutter. Das war bei "Kaltes Land" die größte Herausforderung für mich: herauszufinden, wie es ist, eine allein erziehende Mutter zu sein.

teleschau: Haben Sie die wahre Josey Aims getroffen, jene Minenarbeiterin, die sich gegen die sexuelle Belästigung mit einer Klage wehrte?

Theron: Ja, wir setzten uns mit vielen Frauen, die damals betroffen waren, zusammen. Sie mussten viel durchmachen. Das Ganze hat sich ja über eine halbe Ewigkeit hingezogen. Der Prozess endete erst 1998, sodass das Erlebte noch relativ frisch ist in ihren Köpfen. Ich bin immer noch beeindruckt von der Mentalität dieser Frauen: Sie leben in solch schwierigen Umständen und gehen so pragmatisch durch diese raue Welt. Sie halten sich nicht mit Selbstmitleid auf, sondern sind stark und überleben.

teleschau: Ging es Ihnen persönlich nahe, sich in die Frauen hineinzuversetzen?

Charlize Theron: Obwohl ich als Schauspielerin nur ein Vehikel bin, lässt mich natürlich das, was ich spiele, nicht kalt. Natürlich war es für mich schmerzvoll, mir die Geschichten der Frauen anzuhören, weil ich sah, was das Erlebte mit ihnen gemacht hat. Bei allen Dreharbeiten gibt es harte und unbeschwerte Tage. Aber bei "Kaltes Land" waren selbst die harten nicht schlimm, sondern erfüllend, weil ich mir sicher war, dass ich die Nöte einer Frau auf wahrhaftige Weise dargestellt habe.

teleschau: Dagegen muss "Aeon Flux" für Sie ja eine Kleinigkeit gewesen sein.

Charlize Theron: "Aeon Flux" forderte mich auf eine ganz andere Weise. Dieser Film brachte mich fast um. Die physischen Herausforderungen waren natürlich größer. Es gab Tage, an denen ich kaum aufstehen konnte, so sehr schmerzten meine Knochen.

teleschau: Wie empfinden Sie den Karrierekampf?

Charlize Theron: Das ist eine Industrie, in der es hart zugeht. Du sitzt in einem Café in Los Angeles, und die Bedienung ist mit Sicherheit auch ein Schauspieler, der nur gerade ohne Engagement ist und sich über Wasser halten muss. Es gibt unheimlich viele Leute, die genau dasselbe wollen, was du hast. Also kann sich niemand zurücklehnen und warten, dass auf einen gewartet wird. Jeder braucht eine Vision und Verständnis dafür, welche Art von Arbeit einen wirklich erfüllt. Denn nur dann hat man eine Chance.

teleschau: Woraus speisen Sie Ihr Selbstbewusstsein?

Charlize Theron: So bin ich aufgewachsen, so wurde ich erzogen. Mein Leben war niemals einfach, erst recht nicht perfekt. Aber ich habe verstanden, dass es nichts bringt, herumzusitzen und zu heulen, sondern ich riss mich zusammen und kümmerte mich selbst darum, dass ich das bekomme, was ich möchte. Meine Mutter hatte nie Sympathie für die Haltung, dass man sich als kleines, armes Baby fühlt, das verhätschelt werden will. Nichts in dieser Welt ist garantiert, und nichts geschieht von alleine. Wenn ich mir selbst etwas erarbeite, ist das unheimlich befriedigend.

teleschau: Mittlerweile muss das für Sie aber etwas einfacher geworden sein.

Charlize Theron: Es ist eine Erleichterung, dass ich nicht mehr zu allen möglichen Castings zum Vorsprechen gehen muss. Aber vielleicht kommt diese Zeit wieder. Dann müsste ich erneut damit umgehen. Ob ich es leichter habe, weiß ich nicht: Denn es kommt schon mal vor, dass mich der Regisseur erst kurz vor den Dreharbeiten sieht und ich erst dann seine Vorstellungen von der Rolle erfahre. Das belastet dann eigentlich mehr, als wenn wir uns schon bei einem Vorsprechen getroffen hätten.

teleschau: Gibt es sexuelle Belästigung, wie im Film dargestellt, auch in der Filmindustrie?

