logo
Anzeige
Distanz

Distanz

„Distanz“ ist der erste Kinospielfilm des in Berlin lebenden Nachwuchsregisseurs Thomas Sieben. Der Streifen eröffnete die Perspektive Deutsches Kino auf der Berlinale 2010, lief auf zahlreichen Festivals und gewann zu Recht den German Independence Award in Oldenburg. Vor allem Hauptdarsteller Ken Duken brilliert in diesem intensiven, ruhigen Film.

Anzeige
Counter

 

Der Gärtner Daniel (Ken Duken) ist ein stiller Einzelgänger, der über ziemlich genau einen Gesichtsausdruck verfügt, und der ist ziemlich ausdruckslos. Duken wurde bereits mit Kevin Bacon und Brian Adams verglichen – tatsächlich ähneln seine Züge denen von Bacon frappierend, und auch das Traurige in seinem Blick erinnert an den Amerikaner.

Einer der größten Kunstgriffe des Films ist diese Figur des Daniel. Im Grunde erfährt der Zuschauer nichts über ihn. Keine Vorgeschichte, keinen Lebenskontext – nichts als das, was im Handlungszeitraum geschieht. Daniel verrichtet stoisch seinen Job, nimmt die Sticheleien der Kollegen, die ihn seltsam finden, ohne jede Gemütsregung hin. Nach Feierabend sitzt er entweder ebenso ausdruckslos in seiner kargen Wohnung mit DDR-Flair, oder er streift durch die Stadt und beobachtet Menschen. Oder – er steht auf einer Autobahnbrücke und lässt Steine fallen. Irgendwann auch mal einen großen. Ohne Reaktion hört er am folgenden Morgen im Radio, beim Frühstück, dass beide Insassen des Autos, das er erwischt hat, tot sind.

Er folgt unentdeckt einer Gruppe Jäger, inspiziert mit einer Art gefühlloser Faszination einen erschossenen Fuchs, folgt den Jägern weiter bis zum Wirtshaus und stiehlt schließlich einem von ihnen das Gewehr.

An dem Tag, an dem seine junge Arbeitskollegin Jana (Franziska Weisz) ihm erste Avancen macht, erschießt er in einem Park einen Jogger. Jana, die sich über beide Ohren in Daniel verliebt hat, müht sich, mit seiner verschlossenen Art klarzukommen und lässt sich auch von ersten Zurückweisungen des jungen Mannes, den sie für schüchtern hält, nicht abschrecken. Schließlich zieht sie bei ihm ein – und weiß eigentlich nicht mehr über ihn als der Zuschauer. Daniel tötet derweil einen weiteren Mann im Park per Kopfschuss. Als die Polizei auf ihn aufmerksam wird dämmert auch Jana, dass etwas nicht stimmt, aber sie übergeht ihre Bedenken und entscheidet sich, zu Daniel zu halten.

Die Figuren sind so faszinierend, weil sie menschlich sind, und weil sie sich der Eindeutigkeit entziehen. Sie handeln nie im Sinne der Erwartung des Zuschauers, wodurch der Film zu keinem Zeitpunkt vorhersehbar ist, bis hin zum folgerichtigen und doch überraschenden Ende, das alle Fragen offen lässt. Trotz seiner Taten erweckt Daniel immer auch eine gewisse Sympathie, er ist kein Protagonist, von dem man sich abwenden kann, was auch an der immensen Intensität liegt, mit der Ken Duken spielt, sowie an der ruhigen, punktgenauen Kameraarbeit, die mit viel Sensibilität die Geschichte trägt

„Distanz“ ist ein gewichtiges Debüt und ein Film, der zeigt, dass beeindruckendes Kino durchaus aus Deutschland kommen kann. (gw)


Distanz: Kinodebüt von Thomas Sieben
Distanz: Kinodebüt von Thomas Sieben

Distanz: Ken Duken als Daniel
Distanz: Ken Duken als Daniel

Distanz: Franziska Weisz als Jana
Distanz: Franziska Weisz als Jana

Datum: 12.07.2010

Facebook aktivieren

Diskussion: "Distanz"

Um eine Diskussion zu "Distanz" zu beginnen melden Sie sich bitte im Forum an. Wenn Sie noch nicht registriert sind, können sie sich jetzt registrieren um an den Diskussionen teilzunehmen.

 
Anzeige
livedome
Konzert-DVD im Stream
Gentleman
Gentleman am 27.04. ab 20.00 Uhr als » Musikstream

Anzeige
.
Partner von Fantastic Zero


itemid = 31 - id = 8582 - task = view - option = com_content - limitstart= 0