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Seymour Hersh für „unkontrolliertes“ Internet

Der Starjournalist stellt sich gegen die Online-Zensur

In China, Nordkorea, Iran und vielen weiteren Ländern ist die aktive Zensur des Internet traurige Realität. In Russland sitzen Blogger und Online-Redakteure in Haft, und trotz Demokratie hat die türkische Regierung Youtube für den Zugriff geblockt. Aber auch Regierungen wie die deutsche oder die amerikanische wollen in den nächsten Jahren Reglementierungen auf den Weg bringen, die einer Zensurinfrastruktur gleichkämen. Nun hat sich der amerikanische Enthüllungsjournalist Seymour Hersh deutlich gegen diesen Trend ausgesprochen.

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Der 73jährige Pulitzerpreisträger mahnt, das Internet müsse „unkontrolliert“ bleiben. Regierungen in aller Welt würden sich vor der Informationsfreiheit, die das Netz bietet, fürchten. Während autokratische Regime ihre Zensur einfach durchsetzen, haben es demokratisch legitimierte Regierungen schwerer. Sie müssen sich möglichst mehrheitsfähige Gründe ausdenken. In den USA ist das – wie sollte es auch anders sein – der internationale Terrorismus. In Deutschland werden Beschränkungen neben der Sicherheit auch mit dem Kampf gegen Kinderpornographie begründet. Ein fadenscheiniges Argument, kritisiert hierzulande die Piratenpartei und verweist darauf, dass man, will man ernsthaft gegen Kinderpornographie vorgehen, die Täter aus dem Verkehr ziehen müsse. Ein reines Unsichtbarmachen der Verbrechen würde den Opfern kaum helfen.

Zudem fiel bei Sperrlisten von Internetseiten, die in diesem Kontext in mehreren europäischen Ländern erstellt wurden, auf, dass dort vor allem auch kritische Blogs und Onlinemagazine ins Visier genommen werden.

Hersh steht dem Internet aber nicht unkritisch gegenüber. Die Marktmacht von Unternehmen wie Google beobachtet er mit Skepsis. Immerhin: Seit 2010 veröffentlich der Konzern jährlich eine Liste derjenigen Staaten, die sich mit Zensuranfragen an den Suchmaschinenbetreiber richten. Dessen Cache hat ein großes Gedächtnis. (gw)

Datum: 14.10.2010

Diskussion: "Seymour Hersh für „unkontrolliertes“ Internet"

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