logo
Anzeige
Cineastentreff Kino Film HomeCinema - Neu auf DVD Kino Film Der Preis des Verbrechens – Trial & Retribution
Der Preis des Verbrechens – Trial & Retribution

Der Preis des Verbrechens – Trial & Retribution

Die englische Serie „Trial & Retribution“ hat das ZDF bereits seit 2004 unter dem selten dämlichen Titel „Der Preis des Verbrechens“ im Programm. Nun erscheinen die ersten Folgen auf DVD.

Anzeige

 

Warum ausgerechnet das ZDF die Lizenzrechte an „Trial & Retribution“ erworben hat, wird recht schnell klar. Die Serie könnte auch eine Eigenproduktion sein. Es geht um einen knallharten Komissar (Superintendent Michael Walker, gespielt von David Hyman) und eine Ermittlerin (Kate Buffery), die einiges mit Angela Merkel gemeinsam hat: Sie trägt nicht nur dieselben Klamotten und dieselbe seltsame Frisur, sondern sie stakst ebenso unmotiviert und ahnungslos durch ihre Kriminalfälle wie die Kanzlerin durch die bundesdeutsche Politik.

Dass Walker einen weichen Kern unter der harten Schale hat, erfährt man nach wenigen Minuten, auch dass seine Kollegin sich als (furchtbar unweibliche) Frau in einer Männerdomäne behaupten muss. Dazu kommt der labile Bulle, der im Angesicht des Verbrechens zum Pflegefall wird, der irre Verbrecher, der sich zum smarten Psychokiller wandelt, der Unterschichtenhaushalt, in dem Frauen und Kinder geschlagen werden aber doch zu ihren Peinigern halten … und so weiter. Es wird ein Klischee ans andere gereiht. Wäre das wenigstens in eine unterhaltsame Handlung eingebaut, könnte man ja noch ein Auge zudrücken, aber das ist es leider nicht.

Die Kriminalfälle werden auf jeweils eine Doppelfolge von rund 200 Minuten ausgewalzt. Die Handlung ist dafür zu dünn. Denn es gibt im Grunde nur ein einziges Handlungselement, das den Zuschauer bei der Stange halten soll: Das krimitypische Rätselraten, wer denn nun der Täter ist. Da die „falschen Fährten“ aber unglaublich plump gelegt werden, wird niemand lange raten müssen. Hinzu kommt, dass die Handlung furchtbar konstruiert und stellenweise an den Haaren herbeigezogen wirkt. Eingebettet wird das ganze in Szenenfolgen, die jegliche Dramaturgie und Spannungsbögen vermissen lassen, so dass sich die 200 Minuten zähflüssig und gähnend langweilig gerieren.

Die wenigen Lichtblicke bieten die Verhöre mit einem der Täter, gespielt von Rhys Ifans, der, im Gegensatz zu seinen Kollegen, nicht wie ein hölzerner Statist wirkt, der sich durch dilettantisch verfasste Dialoge kämpft, sondern stattdessen wirklich so etwas wie maliziöses Charisma entwickelt. Sämtliche anderen Darsteller scheitern daran schon deshalb, weil ihre Charaktere nicht mehr sind als eindimensionale Abziehbilder ohne jede Tiefe. Empathie beim Zuschauer zu erwecken funktioniert anders.

Die Inszenierung an sich ist ein Trauerspiel. Die Kamera, das Licht, der Schnitt – alles unerträglich konventionell, konservativ, überraschungs- und ideenlos. Da helfen auch die durchaus mit Liebe zum Detail entworfenen Kulissen nicht drüber hinweg. Es kommt aber noch schlimmer: Warum das Bild immer wieder in Splitscreens aufgeteilt wird, die technisch aussehen, wie die ersten Gehversuche eines Hobbymediengestalters, erschließt sich absolut nicht. Diese Aufspaltungen des Bildes erzählen nichts, rein gar nichts, und wirken daher wie der gescheiterte verzweifelte Versuch, noch ein klein wenig Pepp in eine hoffnungslos verlorene Produktion zu bringen.

