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Amanda Jenssen: Happyland

Amanda Jenssen: Happyland

Amanda Jenssen wurde 2007 durch eine schwedische Castingshow bekannt. Ihr nun erscheinendes zweites Album „Happyland“ zeigt, wie man Talent krampfhaft verwässern kann, um dem Markt zu gefallen…

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Im Gegensatz zu den deutschen Varianten DSDS und Popstars, die allenfalls der Massenbespaßung der Unterschicht dienen, schaffen es amerikanische und Castingshows aus dem europäischen Ausland zumindest hin und wieder jemanden zu entdecken, der tatsächlich Talent hat. Die 22jährige Schwedin Amanda Jensson gehört da zweifelsohne zu. Nicht nur, dass sie ein phantastische Stimme und ein eindrucksvolles Klanggespür hat – sie schreibt einen guten Teil ihrer Songs auch noch selbst.

Man muss das heutzutage ja leider betonen und den zwingenden Unterschied machen zwischen „Künstler“ und „Produkt“. Denn das Gros des Castingshowausstoßes sind Produkte, kurzlebig, die „Stars“ zumeist völlig talentfreie musikalische Legastheniker.

Jenssen also schreibt selbst und lässt sich sympathischerweise auch nicht auf ein Genre festnageln. Das ist auf ihrer in Deutschland am 7. Mai erscheinenden Scheibe „Happyland“ unüberhörbar. Die Einflüsse aus Chanson, Jazz und Rock N’ Roll sind angenehm und scheinen zumindest nicht allzu platt auf der grassierenden Retro-Welle zu reiten. Sie, wie ihre Plattenfirma Sony das tut, mit Edith Piaf zu vergleichen, ist dann aber doch unfreiwillig komisch. Damit sind wir schon beim eigentlichen Problem: Die Plattenfirma, das Marketing. Amanda Jenssen wird als etwas verkauft, das sie nicht ist, sie wird um des schnellen Erfolges willen zum Produkt hochgepusht. Das beginnt schon bei ihrer Präsentation, die derart austauschbar ist, dass jegliche Individualität verloren geht. Ihr Alter ist keine Ausrede, denn es gibt genügend andere junge Künstler, die sich darauf nicht einlassen.

Das mag verzeigbar sein – die gnadenlose Verwässerung ihrer Songs mit einfallsloser generischer Popinstrumentierung ist es nicht. Dabei hat das Album so gute Ansätze. Echte Streicher, den Chor der Rainbow Gospels Stockholm, großartiges Mastering von Björn Engelmann – und doch fürchtet man sich davor, dass die Stücke ab Mai auch im deutschen Radio in Dauerrotation laufen und schon beim dritten Durchgang unerträglich werden. Alles ist auf Schnell & Poppig gemacht, an jeder Ecke lauert plumpe musikalische Effekthascherei ohne jeden Tiefgang. Das Ergebnis klingt nicht anders als all der übrige Brei, der seit Jahren die Hitparaden beherrscht.

Schade ist das deswegen, weil es nicht sein müsste. Denn im Gegensatz zu all den anderen mehr als verzichtbaren Chartstürmern hätte diese Platte richtig, richtig gut werden können. Wenn Amanda Jenssen, nur von einer lakonischen Gitarre und einer zusätzlichen Stimme begleitet ihr „Happyland“ vorträgt (siehe unten), dann hat man einen potentiellen Hit, der auch die kurzlebige Medienaufmerksamkeit, die solche Musik üblicherweise umgibt, überdauern könnte.

In dem Sinne – man kann nur hoffen, dass Frau Jenssen in Zukunft auf mehr aus ist als ihre fifteen minutes of fame und beim dritten Longplayer auf all den Firlefanz verzichtet. (gw)


Amanda Jenssen: Happyland (Sony Music / Epic)
Amanda Jenssen: Happyland (Sony Music / Epic)

Datum: 27.04.2010

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