William Orbit: Pieces in a Modern Style 2
William Orbit: Pieces in a Modern Style 2Mit “Pieces In A Modern Style 2”, das in Deutschland als Doppel-CD am 13. August erscheint, legt der Brite William Orbit die Fortsetzung seines Klassik-Werks vor. Bereits auf der ersten Scheibe aus dem Jahr 2000 hatte der vielseitige Komponist klassische Musikstücke neu arrangiert und mit elektronischer Instrumentierung angereichert. Anzeige Der Name William Orbit ist weitestgehend unbekannt. Dabei ist der 1956 geborene Brite, der eigentlich William Wainwright heißt, schon seit den frühen 80er Jahren musikalisch aktiv. Aber auch wer seinen Namen nicht kennt hat aller Wahrscheinlichkeit schon mal mit dem sehr individuellen Orbit-Sound zu tun gehabt. Sein „Adagio for Strings“ debütierte auf dem Soundtrack zum Filmklassiker „Platoon“ und wurde als Dance-Version Ende der 90er in den europäischen Discos hoch- und runter gespielt. In seiner langen Karriere hat er sowohl als Musiker als auch als Produzent mit Größen wie Madonna, U2, Depeche Mode, Prince, Blur und Robbie Williams gearbeitet. Madonnas Album „Ray Of Light“ geht zu wesentlichen Teilen auf sein Konto. Orbit ist in der elektronischen Musik verwurzelt und darf als einer der Wegbereiter moderner elektronischer Popmusik gelten; auch aus den Werken seiner zahlreichen Bands und Kollaborationen spricht ebenso wie aus seinen Pop-Kompositionen eine tiefe Liebe zur Klassik. Auf dem nun erscheinenden zweiten Teil von „Pieces In A Modern Style“ nimmt er sich Stücke von Johann Sebastian Bach, Edward Grieg, Giacomo Puccini, Pyotr Ilyich Tschaikowski und weiteren vor, und arrangiert sie mit den Stilelementen und Instrumenten des Trip Hop und des Elektropop neu. Was auf Anhieb erstmal reichlich absurd klingt, funktioniert in der Praxis wunderbar. Das Ergebnis sind Stücke, mit denen vermutlich auch ihre eigentlichen Urheber einverstanden wären. „Peer Gynt“ und „Schwanensee“ auf Koks, könnte man meinen, aber weit gefehlt. William Orbit inszeniert seine Variationen mit großem Fingerspitzengefühl. Die Stücke sind eine tiefe Verneigung vor den klassischen Komponisten und nicht weniger intensiv als die Originale. Im Gegensatz zu manch verhunzter Darbietung durch mittelmäßige Orchester oder Pianisten ist Orbits Arrangement stets eine Mischung aus musikalischem Ideenreichtum sowie der nötigen Zurückhaltung bei angenehm verhaltenem Tempo. Orbit hat sich Zeit gelassen mit seinem Werk, das spürt man, man muss es nicht wissen. Dass Klassik nur etwas für ältere Semester sei, davon will er nichts hören. Über die beigefügte Remix-CD kann man sich streiten, man kann sie je nach Blickwinkel als mutig oder auch als Verwässerung bezeichnen, als den Schritt, den Orbit in seinen eigenen Versionen aus guten Gründen nicht gegangen ist. Aber wenn sie hilft, den Stücken ein größeres Publikum zu erschließen, dann soll es so sein. Man muss sie ja nicht hören. Man kann sich auch mit dem Genuss der eigentlichen Scheibe zufrieden geben, und dafür muss man weder eingefleischter Klassik noch Elektro-Fan sein. Es hat einen Grund, warum diese Stücke so überragend sind. Orbit gibt dem Hörer die Möglichkeit, sie einmal mit anderen Augen zu betrachten. (gw) |
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