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„Musik ist die Waffe“

„Musik ist die Waffe“

Nur wenig von der Weltöffentlichkeit beachtet kamen Schätzungen zufolge in den vergangenen Jahren 500.000 Menschen im Norden Ugandas um. Seit 1986 herrscht Präsident Museveni mit seiner faktisch einzig zugelassen Partei. Er verlängerte das Recht auf Wiederwahl selbstherrlich und kämpft mit dem Militär gegen eine „christlich-fundamentalistische“ Rebellenbewegung, die sich durch grausamste Massaker an der Zivilbevölkerung „auszeichnet“. Dabei sind Mord, Verschleppungen und das Rekrutieren von Kindern an der Tagesordnung. Der Musiker Johnny Strange von Culcha Candela erzählt im Interview, wie man seine Freizeit auch hier sinnvoll verbringen kann.

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CineTreff:Woher kommt Ihr Engagement für die Aktionen gegen Kindersoldaten in Uganda?



Ich stamme ja zur Hälfte aus Uganda, und ich habe das Glück, dass ich durch meine Familie alle zwei-drei Jahre dorthin fahren und das Land und die Menschen gut kennenlernen konnte. Ich habe den Konflikt im Norden Ugandas immer mit Schrecken betrachtet. Mittlerweile bin ich ja jetzt „groß“ und kann auch etwas tun. Und das Erste, was ich getan habe, ist einen Song darüber mit unserer Gruppe Culcha Candela zu schreiben. Der Song heißt „African Children“ und greift genau das Thema der Kindersoldaten auf.

Dann haben wir noch mit einem guten Freund, der ein Friedensprojekt namens World Peace Walls initiiert hat, das Rathaus in der Stadt Gulu (im Norden Ugandas) mit einem Friedensbild bemalt. Wir sind darüber hinaus auch interessiert, uns für die jungen Menschen dort zu engagieren. Unser Plan ist, in dieser Stadt eine Bühne zu bauen: für Kulturaustausch und um Menschen eine Perspektive zu geben, sich kulturell auszudrücken.

Viele der Ex-Kindersoldaten haben ja gar keine Schulbildung, sie sind im Busch aufgewachsen, sie sind entführt worden, ihre Eltern sind entführt worden, die Frauen vergewaltigt – die Kinder haben nichts anderes gelernt als zu töten. Und gerade deswegen ist Kunst und Kultur ein wichtiger Weg, die Menschen zu erreichen, und ihnen wieder einen Platz in der Gesellschaft zu geben.

CineTreff:Welches Feedback bekommen Sie denn durch die Aktion?



Das Feedback, vor allem vor Ort, ist sehr stark: Die Menschen sind sehr glücklich, haben sehr viel Hoffnung, sehr viel positive Kraft. Man kann es sich gar nicht vorstellen, nach all dem, was passiert ist. Aber, es ist unglaublich, wie sehr die Menschen danach hungern, sich auszudrücken, und dass etwas passiert, dass es nach vorne geht. Auch hier in Deutschland gibt es vor allen Dingen junge Menschen, die sich dafür engagieren; wir konnten ein großes Team zusammenstellen, das uns bei dem Projekt unterstützt. Und wir suchen noch Leute, die bei der Finanzierung mithelfen können. Wir sind auf jeden Fall sehr fleißig und hoffen noch mehr Menschen zu motivieren.

CineTreff:Auf der Bühne haben Sie gesagt „Wir spielen für eine bessere Welt“. Was verstehen Sie darunter?



Wir glauben, dass man durch Musik sehr viel verändern kann. Musik erreicht die Herzen und bringt die Menschen zusammen. Und wenn sie zusammenkommen, können sie etwas verändern und bewegen: sei es durch Spenden, sei es durch die Schaffung von Aufmerksamkeit, sei es durch den Appell an Politiker, ihnen zu vermitteln, was die Leute wollen... Musik ist für uns die Kraft, mit der wir heutzutage politisch auch Aktivität hervorrufen können, vor allen Dingen auf eine positive Art und Weise. Ich glaube, mit positiver Kraft kann man sehr viel bewegen – es geht nicht nur mit Krieg... und Musik ist die Waffe, die wir positiv einsetzen, um für eine bessere Welt einzustehen.

CineTreff:Das könnte man ja auch noch verstärkt mit anderen Künstlern tun...



Wir haben ein Projekt, das sich „Afrika Rise“ nennt, und dort haben wir verschiedene Künstler, wie Gentleman, Joy Denalane, Eased von Seed, Culcha Candela und viele viele mehr aus ganz Deutschland zusammengebracht – bekanntere und unbekanntere Künstler. Die CD nennt sich „Rhymes 4 Creation“, wir verkaufen sie im Internet, unter www.afrikarise.de, für den Aufbau einer handwerklichen Berufsschule in Uganda.

Mittlerweile haben wir durch den Verkauf der CD und T-Shirts mehr als 20.000 Euro zusammenbekommen. Wir machen auf jeden Fall weiter, denn wir haben gesehen, es geht, und die Menschen haben auch Lust, etwas zu verändern, und dabei auch noch selbst etwas davon zu haben.

Christian Heinrici

(gw)


Johnny Strange / Culcha Candela (Bild: Caroline Schenck)
Johnny Strange / Culcha Candela (Bild: Caroline Schenck)

Johnny Strange / Culcha Candela (Bild: Caroline Schenck)
Johnny Strange / Culcha Candela (Bild: Caroline Schenck)

Datum: 18.05.2010

 
Artikel ID 90000244

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