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Herbst – Sonbahar

Herbst – Sonbahar

„Herbst“ (im Original „Sonbahar), das Debüt des 1975 geborenen türkischen Autorenfilmers Özcan Alper, hat bereits auf diversen internationalen Festivals abgeräumt. Die ruhig und in eindrucksvollen, intensiven Bildern erzählte von Einsanmkeit und Verlust läuft ab dem 13. Mai auch in deutschen Kinos.

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Aufgrund einer Lungenkrankheit wird der Politaktivist Yusuf (Onur Saylak) frühzeitig aus dem Gefängnis entlassen. Er war zehn Jahre zuvor inhaftiert worden. Er kehrt zu seiner kranken Mutter (Raife Yenigul) in der Schwarzmeerregion zurück. Sein Vater ist inzwischen gestorben, seine Schwester hat geheiratet und ist fort gegangen. Abgesehen von seinem Freund Mikail (Serkan Keskin) aus Kindheitstagen, leben nur noch alte Menschen in dem kleinen Ort. Während der Herbst langsam zum Winter übergeht befindet sich Yusuf im Zwiespalt mit sich selbst, auf der Suche nach dem, was aus seinem verlorenen Leben noch zu machen ist.

Als er die Prostituierte Eka (Megi Kobaladze) kennenlernt entspinnt sich eine fatale Liebesgeschichte zweier Menschen, die aufeinandertreffen wie zwei unterschiedliche Welten. Beide scheinen Fremdkörper zu sein in dieser stillen, melancholischen Welt, die doch zu weit voneinander entfernt sind, um einander wirklich finden zu können. Die Hauptrolle bei all dem spielt aber nicht Yusuf und auch nicht Eka, sondern die Natur. Die Landschaft am Meer, die Wälder im Umbruch zwischen den Jahreszeiten spielt Alper aus: gebremst, in weiten, starken Bildern, die eine unglaublich faszinierende Tristesse erzeugen.

Alper erzählt die Geschichte eines Herbstes, der zum Winter wird, ohne das je wieder ein Frühling in Sicht kommt. Es geht um verlorene Zeit, fatale Fehler und den gnadenlosen Lauf des Lebens, das zwar rückwärts verstanden werden kann (Kierkegaard), aber nicht korrigiert. Die Sehnsucht der Charaktere ist endgültig, ebenso wie ihre Einsamkeit. Auch wenn Yusuf aus dem dunklen Gefängnis direkt in die saftige Natur geht, wird er doch die Zelle immer in sich tragen.

Trotz all der gedrückten Stimmung gelingt es Alper und seinen Darstellern über den gesamten Film hinweg, eine umfassende Schönheit zu portraitieren, was nicht nur den lebensnahen, dabei perfekt durchkomponierten Bildern zu verdanken ist, sondern auch Onur Saylak und Megi Kobaladze, die ihr Spiel aus der lakonischen Kommunikation in ihre Facettenreiche Mimik übertragen. Es gibt in diesem Film Blicke, die jedes Wort überflüssig machen. (gw)


Datum: 09.05.2010

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Diskussion: "Herbst – Sonbahar"

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