Stephen King: Blockade Billy
Pünktlich zum Start der Baseball-Saison 2010 veröffentlichte Bestsellerautor Stephen King in den USA seine Novelle „Blockade Billy“, in der es um einen Spieler geht, dessen Name aus guten Gründen aus der Baseballgeschichte getilgt wurde. Da laut Auskunft des deutschen Verlages Random House derzeit keine deutsche Übersetzung geplant ist, haben wir einen Blick in die Originalausgabe geworfen…
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„William Blakely? Ach, Sie meinen Blockade Billy. Nach dem hat mich schon lange keiner mehr gefragt, erst recht nicht hier drin…“ – So beginnt die Erzählung des alten Granny, der längst in einem Altersheim sitzt, und nun in einem herrlich schnodderigen Stil auf seine Baseballzeit in den 50er Jahren zurückblickt. Damals betreute er als Vizetrainer und Mädchen für alles die New Jersey Titans. Er organisierte die Begegnungen und die Logistik, kümmerte sich um die Spieler und räumte manches Mal eigenhändig den Platz auf, damit der uramerikanischste Sport zum Ereignis wird. Damals sei das alles noch ziemlich amateurhaft gelaufen. Höchstens Radio, Fernsehübertragungen gab’s noch nicht.
Als eines Tages der Ersatzspieler Billy Blakely zum Team stößt, ändert sich alles. Der Junge aus der Provinz, dem keiner was zutraut, wird der Star der Gurkentruppe. Das Publikum liebt ihn und nennt ihn schließlich Blockade Billy – denn an ihm kommt kein Ball vorbei. Doch dann häufen sich seltsame Zwischenfälle, die dazu führen, dass Billy Blakely komplett aus den Annalen des Baseball gestrichen wird. Denn der Junge hat ein Geheimnis, das ziemlich unsportlich ist.
Im Grunde ist dieses Geheimnis und die Pointe der Novelle nur angenehmer Schmuck am Rande. King kombiniert seine Fähigkeiten als Geschichtenerzähler mit seiner immensen Begeisterung für Baseball. Der Sport spielt die eigentliche Hauptrolle, und die Art, wie er mit der Stimme Grannys die Spiele kommentiert und an jeder Ecke mit trockenem Humor die Atmosphäre der 50er einfängt, hat einen ganz eigenen Charme.
Es ist das erste Mal, dass King sich so ausführlich in einem fiktiven Text mit dem Sport befasst. Zwar gab es hier und da schon mal Anklänge, etwa in dem Roman „Das Mädchen“ (im Original: The Girl who loved Tom Gordon), dessen Protagonistin in den Baseballspieler Tom Gordon verknallt ist. Und vor einigen Jahren schrieb er gemeinsam mit Stewart O’Nan ein Sachbuch zum Thema. Diese Novelle aber sei für ihn selbst etwas, das ihm schon lange unter den Nägeln gebrannt hatte, so King.
Für Sammler zusätzlich interessant: Das Buch ist in mehreren Ausführungen erschienen. Die Limited Edition von Cemetery Dance ist sehr bibliophil aufgemacht, gebunden mit Schutzumschlag, reich illustriert und enthält eine William-Blakely-Baseballkarte. Die regulären gebundenen Ausgaben von Simon & Schuster bzw. Hodder & Stoughton sind weniger aufwändig gestaltet und preisgünstiger, enthalten dafür aber zusätzlich die Erzählung „Morality“, für die King im Juli mit dem Shirley Jackson Award ausgezeichnet wurde. Voraussichtlich im August wird Lonely Road Books eine weitere Limited Edition der Novelle veröffentlichen – vom Autor handsigniert. (gw)
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Stephen Kings Novelle "Blockade Billy" |
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