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Wer fürchtet sich vor Stephen King?

Wer fürchtet sich vor Stephen King?

Stephen King ist kommerziell gesehen einer der erfolgreichsten Schriftsteller der Welt. Leser und Kritiker sind gespalten. Die einen halten ihn für einen simplen Spannungsautor, die anderen für einen wichtigen Literaten. King selbst sagt: „Meine Bücher sind das literarische Äquivalent zu einem Big Mac mit Pommes.“ Dennoch hat er 2003 den National Book Award erhalten, eine der höchsten Ehrungen für amerikanische Schriftsteller. Wer ist dieser Stephen King? Und was zeichnet sein Werk aus? Uwe Anton legt nun im Hannibal Verlag eine erweiterte Neuausgabe seines Buches „Wer fürchtet sich vor Stephen King?“ vor.

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Das Buch hat den Anspruch, einen Überblick über Kings Leben und Werk zu bieten, ist also eine Biomonographie. Und eine von vielen. Anton betont mehrmals, dass es inzwischen mehr Bücher über King gibt, als dieser selbst verfasst hat. Hierin schwingt bereits ein erstes Problem von Antons Buch mit: Zwar ist Anton zweifellos ein Kenner des kingschen Schaffens, aber er ist auch – und das in erster Linie – ein Fan, ein Verehrer. Das muss nicht zwangsläufig schlecht sein, aber in einem Sachbuch hat diese Haltung nichts verloren. Denn sie führt dazu, dass der nötige Abstand zum Subjekt verloren geht, und mit ihm jede Sachlichkeit. Davon, dass King „großartig“ schreibt, möchte sich doch bitte der Leser selbst überzeugen. Die nötige Tiefe für Biographie und Werkschau gehen verloren, aber das hat noch einen weiteren Grund: Anton schreibt (unter anderem) im Perry-Rhodan-Team. Zwar trifft die Bezeichnung „Groschenroman“ längst nicht mehr auf den Preis, wohl aber immer noch auf den Inhalt zu. Und leider setzt sich das in „Wer fürchtet sich vor Stephen King?“ fort. Während King selbst ein brillanter Stilist der einfachen Sätze ist, formuliert Uwe Anton oft holprig und ungelenkt.

Ein ordentlicheres Lektorat und Korrektorat hätte dem Buch gut getan. Zum einen stolpert man ständig über unnötige Wiederholungen und fragt sich, warum einige (meist belanglose) Infoboxen so völlig zusammenhangslos eingefügt wurden. Hinzu kommen ärgerliche orthographische Schwächen, zumeist schlichte Tippfehler. Das ist umso unverständlicher wenn man bedenkt, dass das Buch lediglich die überarbeitete und stark erweiterte Neufassung des bereits vor Jahren veröffentlichten Werkes „Wer hat Angst vor Stephen King?“ ist. Hiermit hat der Hannibal Verlag seinem Autor keinen guten Dienst erwiesen. Als Anton (zu Recht) das mäßige (Übersetzungs)lektorat in Kings jüngeren Werken bemängelte ahnte er vermutlich nicht, dass es ihm einmal ähnlich ergehen wird.

Der Inhalt des gut 300 Seiten starken Paperbacks gestaltet sich leider auch recht dünn. Großteils chronologisch bringt Anton einen Überblick über Kings Romane, Novellen und Kurzgeschichten, der aber immer nur dann interessant wird, wenn er inhaltliche Verknüpfungen und biographische Hintergründe beleuchtet. Ansonsten wird die Kernaussage „King schreibt über das Thema Angst, und das kann er gut“ in all ihrer Oberflächlichkeit, die dem Schaffen Kings nicht gerecht wird, in allen nur erdenklichen Varianten wiederholt, ohne je in Tiefe und Detail zu gehen. Hinzu kommen knappe Zusammenfassungen der Romane, die ebenfalls wenig tiefschürfend sind und mitunter wirken wie dilettantische Exposees. Das ist schade, gibt es doch bei King wirklich viel zu entdecken, in und zwischen den Zeilen.

Der biographische Teil (der in die Werkschau eingeflochten wird) ist allenfalls für diejenigen Leser interessant, die King noch nicht so gut kennen, denn er speist sich zum wesentlichen Teil aus Kings eigenen autobiographischen Notizen, Vor- und Nachwörtern, Interviews, sowie aus seinem Sachbuch „Das Leben und das Schreiben“. Sekundär- oder Tertiärquellen finden sich nur vereinzelt, etwa zu (aus guten Gründen) unveröffentlichten Stories. Hinzu kommt eine bisweilen seltsame Kategorisierung, da Anton offenbar in klaren Genregrenzen denkt. So passiert es, dass er sich scheinbar nicht sicher ist, wie er beispielsweise die Novellen „Pin-Up“, „Der Musterschüler“ und „Die Leiche“ einordnen soll. Sie gehören literarisch zum Besten, was King je verfasst hat, sind aber keine Horrorstories. In Ermangelung eines besseren Begriffs nennt Anton sie „Mainstream-Novellen“, ungeachtet der Tatsache, dass das Genre Horror der Inbegriff von kommerziellem Mainstream ist.

Zuletzt fragt man sich, wer die Zielgruppe dieses Buches sein soll. Der geneigte Kingleser erfährt nahezu nichts Neues. Für ihn ist allenfalls der wirklich akribische Anhang mit einer Werkübersicht interessant. Der Neuling, der vielleicht erstmals mit King in Berührung kommt, könnte vielleicht sogar eher abgeschreckt werden. Empfehlenswerter sind für Neugierige viel eher Stephen Kings Website (www.stephenking.com) oder die inzwischen etwas in die Jahre gekommene aber immer noch gute King-Biographie von George Beahm.

Gerrit Wustmann


Uwe Anton: Wer fürchtet sich vor Stephen King? (Hannibal Verlag)
Uwe Anton: Wer fürchtet sich vor Stephen King? (Hannibal Verlag)

Datum: 14.08.2010

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