Axl Rose verklagt Irving Azoff
Rock-Veteran und Guns N’ Roses-Frontmann W. Axl Rose verklagt den ehemaligen Manager der Band, Irving Azoff, auf fünf Millionen Dollar. Azoff habe seine vertraglichen Pflichten nicht eingehalten und versucht, eine Reunion der Urbesetzung zu erzwingen.
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Erst im Februar hatte Azoff selbst eine Klage gegen Rose eingereicht, in der er ihm vorgeworfen hatte, ihm 15% oder zwei Millionen Dollar Einnahmenanteil aus der laufenden Chinese Democracy World Tour zu schulden. In der nun eröffneten Gegenklage sagen Roses Anwälte, die Beteiligung sei lediglich mündlich vereinbart worden – der Vertrag sei aber hinfällig, da Azoff seine Pflichten als Manager der Band nicht eingehalten habe. IM Gegenteil habe er Rose und der Band durch vorsätzliches Missmanagement einen finanziellen Schaden von rund fünf Millionen Dollar verursacht.
Die am 17. Mai 2010 von Roses Anwälten in Los Angeles eingereichte Klage hat es in sich. Denn Azoff ist einer der einflussreichsten Männer im internationalen Musikbusiness. Durch den Zusammenschluss von Live Nation und Ticketmaster im vergangenen Jahr (wogegen die US-Kartellbehörde erfolglos geklagt hatte) kontrolliert er nicht nur die Geschäfte der bei ihm unter Vertrag stehenden Künstler, sondern auch sämtliche Belange rund um Marketing, öffentliche Auftritte und Ticketverkäufe. Es gehe Azoff nicht um Musik oder um die Betreuung der Künstler, er vertrete lediglich aggressiv seine persönlichen finanziellen Interessen und setzte diese mit Lüge, Täuschung und Manipulation durch, heißt es in der Klageschrift.
Azoff, der berüchtigt dafür ist, dass er getrennte Bands wieder zusammenführt habe offensiv darum geworben, Guns N’ Roses unter Vertrag nehmen zu dürfen. Rose, der seit Ende der Neunziger Jahre mit dem aktuellen Lineup arbeitet hatte mehrmals öffentlich klargestellt, dass er eine Reunion mit seinen ehemaligen Kollegen Slash und Duff McKagan ausschließt. Nachdem dies einvernehmlich geregelt worden sei, habe Rose eingewilligt, mit Azoff zu arbeiten, der unter anderem zugesagt habe, „Chinese Democracy“, das erste Studioalbum der Band seit 15 Jahren, intensiv zu vermarkten und eine begleitende Stadiontour gemeinsam mit Van Halen zu organisieren.
Daraufhin habe Rose Tourvorbereitungen getroffen und die Logistik sowie die Konzertproben im Voraus aus eigener Tasche bezahlt. Das Zerwürfnis begann, als Azoff auf eigene Faust handelte und beispielsweise ohne Roses Zustimmung das Artwork des Albums freigab und die komplette Scheibe nur wenige Tage vor der Veröffentlichung als kostenlosen Stream auf die Myspace-Seite der Band stellte. Das habe, so Rose, zu einem Verkaufsverlust von rund 700.000 Dollar geführt. Zudem habe Azoff nach Abschluss des Exklusivdeals mit Best Buy in den USA keinen weiteren Finger gerührt, um das Album zu vermarkten. Später stellte sich heraus, dass es zwischen Azoff und Van Halen nie zu Gesprächen über eine Co-Headliner-Tour gekommen war.
Die Tour 2009/2010 in Asien, Kanada und Südamerika sei von Azoff so nachlässig organisiert worden, dass die Band schließlich selbst aktiv werden musste, um die Tour nicht zu gefährden – was zu weiteren massiven Verlusten führte. Die kurzfristige Absage einer Show in Tokyo habe allein 1,3 Millionen Dollar gekostet.
Azoffs Plan sei es gewesen, entgegen anderweitiger Absprachen, eine Reunion der Band zu erzwingen. Azoff nutze seine Macht in der Industrie, um Künstlern nachhaltigen Schaden zuzufügen, wenn sie sich seinen Plänen verweigern, heißt es in der Anklage. Das birgt Sprengstoff, denn es könnte dazu führen, dass nun auch die früheren von Azoff verantworteten Reunions genauer unter die Lupe genommen werden. Offenbar hat er Rose unterschätzt, der seit jeher dafür bekannt ist, sein eigenes Ding durchzuziehen und sich nicht aus finanziellen Gründen zu verbiegen.
So hatte die Plattenfirma Universal/Interscope bereits 2004 versucht gehabt, eine Veröffentlichung des noch nicht fertiggestellten Albums „Chinese Democracy“ zu erzwingen, indem sie der Produktion den Geldhahn zudrehte. Bis 2008 zahlte Rose auch hier aus eigener Tasche.
Irving Azoffs Büro hat bisher keinen Kommentar abgegeben. Erst kürzlich hatte der Anwalt Don Engel, ein ehemaliger Mitarbeiter Azoffs, der New York Times gesagt, Azoff mache nichtmal einen Hehl daraus, dass er Lüge, um seine Ziele zu erreichen. Er sage heute dies und morgen jenes. „Das ist Irving. Er ändert seine Meinung, wie es ihm gerade passt.“ Vielleicht hätte er sich „Chinese Democracy“ zuvor genauer anhören sollen. In dem Song „Prostitute“ geht es darum, sich als Künstler nicht für die Industrie und für „fortune and fame“ zu verbiegen. Roses Ex-Kollegen Slash und McKagan hatten sich Mitte der Neunziger geweigert, diesen Song aufzunehmen.
Vom 31. Mai bis Ende August touren Guns N’ Roses durch Europa. (gw)
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Lässt sich von der Industrie nicht verbiegen: Rock-Veteran W. Axl Rose (Bild: George Chin / Universal) |
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