Charlize Theron: Ich kann nicht für andere Leute sprechen. Ich habe mich aber mit der Regisseurin Niki Caro darüber unterhalten, und wir kamen zu dem Schluss, dass wir beide die Geschichte erzählen wollen, gerade weil wir selbst in unseren Karrieren nie Erfahrungen mit sexueller Belästigung oder Benachteiligung gemacht haben.

teleschau: Sie sind mittlerweile als Schauspielerin und Produzentin zu einer Größe im Filmgeschäft geworden. Wie mächtig sind Sie wirklich?

Charlize Theron: Ich bin in der beruhigenden Lage, mit meinem Produzentenjob keine Rechnungen bezahlen zu müssen. Ich mache es nur aus Spaß an der Freude. Ich stehe nicht unter Druck. Wenn mir etwas gefällt, kaufe ich die Filmrechte, und wenn nicht, dann eben nicht. Ich bin da sehr ausgeglichen. Deshalb erachte ich mich auch gar nicht als mächtig. Ich arbeite mit zwei Kolleginnen zusammen, die genauso denken. Bei "Monster" haben wir uns dafür entschieden. Genauso fühlen wir uns bei dem Projekt "The Ice at the Bottom of the World", das ich nun schon seit sieben Jahren entwickle. Im Sommer beginnt die Produktion.

teleschau: Worum geht es da?

Charlize Theron: Es ist die Adaption einer Kurzgeschichte, in der es weniger um die Handlung, als um die Charaktere geht. Ein Vater, der 30 Jahre lang in der Marine gedient hat, kommt nach diesen Jahrzehnten in der Fremde zurück zu seiner Familie, die er in der Zeit kaum gesehen hat. Das ist so schlimm, dass er sie gar nicht wieder erkennt. Später stirbt er an Lungenkrebs. Die Familie ist schwer dysfunktionale. Ich spiele die älteste Tochter, deren schwarzer Ehemann an Aids gestorben ist. Sie muss nun das gemeinsame Kind allein aufziehen, ist damit aber vollkommen überfordert.

teleschau: Klingt nach einem echten Drama ...

Charlize Theron: Naja, es hört sich zwar alles sehr deprimierend an, auch weil es um die Euthanasie-Debatte geht. Es wird aber dennoch ein außerordentlich fröhlicher Film.

Leif Kramp


Charlize Theron spielt in "Kaltes Land" (Start: 09.02.) die allein erziehende Mutter Josey Aimes.
Charlize Theron spielt in "Kaltes Land" (Start: 09.02.) die allein erziehende Mutter Josey Aimes. (2005 Warner Bros. Ent.)

Nach dem Scheitern ihrer Ehe kehrt Josey Aimes (Charlize Theron) in ihre Heimat im Norden Minnesotas zurück - sie träumt von einem besseren Leben für sich und ihre beiden Kinder. Liegend: Elizabeth Peterson als Karen.
Nach dem Scheitern ihrer Ehe kehrt Josey Aimes (Charlize Theron) in ihre Heimat im Norden Minnesotas zurück - sie träumt von einem besseren Leben für sich und ihre beiden Kinder. Liegend: Elizabeth Peterson als Karen. (2005 Warner Bros. Ent.)

In "Aeon Flux" (Start: 16.02.) darf Charlize Theron wieder einmal ihre körperlichen Vorzüge einsetzen.
In "Aeon Flux" (Start: 16.02.) darf Charlize Theron wieder einmal ihre körperlichen Vorzüge einsetzen. (2004 Paramount Pictures / Jasin Boland)

Datum: 05.02.2006

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