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Summer Wars (OmU)

Summer Wars (OmU)

Japanische Animes sind so eine Sache. Die Nerds lieben sie, Cineasten finden sie oft zu verkitscht und / oder abgedreht. „Summer Wars“ dürfte sowohl die Nerds befriedigen als auch die Cineasten begeistern – ob er ein Massenpublikum erreichen kann ist aber fraglich.

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Der liebevoll animierte Film, der immer wieder thematische und optische Ausflüge ins 80er-Jahre-Genre Cyberpunk unternimmt, spielt im Japan der nahen Zukunft, und das Ausgangsszenario ist gar nicht so unwahrscheinlich: Alle Dinge des täglichen Lebens werden über ein weltumspannendes Onlinesystem abgewickelt, das bezeichnenderweise den Namen OZ trägt. Fast jeder Erdenbürger hat einen OZ-Account, und der Avatar in der virtuellen Welt ist mindestens ebenso bedeutend geworden wie die reale Existenz. Alles, wirklich alles läuft online ab, vom simplen Einkauf über die zwischenmenschliche Kommunikation bis zu öffentlichen Diensten wie Feuerwehr und Polizei – sogar die Politik agiert im Netz. Ferne Kriege werden per Avatar ausagiert; die Opfer in der realen Welt gibt es weiterhin.

Der mathematisch hochbegabte Schüler Kenji arbeitet in seinen Sommerferien als Administrator für OZ. Als seine attraktive Mitschülerin Natsuki ihn zu einem Familienfest einlädt, ist er sofort dabei, ohne zu ahnen, worum es geht: Natsukis Großmutter feiert ihren 90. Geburtstag, und Natsuki hat ihr versprochen, ihr ihren Verlobten vorzustellen. In einer großen Villa auf Hokkaido kommt nach und nach die ganze Großfamilie zusammen und durchlebt ihre Malaisen. In der Nacht wird Kenjis Avatar gekapert, und nach der virtuellen Katastrophe steht bald auch die reale Welt Kopf. Kenjis Konterfei taucht in den Fernsehnachrichten auf – er wird für alles verantwortlich gemacht.

In der realen und in der digitalen Welt macht sich Kenji auf die Suche nach dem Übeltäter, der ihm näher ist, als er glaubt. Was so simpel klingt, ist tatsächlich überraschend vielschichtig. Regisseur Mamoru Hosoda ist es gelungen, viele Erzählebenen und Stilmittel miteinander zu vereinen, ohne den Film zu überfrachten. In OZ wird Martial-Arts-gerecht gekämpft, während in der realen Welt das Aufeinandertreffen von gut zwanzig Familienmitgliedern zu einem Panorama der Zwischenmenschlichkeit wird, das auch für Nichtjapaner interessante Einblicke in die asiatische Kultur bietet.

Besonders originell: Die gesamte Handlung wird im Hintergrund von einer Baseball-Meisterschaft begleitet, die ständig im Fernsehen läuft. Einige aus der Familie fiebern mit, andere nicht, und am Ende wird die Weltrettung zur Familienrettung und zu einem Lehrstück über Zusammenhalt und Mut. Hosoda wollte einen „erfrischenden“ Film für den Kinosommer drehen. Das ist ihm gelungen. Absolut sehenswert. (gw)


Summerwars (AV Visionen)
Summerwars (AV Visionen)

Datum: 13.07.2010

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