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Internet für Friedensnobelpreis nominiert

Internet für Friedensnobelpreis nominiert

Das Magazin „Wired“ hat das Internet für den diesjährigen Friedensnobelpreis vorgeschlagen – die Annahme der Nominierung wurde vom Stockholmer Nobelpreiskomitee bestätigt. Ein Kommentar

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Da nur juristische Personen oder Institutionen den Preis erhalten können wurden als Preisadressaten Larry Roberts (Erfinder das ARPAnet), Vint Cerf (der „Vater des Internet“) und Tim Berners-Lee (Erfinder des html) genannt. Ohne die Arbeit dieser drei wäre das Internet, so wie wir es heute kennen, nicht möglich geworden. Tatsächlich dürfte das Internet das Medium sein, das das Leben der Menschen seit Mitte der Neunziger Jahre am nachhaltigsten verändert hat. Spätestens seit Beginn des Web 2.0 hat eine neue mediale Ära begonnen, die langsam aber sicher andere mediale Formate verdrängt.

Es ist daher kein Zufall, dass sich Kritik am Medium Internet und an Google als seinem größten Vertreter in Fernsehen und Printmedien mehrt. Hinter dieser Kritik steckt vor allem Kalkül und die Trotzigkeit derer, die den Zug verpasst haben. Zahllose auch große und etablierte Medienhäuser haben die weitreichenden Umwälzungen, die das Internet in den letzten Jahren angestoßen hat, schlicht verschlafen. Während es einigen das Genick gebrochen hat, versuchen inzwischen andere, leidlich erfolgreich doch noch mitzufahren. Ob sie die Geschwindigkeit halten können, muss sich noch zeigen. Sich, wie etwa die Öffentlich Rechtlichen Rundfunkanstalten in Deutschland, per Gesetz ins Internet reinzuklagen ohne etwas relevantes zu bieten zu haben, kann sicher nicht der richtige Weg sein. Auch das regelmäßige Abwerten von Bloggern und unabhängigen Onlinejournalisten seitens der großen Verlagshäuser hat seine Gründe – immer mehr von ihnen überzeugen durch Qualität, die alteingesessene Redaktionen nicht mehr bieten können, die sich aufgrund wegbrechender Anzeigeneinnahmen zu willigen Sprachrohren von PR-Agenturen machen. Was wiederum im Netz nicht unbemerkt bleibt und kritisch verfolgt wird. Wie etwa der BILDblog (www.bildblog.de) von Stefan Niggemeier, der täglich teils furchtbar peinliche Fehler in etablierten Massenmedien aufstöbert. Nicht zu Unrecht hat Niggemeier bereits zahlreiche Journalistenpreise eingeheimst. Auch Jens Berger und Sascha Lobo wären zu nennen.

Die zunehmenden Angriffe gegen das Medienimperium Google liegen auch darin begründet, dass der Konzern inzwischen rund 60% der weltweit anfallenden Werbeerlöse auf sich vereint. Wer das AdWords-System verstanden hat, der profitiert davon, wodurch immer mehr kleine und unabhängige Medien in der Lage sind, sich selbst zu tragen. Und Google liefert die Infrastruktur, ohne die das neue System nicht funktionieren würde. Man darf damit rechen, dass diese Verschiebung der medialen Machtverhältnisse sich fortsetzt.

Wie elementar wichtig das ist, und welche Rolle die Social Networks dabei spielen, hat sich im vergangenen Sommer in Iran gezeigt. Als nach den gefälschten Präsidentschaftswahlen die Menschen auf die Straße gingen, versuchte die Regierung in Teheran mittels Netzsperren und Drosselung der Bandbreite, die digitale Kommunikation unter den Regimegegnern zu unterbinden und durch Hausarreste für ausländische Journalisten die Berichterstattung über das brutale Vorgehen von Polizei und Milizen zu verhindern – vergeblich. Die Demonstranten nutzten Twitter, Facebook, Youtube und Blogs, und innerhalb von Sekunden konnte die ganze Welt Augenzeuge der Geschehnisse werden. Es ist daher wenig verwunderlich, dass die iranische Friedensnobelpreisträgerin Shirin Ebadi den Vorstoß von „Wired“ unterstützt.

Durch seine Informationsfreiheit ist das Internet das demokratischste Medium, das es gibt, und es kann zu einer ernsthaften Gefahr für repressive Regime werden. Dafür, dass staatliche Repression nicht unter dem Radar der Öffentlichkeit abläuft sorgt auch das internationale Team von WikiLeaks, das bereits mehrfach klassifizierte Dokumente an die Öffentlichkeit gebracht hat, zuletzt ein Video der US-Armee, auf dem willkürliches Töten von Zivilisten im Irak zu sehen ist.

Dass zahlreiche Staaten, allen voran China, inzwischen aber auch Deutschland, Zensurgesetze auf den Weg bringen, sollte also bedenklich stimmen. Im Gegenteil sollte es gelten, die Medienkompetenz der Bevölkerung zu schärfen und diesem noch jungen, aber höchst erfolgreichen Medium alle nur erdenklichen Freiheiten einräumen. Mit einem Nobelpreis an die Schöpfer des Internet könnte das Nobelkomitee wenigstens teilweise die längst zur Farce verkommene Auszeichnung des US-Präsidenten Barack Obama wieder ausgleichen. Im Gegensatz zu ihm braucht man beim Internet nicht auf eine selffulfilling prophecy zu hoffen.

Robert Dietrich Bröckmann

Datum: 16.05.2010

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