Als wäre das nicht genug, präsentiert sich die deutsche DVD-Box als Totalausfall. Null Bonusmaterial ist bei solchen Restverwertungen, die vor allem deshalb gekauft werden, weil die Lizenzgebühren niedrig sind, schon trauriger Standard. Neben dem englischen Originalton gibt es eine lauwarme deutsche Synchro. Der Ton wurde völlig unzeitgemäß nicht überarbeitet und in Dolby 2.0 belassen. Das Bild aber ist eine Katastrophe. Es sieht aus wie die dritte Kopie eines zehn Jahre alten VHS-Bandes – in Zeiten simpler digitaler Restaurierungsmöglichkeiten eine Frechheit. Pausenloses Bildrauschen wird im Standbild zum Pixelmatsch, dunkle Szenen sind ein einziger Brei. Selbst wer diese Art von Fernsehen mag, sollte auf die DVD-Box verzichten, und stattdessen die Folgen bei der unvermeidlichen Wiederholung im ZDF aufnehmen. Unter Umständen erhält er mit ein paar technischen Kniffen dann wenigstens ein halbwegs erträgliches Bild. (gw)


Der Preis des Verbrechens - Trial & Retribution
Der Preis des Verbrechens - Trial & Retribution

Preis des Verbrechens - Klischees reihen sich aneinander.
Preis des Verbrechens - Klischees reihen sich aneinander.

Datum: 01.06.2010

Facebook aktivieren

Diskussion: "Der Preis des Verbrechens – Trial & Retribution"

Um eine Diskussion zu "Der Preis des Verbrechens – Trial & Retribution" zu beginnen melden Sie sich bitte im Forum an. Wenn Sie noch nicht registriert sind, können sie sich jetzt registrieren um an den Diskussionen teilzunehmen.
Artikel ID 90000257

Weitere Artikel, die Sie interessieren könnten:

    Im Tal von Elah
    Susan Sarandons Tränen sind nicht zu trocknen. Nun hat sie ihren zweiten Sohn verloren, weil sie, wie ihr Vater, die Soldatenlaufbahn einschlugen. Der mysteriöse Tod des Jüngeren ist ein Rätsel, aus dem ...

    Badland
    Ist Amerika reif für einen weiteren Blick in seine kollektive von Kriegen zermarterte Psyche? Wohl kaum, zumindest nach den Zuschauerzahlen von und Kritikerstimmen über einen Film, der die erschreckenden ...

    "Die Frau des Anarchisten" wird mit dem Wicki-Preis ausgezeichnet
    Der Film "Die Frau des Anarchisten" (Kinostart: 8.01.2009) ist mit dem "Bernhard Wicki Preis - Die Brücke" ausgezeichnet worden. Die Filmemacher Marie Noëlle und Peter Sehr nahmen den mit 10.000 Euro dotieren ...

    The Untouchables
    Ein Kinderwagen rollt im Zeitlupentempo die Bahnhofstreppe hinunter. Die Kugeln aus den Waffen der Gangster verfehlen ihn und das Baby darin nur knapp. Der finale Showdown dauert acht Minuten und ist eine ...

    Die durch die Hölle gehen mit Robert De Niro
    Filme zwischen 1950 und 1975 vermittelten oft den Eindruck, der Krieg sei ein einziges großes Abenteuer gewesen, in dem sich Helden und taffe Typen tummelten. Michael Cimino war einer der Ersten, der mit ...

    Die schwarze Dahlie
    Was macht das mit einem Zehnjährigen, wenn seine Mutter brutal ermordet wird? James Ellroy wurde Bestsellerautor, spezialisiert auf düstere Romane über den Moloch L.A. und Morde an Frauen ("L.A. Confidential"). ...


 
Anzeige
livedome
Konzert-DVD im Stream
Gentleman
Gentleman am 27.04. ab 20.00 Uhr als » Musikstream

Anzeige
.
Partner von Fantastic Zero


itemid = 39 - id = 8553 - task = view - option = com_content - limitstart= 0