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Izzy Stradlin: Wave Of Heat

Relaxed-rockige Hitzewelle

Es ist bereits das zehnte Soloalbum, das der kalifornische Gitarrist und Songwriter Izzy Stradlin seit seiner großen Zeit mit Guns N’ Roses und den JuJu Hounds vorlegt. Klampfer Rick Richards, Drummer Taz Bentley und Bassist Duff McKagan runden Stradlins entspannten Rock ab, der mehr denn je zeitgemäß ist.

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Es scheint, dass Izzy Stradlins Produktivität mächtig zugenommen hat, seit er nicht mehr mit der großen Plattenindustrie zusammenarbeitet. Die letzte Scheibe, die er als Mitglied der Multimillionenindustrie veröffentlichte war das introspektive „On Down The Road“ – und das ist gut acht Jahre her. Seine damalige Plattenfirma kümmerte sich so gut wie gar nicht um das Marketing und versuchte stattdessen, Stradlin zu einer Clubtour in Asien zu nötigen. Ein unverzeihlicher Griff ins Klo. Offenbar war da jemandem nicht ganz klar, was für ein Juwel er zur Hand hatte.

1985 gründete Stradlin in Los Angeles gemeinsam mit seinem Schulfreund Axl Rose die Band Guns N’ Roses, aus der er 1991 ausstieg, weil große Stadiontouren nicht seine Sache sind. Er war die Rhythmussektion der „most dangerous band in the world“ und war für Hits wie „Sweet Child O’Mine“ und „Paradise City“ maßgeblich mitverantwortlich. Mehr als jedes andere Gründungsmitglied prägte er den Sound der Gunners. Seine Wurzeln liegen im klassischen amerikanischen Rock, den er immer wieder mit Elementen aus Country, Blues und Rockabilly kombiniert. Was er wirklich zur Band beigetragen hat wurde erst klar, als 1997 sein erstes Soloalbum „117°“ erschien.

Im Frühjahr 2003 also kehrte Stradlin der kommerziellen Musikindustrie den Rücken. Seine Abneigung gegen das Touren hielt ihn nicht davon ab, drei Jahre später mit GN’R einige Shows in Europa zu spielen – aber eben nur einige. Er betritt die Bühne, wenn ihm danach ist, und er kann es sich leisten. Er verzieht keine Miene darüber, dass seine Rolle in der Rockgeschichte bis heute unterschätzt wird. Die Lösung für ihn kam aus dem Hause Apple. Obwohl sich inzwischen diverse große Plattenfirmen alle Finger nach ihm lecken dürften, macht er keine Anstalten, ins Business zurückzukehren. Das Album „Like A Dog“, 2003 aufgenommen, ließ er privat pressen – gerade mal 1000 Exemplare. Erst 2007 stellte er es seinen treuesten Fans für einen kleinen Obulus auf seiner Website zur Verfügung. Seitdem nimmt er mindestens einen Longplayer pro Jahr auf (2009 auch ein reines Akustikalbum) und publiziert via iTunes.

Man kann natürlich beklagen, dass es von Stradlin kein physisches Produkt mehr gibt – keine CD mit Booklet und Liner Notes, nichts „Handfestes“. Aber dafür ist seine Musik umso handfester, und der Handel geschieht direkt zwischen Künstler und Hörer. Das sieht auch Sleaze-Veteran Phil Lewis (L.A. Guns) als Modell für die Zukunft. Die Nine Inch Nails praktizieren es ebenfalls auf diese Weise. Vielleicht werden sogar Guns N’ Roses irgendwann diesen Weg gehen – zur Zeit liegen sie im Dauerklinch mit Universal Records, Bassist Tommy Stinson bezeichnete den Industrieriesen kürzlich sogar als „Räuber“.

Stradlin hat mit derartigen Sorgen nichts mehr am Hut. Sein neues Werk „Wave Of Heat“ schrieb er auf einem Motorradtrip durch Texas. Das tut er gerne: sich die Gitarre schnappen und mit seiner Harley ins Nirgendwo fahren, um neue Songs zu kreieren. Im abschließenden Song „Texas“ verarbeitet er eben das. Ihm voran gehen neun Songs, die man am besten als „relaxten Rock“ bezeichnen kann. Stradlin klingt wie einer, der angekommen ist, der mit dem Leben seinen Frieden gemacht hat, der im Sonnenuntergang sitzt und noch immer dieselben Akkorde spielt wie in seiner Jugend – aber ohne den Druck, ohne Aggression, ohne sich oder der Welt irgendwas beweisen zu müssen. „Back down the road“ singt er, als wollte er sagen: Ich hab viel erlebt, und nun bin ich hier und alles ist ok. Es klingt auch ein wenig abgeklärt. Dass sein Songwriting etwas ist, das man in dieser Form heute kaum noch findet reflektiert er augenzwinkernd in „Old Tune“: „I’m tied up in an old tune, let me go“ – gefolgt von einem Southernrock-Country-Solo.

Ein Schlusspunkt? Sicher nicht, noch lange nicht. „Waiting For My Ride“ heißt ein weiteres Stück. Izzy Stradlin ist ein Musiker auf der Höhe seines Schaffens. Beweisen muss er wirklich nichts mehr. Er hat Millionenseller geschrieben und der Rockmusik Ende der 80er neue Impulse gegeben. Er hat Experimente gemacht und inzwischen zu einem gereiften, unverwechselbaren Stil gefunden. Ein Fels in der immer beliebiger werdenden Rockbrandung. Hoffen wir, dass er sich noch auf viele inspirierende Motorradtrips begeben wird. (gw)


Izzy Stradlin "Wave Of Heat" - exklusiv bei iTunes
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Datum: 04.09.2010

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