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Youssou N’Dour: Dakar – Kingston

Youssou N’Dour: Dakar – Kingston

Der Afrikaner Youssou N’Dour ist seit über zwanzig Jahren eine feste Größe im Musikbusiness. Berühmt machten ihn Duette mit Peter Gabriel und Neneh Cherry. Seine neue Scheibe „Dakar – Kingston“ ist eine eindrückliche Reggae-Platte, die auf mehr Sonne im Sommer 2010 hoffen lässt.

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Der Sohn des Free-Jazzers Don Cherry wagt den Sprung vom Panafrikanismus zum Reggae, und der Sprung lohnt sich. Er fügt dieser ohnehin schon sehr individuellen und einprägsamen Stimme eine neue Note hinzu. Kein geringerer als Bob Marley war es gewesen, der Anfang der Achtziger den Reggae von Lateinamerika nach Afrika getragen hatte, wo das Genre sich nicht nur verbreitet, sondern auch weiterentwickelt und neue Einflüsse aufgenommen hat. Folgerichtig hat N’Dour den Opener dem großen Vorbild gewidmet und baut natürlich auch das unvermeidliche Zitat ein: „One Love, No Woman, No Cry“.

Über das ganze Album hinweg zelebriert er den Reggae, macht aber auch klar, dass es sich für ihn um einen Ausflug handelt. Er versucht an keiner Stelle, sich in eine Tradition einzureihen, aus der er nicht stammt, auch wenn er sie stellenweise – etwa in dem getragen-melancholischen „Black Woman“ – großartig adaptiert. Das auch deutlich autobiographisch und vor allem musikbiographisch geprägte Album ist in erster Linie eine ehrfürchtige Verneigung vor einem Stil, einem Genre, das durch seine Einfachheit besticht. Allerdings nicht so ehrfürchtig, dass es durch übergroße Vorsicht verwässert wird. Youssou N’Dour platziert die Zitate sehr genau und gezielt, so dass sie als Zitate erkennbar bleiben, sich aber dennoch übergangslos in seine Interpretation einfügen.

Mit „Don’t Walk Away“, „Medina“ und „Pichte Me“ variiert er ältere Eigenkompositionen neu und setzt sie überraschend unplakativ im Reggae-Rhythmus um. Es ist ein wenig so, als würde ein Roots-Rocker seine Songs in Country- oder Bluesvarianten vortragen (wie das James McMurtry hin und wieder tut).

Das Album ist vermutlich insgesamt zu tiefgründig, um radiotauglich zu sein. Allenfalls dem eindringlichen „Africa Dream Again“, im Duett mit Ayo könnte der Spagat gelingen. Man kann es dem Werk nur wünschen, denn abgesehen davon, dass es der Musikgeschichte wieder eine interessante kleine Fußnote hinzufügt, klingt aus jedem Akkord ein sonnendurchschienener Sommertag. (gw)

Das Album erscheint am 21. Mai via Universal Music.


Youssou N'Dour: Dakar - Kingston (Universal)
Youssou N'Dour: Dakar - Kingston (Universal)

Datum: 08.05.2010

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