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Deutscher Filmpreis 2010

Deutscher Filmpreis 2010

Michael Haneke ist der große Gewinner des Abends – ganze zehn Lolas sahnte sein Film „Das weiße Band“ ab. Aber auch andere hatten Grund zum Jubeln – und das deutsche Kino zeigt, dass es in der Lage ist, sich mehr und mehr mit Qualität durchzusetzen.

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Lange Zeit stand es kritisch um den deutschen Film. Er wurde beherrscht von routiniert-langweiligem TV-Kommerz oder unfreiwillig komischen Versuchen, Hollywood zu imitieren. Die fatale Regel „Keine Experimente“, so schien es, hatte nach der Politik irgendwann auch die Leinwandkultur erfasst und sich in ihr festgebissen. Der deutsche Film war geprägt von Langeweile und Mutlosigkeit, es regierte eine ignorierenswerte Beliebigkeit.

Nicht, dass das heute nicht immer noch so wäre. Mit Experimenten, mit Versuchen, Neues oder Unkonventionelles zu wagen, tun sich deutsche Filmer und vor allem Studios und Produzenten nach wie vor schwer. Anstatt das Risiko eines Flops einzugehen, dreht man lieber den immer gleichen Mist immer wieder. Der deutsche Film – ein Seichtgebiet, das vor allem daran litt und leidet, dass es sich keine eigenen Ideen zutraut und allenfalls erfolgreiche Konzepte anderer Länder mehr schlecht als recht kopiert. Ergänzt wird das vom Lieblingsgenre deutscher Festivaljurys: Dem unerträglich schweren, möglichst unschaubaren, den Zuschauer in jeder Hinsicht vergrätzenden, pseudo-anspruchsvollen Sozialdrama.

Es sind eben Regisseure wie Michael Haneke oder Fatih Akin, die aus diesem Brei positiv herausstechen, weil sie ihr eigenes Ding machen und sich nicht um Trends scheren – und siehe da, sie sind erfolgreich damit. Dass Filme wie Hanekes „Funny Games“ oder jetzt „Das weiße Band“ deutsche Produktionen sind, ist bemerkenswert, denn sie sind in jeder Hinsicht angenehm undeutsch – und zwar bezogen auf die Art, wie hierzulande Filme gemacht werden. Es sind Streifen, die energisch gegen das kreative Jammertal Deutschland aufbegehren, und dass sie zunehmend auch international geehrt werden scheint ein erstes verhaltenes Signal für einen Umbruch zu sein.

So hat Hanekes „Das weiße Band“, der auch für einen Oscar nominiert war, gleich zehn Lolas abgeräumt (Bester Film, Beste männliche Hauptrolle für Burghart Klaußner, Beste weibliche Nebenrolle für Maria Victoria Dragus, Bestes Drehbuch, Beste Regie, Beste Kamera, Bestes Szenenbild, Bestes Kostümbild, Bestes Maskenbild und Beste Tongestaltung).

Der Preis für die beste weibliche Hauptrolle ging verdientermaßen an die wieder einmal grandiose Sibel Kekilli in „Die Fremde“, worin sie ihre Leistung aus Fatih Akins „Gegen die Wand“ noch übertroffen hat. Vielleicht liegt ihr beeindruckendes Können, ihr so natürliches und ungekünsteltes Talent einfach daran, dass sie es sich nicht von einer deutschen Schauspielschule hat konventionalisieren lassen.

Den Ehrenpreis nahm Bernd Eichinger mit, der wohl gewichtigste deutsche Produzent. Kaum einer hat das deutsche Kino international so sehr etabliert wie er, kein anderer hat so viele Filmgrößen entdeckt und großgezogen wie er. Und dabei hält er nach wie vor einen erstaunlichen Spagat zwischen geldwertem Massenkino und ambitionierten Großproduktionen, die unterhaltsam und handwerklich mehr als Solide sind, ohne allzu Stumpf zu sein (Ausrutscher wie den Bushido-Murks mal ausgenommen).

Weitere Preise gingen an Hans-Christian Schmidt für den „Sturm“, Marcus Vetter und Leon Geller für ihren Dokumentarfilm „Das Herz von Jenin“ und Christian Ditter für die „Vorstadtkrokodile“ als Bester Kinderfilm. Letztere ist die einzige 2010 gefallene Entscheidung, die einen schalen Nachgeschmack hinterlässt, weil man sich fragt, warum dieses im Vergleich ziemlich schwache Remake eines wirklich verdammt guten (Kinder)Films überhaupt sein musste. (gw)


Deutscher Filmpreis (rbb / Deutsche Filmakademie)
Deutscher Filmpreis (rbb / Deutsche Filmakademie)

Datum: 25.04.2010

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